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Kultur Kunsthalle Rostock: Promigeilheit auf allen Ebenen
Nachrichten Kultur Kunsthalle Rostock: Promigeilheit auf allen Ebenen
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16:00 29.01.2019
Gastkommentar der Malerin Miro Zahra aus Plüschow zum Programm der Rostocker Kunsthalle. Quelle: Jens Büttner/dpa
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Rostock

Im Bezug zum Beitrag über die Ausstellung bildRaum in der Kunsthalle Rostock Die „Bildraum“-Ausstellung und dem bedauern, dass zu wenig Diskurs über die künstlerischen Inhalte in der Kunsthalle stattfindet, kann man nur anmerken: Wenn es keine interessanten künstlerischen Inhalte gibt, kann man auch keinen Diskurs führen. Die letzte Ausstellung bringt nur überdeutlich zum Ausdruck was in der Kunsthalle Rostock das Programm bestimmt: Promigeilheit auf allen Ebenen. Eine echte geistige Auseinandersetzung mit gegenwärtigen Themen, Mut zum Experiment – Fehlanzeige; stattdessen nur das bemühte Hinterherhecheln einem vermeintlichen Mainstream. Hierbei wird Kunst zwangsläufig zur Dekoration degradiert. Kritische Auseinandersetzung mit künstlerischen Inhalten findet leider woanders statt. Aus diesem Grund trifft man schon seit Jahren kaum noch Künstler*innen in der Kunsthalle. Es gibt kaum kunstinteressiertes Publikum, sondern vorwiegend eine sich selbstspiegelnde und selbstverliebte Partygesellschaft.

Schlechtes Signal an die junge Generation

Selbstverständlich gab es im Programm der Kunsthalle auch positive Ausnahmen, wie z.B. Sean Scully (2015), oder CREDO (2011). Aber das Gesamtbild ist ernüchternd. Dazu kommt noch die zum Teil unkorrekte und verklärte Darstellung der Kunst zur Zeiten der DDR und der Versuch die schon damals anerkannten und politisch konformen künstlerischen Positionen noch einmal hervorzuheben. Was soll das der jungen Generation sagen: Dass es sich immer lohnt, sich den jeweiligen politischen Verhältnissen angepasst und opportunistisch zu verhalten? Ein sehr schlechtes Signal an die junge Generation, gerade jetzt, wo mündige Bürger und Bürgerinnen gefragt sind. Notwendig wäre eine kritische Auseinandersetzung mit der DDR-Wirklichkeit, einschließlich der damals unterdrückten oder zur Ausreise gezwungenen Künstleravantgarde.

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Den Anschluss der Kunsthalle Rostock an die nordeuropäische zeitgenössische Kunst wie es Dr. Annie Bardon mit den Ostseebiennalen 1992 und 1996 versucht hatte, fehlt leider völlig. Eine entschiedene Haltung zur Internationalität würde dem Programm das Dr. Neumann verantwortet gut tun und ist das was die Zeit dringend benötigt. Wenn weiter im Beitrag angemerkt wird, dass nur 40 Prozent der auf dem Bildsofa Abgebildeten Frauen sind, muss man zwangsläufig dann auch fragen: Wo sind die weiblichen Positionen im Programm der Kunsthalle? Wenn man genauer hinschauen würde, dann würde der Prozentsatz beteiligter Künstlerinnen noch niedriger ausfallen.

Frauenbild vom vorletzten Jahrhundert

Noch bedenklicher allerdings finde ich, dass in der Kunsthalle ein Frauenbild vom vorletzten Jahrhundert vermittelt wird. Ganz oft wird hier die Frau als passives Objekt dargestellt – statisch und fremdbestimmt (wie z.B. Maler und Modell (2018), oder Rankin (2016)), ganz im Gegensatz zum Selbstbild von den meisten Frauen heute. Das finde ich sehr bedenklich, zumal die Kunsthalle öffentlich gefördert ist und mit ihrem Programm auch einen Bildungsauftrag zu erfüllen hat. Da hilft es auch nicht, dass die Ministerpräsidentin des Landes auf dem Bildsofa Platz nimmt. Vor dieser Kulisse ist es eher ein verstörendes Bild.

Und warum nennen die Kollegen und Kolleginnen im Beitrag nicht ihre Namen – Selbstverständlich wollen sie sich es mit der Leitung der Kunsthalle nicht verscherzen, in einem Bundesland wo es kaum noch Präsentationsorte für zeitgenössische Kunst gibt. Da muss man wohl noch einen Fuß in der Tür behalten. Wer könnte es ihnen verdenken. Somit fällt auch offene Diskurs weg.

Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Miro Zahra ist Malerin, Landeskulturpreisträgerin und langjährige Leiterin des Mecklenburgischen Künstlerhauses Schloss Plüschow

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Miro Zahra