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Kultur Märchennaturalismus im Irgendwo und Irgendwann
Nachrichten Kultur Märchennaturalismus im Irgendwo und Irgendwann
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00:17 26.10.2015
Die Damen der Königin der Nacht, Itziar Lesaka, Márta Kosztolányi und Sophia Maeno (v. l.) betören Prinz Tamino (Daniel Wagner). Quelle: Silke Winkler
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Schwerin

„Mann und Weib und Weib und Mann / reichen an die Gottheit an“, so singen Prinzessin Pamina und der plebejische Vogelfänger Papageno, aber sie meinen sich nicht gegenseitig. Wie sie dennoch in diesen Idealzustand gelangen, erzählen Mozart und sein Librettist Schikaneder in ihrer Oper „Die Zauberflöte“, die am Freitag im Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin Premiere hatte.

Diese berückende Mischung von Zaubermärchen, Volksschwank und großer Oper tut dies in den hochgemuten Illusionen des 18. Jahrhunderts vom unaufhaltsamen Triumph des Guten über das Böse und von einer Liebe, die, wenn sie sich — auch in lebensgefährlichen Prüfungen — nur mit Weisheit und Vernunft verbindet, unbesiegbar wird. Das kann man nur noch als Märchen darstellen.

Auf der einen Seite die böse Königin der Nacht Nicola Proksch, die ihre halsbrecherischen Koloraturen in waghalsigen Positionen souverän darbietet. Der gute Sarastro Igor Storozhenko, der die gestopfte Würde der Weisheit unerschüttert aussingt — und seine statisch agierende Priesterentourage. Dazwischen Prinz Tamino Daniel Wagner, der die geliebte Pamina erringen will, sängerisch und gestalterisch ein wenig initiativlos, und Pamina Stamatia Gerothanasi, wie ein staunendes Naturkind, aber intelligent gestaltet, ihre große Arie „Ach, ich fühl‘s“ ist der bewegende Höhepunkt der Aufführung.

Die Geschichte des „hohen Paares“ belustigend begleitet von der Geschichte des „niederen Paares“ Papageno Niccoló Paudler und Papagena Katrin Hübner, die zwar nicht nach Götterähnlichkeit streben, dafür aber viele und oft Kinder machen wollen. Humorig und mit erfrischender Lebendigkeit. Genau so, nahezu unaufgeraut und ungebrochen, fern jeglicher Fragwürdigkeit bietet Regisseur David Freeman (63) diese Oper dar: Konventionell, brav und bieder folgt er ihren schönen Illusionen, in einem Märchennaturalismus im Irgendwo und Irgendwann, nur ohne die zauberhafte Poesie des Märchens.

Die erlaubt ihm schon die karge und abstrakte Bühnenkonstruktion seiner Ausstatterin Louie Whitemore — trotz bunter Kostümierungen — nicht, grau-kalte Spielgerüstbogen oder halbvergrabene Rhönräder, an denen die Personen singend zaghaft herumturnen. Soll dies den Spielplatz des unverbindlich schönen Scheins markieren? Nur an den Rändern gibt es Irritationen, aber unklar. Die violetten Damen der Königin der Nacht, gut im Zusammenklang Márta Kosztolányi, Sophia Maeno und Itziar Lesaka, bewegen sich auf allen vieren mit katzenhaft schmeichlerischen oder bedrohlichen Gesten. Überraschend tut dies auch Sarastros Sprecher (Markus Vollberg), aber nur anfallsweise. Sarastros selbst wird permanent von zwei Löwen mit ebensolchem Habitus begleitet, Wachhunde oder Statussymbol.

Aber was soll dies zeigen? Die allmähliche vernünftige Bändigung der „bösen Natur“ oder den dämonischen Untergrund des Guten? Aufgelöst wird das Rätsel nicht — schon gar nicht im fraglosen, hochherzigen Finale, in dem Sarastros unerschöpfliche Güte über die Königin der Nacht siegt und Tamino und Pamina sich in die Arme sinken, indessen Papageno und Papagena verliebt herumtollen.

Und wenn sie nicht gestorben sind . . .

Klarer, schöner und deutlicher war das, was da unter der Leitung von Gregor Rott mit der Mecklenburgischen Staatskapelle aus dem Orchestergraben erklang, in schöner Transparenz und mit energischem theatralischen Schwung.

Mozarts Oper in Schwerin
„Die Zauberflöte“ — Die Musik für die Oper in zwei Aufzügen „Die Zauberflöte“ stammt von Wolfgang Amadeus Mozart. Das Libretto stammt aus der Feder von Emanuel Schikaneder. Am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin inszenierte David Freemann (Dramaturgie Katharina Reichenberger), die musikalische Leitung hat Gregor Rot, die Choreinstudierung leitet Ulrich Barthel.
Weitere Aufführungen — 29. Oktober, 19.30 Uhr; 6. Dezember, 18 Uhr und 23. Dezember, 19.30 Uhr.



Heinz-Jürgen Staszak

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