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Kultur Manuela Schwesig übergibt Landeskulturpreis an Inge Jastram
Nachrichten Kultur Manuela Schwesig übergibt Landeskulturpreis an Inge Jastram
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20:58 12.09.2019
Zwei Tage nach Bekanntgabe ihrer Brustkrebserkrankung: Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) verleiht den Kulturpreis des Landes Mecklenburg-Vorpommern an die bekannte Grafikerin Inge Jastram. Quelle: Cornelius Kettler
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Schwerin

Große Ehre: Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hat am Donnerstag Nachmittag die bekannte Grafikerin Inge Jastram mit dem diesjährigen Kulturpreis des Landes Mecklenburg-Vorpommern ausgezeichnet. Die Künstlerin, die im August 85 Jahre alt wurde, gehöre zu den besten Grafikerinnen und Illustratorinnen des Landes, sagte Manuela Schwesig bei dem öffentliche Auftritt in Schwerin. Der Kulturpreis des Landes ist mit 10 000 Euro dotiert.

Die 1934 in Naumburg (Sachsen-Anhalt) geborene Inge Jastram begann nach dem Besuch der Schule eine Lehre zur Schneiderin und ein Studium zur Modezeichnerin in Erfurt, das sie aber abbrach. Von 1952 bis 1957 studierte sie an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und erhielt ihr Diplom als Buchgrafikerin. Ihre Mentoren waren Werner Klemke, Paul Kuhfuss und Ursula Wendorff-Weidt. Inge Jastram setzt noch heute auf ihre künstlerischen Stärken. Dazu zählt ihr außergewöhnliches zeichnerisches Talent, das durch die Ausbildung in Weißensee weiter geformt wurde. Mit ihrem Mann Jo Jastram zog sie Ende der 1950er Jahre nach Rostock, ab 1973 lebten die beiden auf einem Hof in Kneese bei Marlow (Kreis Vorpommern-Rügen). Ihr Sohn ist der Bildhauer Jan Jastram, ihre Tochter Susanne Rast ist ebenfalls eine profilierte Bildhauerin.

Arbeiten auf Papier und am Bau

Die Illustration wurde das künstlerische Hauptfeld von Inge Jastram, es folgten auch baugebundene Arbeiten, die das Wachsen Rostocks begleiteten. „Das war eine tolle Zeit, erinnert sich Inge Jastram an diese Jahre des Aufbruchs. „Jo und ich, dazu die Maler – Wodzicka, Austen, Mannewitz, Münch –, der Architekt Peter Baumbach, die Leute vom Theater. Der Kern war Jos Atelier. Wir hatten die Bude immer voller Leute. Und dazu dieses Gefühl: Wir bauen Rostock auf! Als Künstler warst du gleichberechtigt mit den Architekten, hast mitplanen dürfen, warst als junger Mensch gefordert. Das war in Rostock sehr intensiv.“

Das Erste, was Inge Jastram gestaltete, war eine Glaswand mit Märchenmotiven in der Rostocker Südstadt. Gemeinsam mit dem Maler und Grafiker Feliks Büttner malte sie den Teepott in Warnemünde aus, gestaltete die Schülerspeisung und ein Café im Neubaugebiet Lichtenhagen, schuf einen 30 mal 3,70 Meter großen Bilderreigen für das Jugendmodewerk in Schmarl, gestaltete Giebel in den neu entstehenden Wohngebieten im Nordwesten der Stadt.

Wahlverwandtschaften zu Henri de Toulouse-Lautrec und George Grosz

Inge Jastram war in der DDR vor allem für den Hinstorff Verlag und den Eulenspiegel-Verlag als Buch- und Zeitungsillustratorin tätig. „Ich komme aus der ­Illustration und will erzählen!“, so ihr Credo. Ihre Technik als eine der besten Radiererinnen Deutschlands unterstreicht sie durch ihr thematisches Schaffen für eigene Gefühlswelten, erotische Fantasien, Eitelkeiten und Koketterien, aber auch durch einen gesellschaftspolitischen Anspruch zur Unterstützung von Minderheiten.

Inge Jastram bekennt sich in ihrem künstlerischen Schaffen ausdrücklich zu einer Wahlverwandtschaft mit Henri de Toulouse-Lautrec und George Grosz. Inge Jastram besticht durch ihre Perfektion der graphischen Technik und handwerkliche Fähigkeit. Seit 2004 hat sie ihr Schaffen mit Zeichnungen und Aquarellen erweitert.

Nach dem Tod ihres Mannes Jo Jastram im Januar 2011 hatte sich Inge Jastram vorerst zurückgezogen. „Jo und ich waren ein tolles Team“, sagt die Künstlerin heute. „Mein Mann liebte seine Arbeit und ich habe ihn dabei nach Kräften unterstützt. Wir waren immer gleichberechtigte Partner, die den gedanklichen Austausch und den Streit um künstlerische Lösungen gesucht haben.“

Sinnliche und bildgewaltige Arbeiten der Künstlerin Inge Jastram

Und immer wieder zieht es sie künstlerisch in die Welt des Zirkus. Dabei fasziniert von den Clowns, die hinter Schminke und Maske ihr wahres Ich verbergen, oft nicht zuletzt Hoffnungslosigkeit und Einsamkeit. Ihre geliebten Harlekins – „Philosophen unter den Artisten“ – müssten eigentlich Fröhlichkeit ausstrahlen, meint Jastram. Doch deren Porträts gestaltet sie zunehmend düsterer. „Je schlimmer die Zeiten werden, desto dunkler werden die Harlekins“, sagt sie etwas bedrückt.

Arbeiten „gegen soziale Kälte, Gewalt, Fremdenhass und Rassismus“

„Wenn ich arbeite, kann ich die Welt um mich vergessen“, sagt die Künstlerin aber auch. Dabei hat sie für sich eine Ent­deckung gemacht: „Ich habe früher nicht gewusst, wie viele Menschen alleine sind.“ Dies hat sie zu einem Thema ihres Schaffens gemacht und dabei ein Gespür dafür ent­wickelt, wie es denen ums Herz ist, die einsam und zudem oft freudlos leben müssen. Den Ausgegrenzten, Vergessenen und Verlorenen widmet sich die sensible Künstlerin in ihrem Schaffen auch aus sozialer Verantwortung: „Meine Kunst ist ein Plädoyer für Menschlichkeit. Sie wendet sich gegen soziale Kälte, Gewalt, Fremdenhass und Rassismus, die in unserer Gesellschaft immer mehr um sich greifen.“ Der Landeskulturpreis ist die Würdigung einer großen Künstlerin, deren Wirken über Mecklenburg-Vorpommern weit hinausgeht.

Von Thorsten Czarkowski und Werner Geske

Die Zeichnerin und Grafikerin Inge Jastram zählt zu den bekanntesten Künstlern Mecklenburg-Vorpommerns. Jetzt erhält die 85-Jährige den Landeskulturpreis für ihr Lebenswerk.

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