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Kultur Literarische Aufarbeitung eines Leidensweges durch die Psychiatrie
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00:00 24.09.2015
Autor Christian Discher hat seine Erlebnisse literarisch verarbeitet. „Die Stimmen der Übriggebliebenen“, UnderDog Verlag 2015; 14,90 Euro
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Potsdam

„Die acht Wochen in Ueckermünde haben mich zehn Jahre meines Lebens gekostet“, bilanziert Christian Discher heute. Als 17-Jähriger war er in die geschlossene Psychiatrie Ueckermünde eingeliefert worden — im Sommer 1997. Christian Discher war damals in eine seelische Krise geraten. Eine Seelsorgerin brachte ihn die Neubrandenburger Psychiatrie, von dort aus wurde er auf die Akutstation Ueckermünde geschickt, aufgrund einer „psychotischen Symptomatik“. Der Aufenthalt sollte Dischers Lebensweg stark beeinflussen. Was Christian Discher erlebte, hat er nun aufgeschrieben. „Die Stimmen der Übriggebliebenen“, heißt das Buch, in dem er seine Erlebnisse verarbeitet hat.

Im November 2013 begann Discher zu schreiben, seine Erinnerungen hatte er konserviert. Medikamente hatten ihn in Ueckermünde ruhiggestellt. „Ich konnte mich zwar kaum artikulieren und bewegen, war aber die ganze Zeit hellwach“, erklärt er. Wegsperren und Fixieren, so hat er den Klinikalltag erlebt, Discher vermisste die Zuwendung des Personals. Hauptkritikpunkt bleibt die Verabreichung von Medikamenten mit massiven Nebenwirkungen wie Haloperidol.

Discher hat bewusst eine literarische Aufarbeitung gewählt. „Ich sehe das als meine Pflicht an, auch im Sinne der anderen Patienten“, sagt der Autor heute. Er skizziert seinen weiteren Leidensweg nach der Entlassung. Für ihn gab es eine gute Wendung: Christian Discher fand eine psychotherapeutische Einrichtung in Lübeck, in der ihm endlich geholfen wurde. „Ich hätte nicht geglaubt, dass es Psychiater gibt, die sympathisch sind, das persönliche Gespräch suchen und sich liebevoll um ihre Patienten kümmern“, sagt Discher heute über seine Zeit in Lübeck. Das war die Rettung.

Sein Lebensweg führte ihn später nach Berlin, Discher studierte Französisch und Englisch, schrieb danach seine Doktorarbeit mit dem Schwerpunkt Migration. Christian Discher engagiert sich heute für Menschen, die im Abseits stehen. „Die Stimmen der Übriggeblieben“ liest sich nicht nur als bewegende Lebens- und Leidensgeschichte. Dischers Werk soll als Plädoyer für eine menschenfreundlichere Psychiatrie verstanden werden.



Thorsten Czarkowski

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