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Kultur Neue Bilder in der Sammlung: Kunstmuseum Ahrenshoop zeigt Alfred Partikel und Gerhard Marcks
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13:37 14.04.2019
Eine Besucherin des Kunstmuseums Ahrenshoop vor der Bronze „Marianne“ (1932) und Bildern von Gerhard Marcks. Quelle: Michael Meyer
Ahrenshoop

Die Landschaften an den Wänden wirken wie der Raum zu den Figuren davor. Die Bronzeplastiken im Raum wie ein Figurenkabinett, das zu den sie umgebenden Landschaften gehört. Begegnungen und Freundschaften sind zentral zur Künstlerseele und zum Schaffensprozess jedes Künstlers. Aus ihnen ziehen Künstler Motivation wie Kontrapunkte, Zuspruch wie Widerspruch, Entwicklung menschlich wie künstlerisch. In dem kleinen Saal im Ahrenshooper Kunstmuseum entdeckt man auf der Stelle, dass hier die Arbeiten zweier Seelenverwandter ausgestellt werden. Alfred Partikel (1888-1945) und Gerhard Marcks (1889-1981). „Eine Künstlerfreundschaft in Ahrenshoop“ heißt die Schau, die am vergangenen Freitag Abend vor 150 Gästen im Ahrenshooper Kunstmuseum eröffnet wurde.

Eine Künstlerfreundschaft, die über Ahrenshoop hinaus ging und ihre tiefen kunstgeschichtlichen Spuren nicht nur im Ostseebad, sondern in Niehagen auf dem Fischland, in Berlin, Weimar, Dornburg, Halle oder Königsberg hinterließen.

Beide Künstler wurden im Ersten Weltkrieg schwer verwundet

Alfred Partikel, der Maler aus bürgerlichem Hause im ostpreußischen Goldap, Pilkallen und Königsberg, der allein durch übermäßiges Talent und nicht durch frühe bildungsbürgerliche Berührung den Weg zur Kunst fand und eine der bedeutendsten Positionen der Ahrenshooper Künstlerkolonie in der Klassischen Moderne beansprucht. Und Gerhard Marcks, der Bildhauer aus Berlin, der auf Burg Giebiechenstein in Halle an der Saale ebenso lehrte und wirkte wie an der Preußischen Akademie der Künste in Berlin, der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meißen oder der Staatlichen Kunstgewerbeschule Berlin und der Mitbegründer der Bauhaus-Töpferei in Dornburg an der Saale war. Zwei Künstler deren Stand in der Kunst der Moderne unbestritten ist. Sie beide kannten sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts aus Berlin und ihrer Tätigkeit in der Berliner Secession.

Beide Künstler verloren einen Sohn im Zweiten Weltkrieg

Beide suchten Zuflucht auf dem Fischland-Darß – Partikel in Ahrenshoop, Marcks in Niehagen. Beide wurden im Ersten Weltkrieg schwer verwundet und beide verloren einen Sohn an den Zweiten Weltkrieg. Wie nahe und innig sie sich standen, geht aus zahlreichen liebevollen Noten, Kommentaren, Gedichten und Einträgen in beider Gästebücher hervor. Und sie waren mehr als befreundet. Partikels Schwiegermutter war eine Schwester von Marcks’ Schwiegermutter. Familiäre Bande und geistige Einheit.

Bronzeplastiken, Grafiken, Holzschnitte und Zeichnungen von Gerhard Marcks und Gemälde, Zeichnungen, Skizzen von Alfred Partikel sind derzeit im Kunstmuseum Ahrenshoop zu sehen.

Schon früh begannen die beiden Künstler gemeinsam zum Beispiel an dem so genannten „Osteraltärchen“ – zu sehen im Bremer Marcks-Haus – zu arbeiten. Zahlreiche Motive in den Bildern und Plastiken, die auch in Ahrenshoop zu sehen sind, spiegeln einander oder entwickeln sich auseinander. Zum Beispiel der Holzschnitt „Der Flitzbogen“ (1923) und die Radierung „Alfred Partikel als Bogenschütze“ (1929) von Gerhard Marcks mit der Widmung: „Lieber Alfred, das bist du 1929 von Gerhard“.

Beide Künstler bildeten sich gegenseitig zahlreich ab

Und beide bildeten sich gegenseitig in ihren Werken ab – nicht selten, zahlreich. Der kubistische Weg, der bei Partikel immer wieder durchwirkt, ist zum Beispiel auch in dem Holzschnitt vom „Flitzbogen“ von Gerhard Marcks zu erkennen. Und die humanistisch-klassische Haltung der Figuren in den Bronzeplastiken von Gerhard Marcks findet sich in den Aktstudien von Alfred Partikel ebenso wieder. Partikel wird immer wieder gern über seine farbigen bauhausgepägten und vom Kubismus inspirierten Landschaften identifiziert. In seiner Weltwahrnehmung finden sich der Regenbogen und das bäuerliche Fischlandidyll mit knurrigem Katen eben neben den Kennzeichen der Moderne wie rauchenden Schloten oder kantigen Neubauten. Und darin ebenso enthalten die Merkmale des Expressionismus, nicht nur über die Farbigkeit, sondern auch über die metasphärischen Elemente und Traumsymbole.

Ausstellungen

Gerhard Marcks und Alfred Partikel: „Eine Künstlerfreundschaft in Ahrenshoop“, 13. April bis 8. September 2019.

„Respekt und Widerhall“ Jo Jastram im Dialog mit seinen Künstlerfreunden Kate Diehn-Bitt und Johannes Müller. 23. März bis 1. September

Ständige Ausstellung: Sammlungspräsentation Gründergeneration und Klassische Moderne.

Öffnungszeiten: täglich 11 – 18 Uhr.

Gerhard Marcks wird gern auf seine Holzschnittarbeiten reduziert. Diese Ausstellung zeigt ein weit umfassenderes Werk. Die Bronzefiguren, die aus dem Klassischen kommen und eben bis in die Haltungen des Expressionismus eines Ernst Barlach reichen. Die Landschaften, die an die Künstlerkolonie der Freilichtmalerei vor der Natur anknüpfen. Und die Akte und Körper- als auch Porträtstudien, die an die Berliner Secession, an die Berliner Schule erinnern. Beide Künstler suchten zwar das Idyll an der Ostsee, verloren aber nie den Kontakt zur urbanen Kunstszene – europaweit. Und das zeigt ihr Werk. Zwei große Künstler, die ihr Leben lang um Haltung rangen.

Partikel verschwand 1945 spurlos im Wald, Marcks starb mit 92

Die Arbeiten, die im Kunstmuseum Ahrenshoop zu sehen sind, stammen zu großen Teilen aus dem Bremer Gerhard-Marcks-Haus, aus dem Nachlass von Alfred Partikel und aus der eigenen Sammlung. Dem Kunstmuseum ist es gelungen, drei Werke von Alfred Partikel, darunter das große, bekannte Ölgemälde „Landschaft mit Regenbogen“ (um 1922) mit Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der Stiftung der Sparkasse Vorpommern in Greifswald für die Sammlung anzukaufen.

Zur Vernissage kamen auch Enkel von Gerhard Marcks und eine Tochter von Alfred Partikel, die in einigen frühen Gemälden und Zeichnungen ihres Vaters und auch von Gerhard Marcks als Kind zu sehen ist. Zwei große deutsche Künstler mit einem völlig unterschiedlichen Ende.

Alfred Partikel verschwand am 20. Oktober 1945 beim Pilzesuchen im Ahrenshooper Holz spurlos, gilt seitdem als verschollen und wurde für tot erklärt. Um sein Verschwinden ranken sich unzählige Legenden vom Freitod wegen des Schmerzes über den Verlust des Sohnes bis zum Mord durch russische Geheimagenten und auch einer Flucht nach Skandinavien wegen einer heimlichen Liebschaft. Geklärt wurde der Fall nie. Gerhard Marcks starb 1981 in der Eifel im stolzen Alter von 92 Jahren. Geblieben sind zwei große Lebenswerke.

Michael Meyer

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