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Kultur Kunstprojekt zeigt unpassende Posen am Holocaustmahnmal
Nachrichten Kultur Kunstprojekt zeigt unpassende Posen am Holocaustmahnmal
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14:12 18.09.2014
Die Greifswalder Kunststudentin Paula Gau hat mit ihrem Projekt „Instacaust“ bei der diesjährigen Kunstschau „Insomnale“ den ersten Platz belegt.
Die Greifswalder Kunststudentin Paula Gau hat mit ihrem Projekt „Instacaust“ bei der diesjährigen Kunstschau „Insomnale“ den ersten Platz belegt. Quelle: Peter Binder
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Greifswald

Foto vom Holocaust-Mahnmal in Berlin: Ein Mädchen lugt kokett hinter einer der Stelen hervor, als posiere sie für ein Modemagazin. Darunter hat sie die Wörter getippt: „bisschen touripipapo“. Eine andere Jugendliche springt von einer der Stelen wie jubelnd in die Luft, darunter das Stichwort „happy“. Alles hochgeladen bei „Instagram“, einem Portal, auf dem Fotobegeisterte ihre Schnappschüsse präsentieren.

„Es ist unglaublich, wir unsensibel manche Jugendliche mit dem Thema Holocaust umgehen“, sagt die Greifswalder Kunststudentin Paula Gau (23), die früher mit ihrem Großvater mehrere KZ-Gedenkstätten besuchte, sich immer wieder mit diesem dunklen Kapitel deutscher Geschichte beschäftigte. Unter dem Titel „Instacaust“ hat sie Schnappschüsse wie die der beiden Mädchen am Greifswalder Kunstinstitut auf Plakate gedruckt, schwarz-weiß in Siebdrucktechnik verfremdet, auf Karteikarten platziert - und mit dieser Zusammenstellung bei der diesjährigen Kunstschau „Insomnale“ in Greifswald den ersten Platz gemacht.

Vier Wochen darf die junge Lehramtsstudentin nun im Winter in Ahrenshoop zusammen mit anderen Künstlern arbeiten, das dort Geschaffene 2015 ausstellen und in einem Katalog präsentieren. „Das ist schon genial, zumal der Katalog professionell gemacht wird“, erzählt sie. „Dieser Erfolg hat mein Selbstbewusstsein ganz schön gepuscht.“

Zumal er nicht der einzige war: Nur einen Tag vor der Insomnale hatte Paula Gau auch einen Wettbewerb des Landeskriminalamts Mecklenburg-Vorpommern gewonnen - unter anderem mit einem Motiv, das drei angebissene Schaumküsse zeigt, überzogen mit dunkler, brauner und weißer Schokolade, darunter der Spruch: „Von innen sind wir alle gleich“. Kunst mit politischer Botschaft - „sowas mag ich“, sagt die 23-Jährige, die in Berlin aufgewachsen ist, viel reist und fotografiert. Am Projekt „Instacaust“ will sie noch eine Weile weiter arbeiten.

 



Sybille Marx