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00:00 11.06.2015
Das Zelt steht: Thomas Schmidt (v.l.), Robert Mrotzek, Michael Steiger und viele mehr hoffen auf hunderte Besucher.
Das Zelt steht: Thomas Schmidt (v.l.), Robert Mrotzek, Michael Steiger und viele mehr hoffen auf hunderte Besucher. Quelle: Peter Binder
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Greifswald

Am Morgen war die Wiese hinter der Stralsunder Straße 10/11 noch leer, jetzt ragt da dieses knallrote Zirkuszelt in den Himmel. Saskia Schniete von den Greifswalder Kunstwerkstätten strahlt. Hier mit anzupacken, sei schon anstrengend, sagt sie. „Aber es ist ja so eine großartige Arbeit!“

Denn was ab morgen in dem Zirkuszelt passieren soll, ist ein Gemeinschaftsakt, den es so noch nie gab: Fast vier Wochen lang wollen über 15 Kultur- und Bildungsvereine aus der Stadt das Festivalgelände mit allem bespielen, was sie zu bieten haben. Theater und Livemusik soll es geben, Filme und Flohmärkte, Workshops und Debatten, Imbiss und Infostände.... das alles unter dem Titel „Stadtimpuls“, ähnlich wie schon vor zehn Jahren, nur viel größer (die OZ berichtete).

Das Sextett Django Lassi wird morgen Abend den Auftakt machen. 150 Zuhörer könnten dann im Zelt sitzen, weitere draußen stehen. Mit Gipsy-Swing sollen die Musiker ihr Publikum zum Tanzen bringen.

„Wir hoffen, dass sich dann mehr und mehr herumspricht, was hier alles los ist“, sagt Saskia Schniete. „Schließlich wollen alle zeigen, was sie können!“

Nebenbei soll das Festival den Entscheidungsträgern in der Stadt aber auch klar machen: Vereine brauchen Räume, oder wie Mitorganisatorin Katrin Haubold es nennt: „Ideen brauchen Platz!“ Seit 2010 studiert die Sächsin in Greifswald, „ich kriege seitdem immer wieder mit, dass vor allem studentische Vereine verzweifelt nach Räumen suchen.“ Auch der Greifswalder Theaterpädagoge Jan Holten sagt:

Vereinsleuten im Kultur- und Bildungsbereich werde die Arbeit nicht unbedingt leicht gemacht. „Stellen und Fördergelder werden bei fortschreitendem Sparkurs gestrichen“, kritisiert er, hohe Mietkosten oder Raumkündigungen bedrohten manches Jugendprojekt. Dabei hätten Ehrenamtliche für die Sozialkultur der Stadt eine ganz wichtige Funktion.

Das dürfte auch am Sonnabend deutlich werden: Die AG Willkommenskultur hat für diesen Nachmittag Flüchtlinge aus den Heimen in Greifswald, Anklam, Torgelow, Strasburg und Jarmen aufs Festivalgelände eingeladen — zu Livemusik, Kinderspielen, Kaffee und Kuchen. „Ungefähr 150 Flüchtlinge werden kommen“, erzählt Michael Steiger von der AG. „Wir hoffen, dass mindestens nochmal genauso viele Greifswalder da sind“. Damit Einheimische und Zuwanderer sich begegneten und viele Kontakte entstünden — am besten weit über das Festival hinaus.

Auch aus anderen Gründen ist Steiger aber gespannt auf den „Stadtimpuls“. Er arbeitet im Verein Kultur- und Initiativenhaus mit, der das heruntergekommene Haus in der Stralsunder Straße 10/11 seit Monaten auf eine Renovierung vorbereitet. Vereine wie das Studententheater und die Nähwerkstatt Kabutze wollen in ein paar Jahren hier einziehen. „Mit dem Festival können wir schon mal antesten, wie das vielleicht sein wird“, sagt Steiger. „Das fühlt sich gut an.“

„Geballte Kompetenz“, nennt Saskia Schniete das Zusammenspiel der vielen Vereine. Nachdem Jan Holten im Januar die Idee zum „Stadtimpuls“ gestreut hatte, haben über 60 Vereinsvertreter gemeinsam das Programm geplant, Spenden gesammelt, das Gelände vorbereitet. Heute und morgen müssten noch Plakate und Schilder aufgehängt werden, damit keiner das versteckt liegende Zelt verfehlt, erzählt Saskia Schniete. Dann heißt es: Manege frei! „Und selbst wenn weniger Leute kommen als wir uns das so ausmalen, wird das Festival ein Erfolg“, sagt die 30-Jährige. Denn dass so viele Ehrenamtliche gemeinsam etwas auf die Beine stellten, sei etwas Besonderes. „Wir lernen uns dabei gegenseitig kennen.“ Und ganz sicher entstünden aus diesen Begegnungen noch viel mehr tolle Ideen für die Stadt.

Die ersten Vorstellungen
Freitag, 20 Uhr: Eröffnungskonzert mit der Band Django Lassi, einem israelisch-ivorisch-amerikanisch-deutschen Sextett, das Gypsy-Swing spielt. Eintritt: 5 Euro, Veranstalter: Ikuwo Sonnabend, 16 Uhr: Figurentheater für Kinder ab 3 Jahre: „Der kleine Angsthase“. Eintritt: 3 Euro/2
Veranstalter: Stadtjugendring 17 Uhr: Eröffnungsperformance „Wenn Bilder sprechen könnten“ und Fest der Begegnung mit Flüchtlingen, Veranstalter: Stuthe, AG Willkommen Sonntag, 21 Uhr: Film „My Winnipeg“, Autobiographie von Guy Maddin, Eintritt 3 Euro, Veranstalter: Filmclub Casablanca
• Das volle Programm bis zum 5. Juli auf www.stadtimpuls.org



Sybille Marx