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Kultur Marsimoto landet sein Rap-Raumschiff in der Hansestadt
Nachrichten Kultur Marsimoto landet sein Rap-Raumschiff in der Hansestadt
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12:39 14.02.2019
Rapper Marsimoto lässt sich im Rostocker Moya von seinen Fans feiern. Quelle: Danny Gohlke
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Rostock

Grüner Nebel wabert durch den Raum, es riecht nach Gras: Das perfekte Szenario für eine Bühnenshow, die anmutet, wie ein extrem schräger Trip: Auf seiner Green Tour 2019 landete der Rostocker Marten Laciny alias Marsimoto am Dienstagabend sein Rap-Raumschiff im ausverkauften Rostocker Moya, wo er von rund 1500 Fans gefeiert wurde.

Mal mit Maske und glänzendem (Raum-)Anzug, mal im Männer-Jumpsuit mit aufgedrucktem V für sein aktuelles Album „Verde“, lässt Laciny seine Kunstfigur auf der Bühne agieren. Es ist eine Inszenierung, die fast sektenmäßig anmutet – auf der Bühne der Meister und Verbalakrobat mit der Heliumstimme – davor seine Jünger, die Marsianer.

Sein fünftes Album „Verde“, das im April 2018 erschienen ist, „römisch Fünf plus Erde gleich Verde“ steht für ein Stück grüne heile Welt – weit entfernt von all dem irdischen Irrsinn. Und tatsächlich hat „Marsi“ wie er von seinen Fans liebevoll genannt wird, auf „Verde“ einige gesellschaftskritische Botschaften im Gepäck. In dem Lied „Der beste Freund des Menschen“ besingt er die Schattenseiten des technischen Fortschritts, in „Chicken Terror“ kritisiert er die Massentierhaltung und propagiert mit „Friede sei mit dir“ Ideale wie zur Zeit der Hippie-Bewegung „grenzenlos Freiheit, grenzenlos Liebe“.

 

Mit Letzteren teilt Marsimoto auch seine Vorliebe für bewusstseinserweiternde Substanzen, die er in diversen Liedern besingt und auch dem Rostocker Publikum immer wieder zuruft. „Alle Joints gehen jetzt an“ und „Rostock braucht mehr Weed“ näselt er mit gepitchter Stimme immer wieder zwischendurch ins Mikro und die Marsianer lassen zu zuckenden Lichtblitzen brav ihre Joints im Publikum kreisen.

Einer der jüngsten Fans im Moya ist der 13-jährige Til Ludley, der mit Papa Markus gekommen ist. Dass es in den Texten auch um Drogen geht, ist für den 43-Jährigen kein Problem. „Das ist halt so, wenn die Künstler auf Englisch singen, sind die Inhalte bestimmt ähnlich, nur dass wir sie nicht verstehen“, sagt Markus Ludley und lacht.

Auch auf Deutsch sind die Inhalte nicht immer klar: In seinem Lied „Illegalize It“ wendet sich Marsimoto zwar dem Drogenproblem zu, umschifft aber elegant angreifbare Stellungnahmen. „Ich bin Marsi, Anti-Legalisierung/Kiffen nur mit Marsimoto-Logo-Tätowierung“ – rappt er am Anfang des Stücks. Und dann: „Polizei, sperrt alle Kiffer ein, nur Marsianer dürfen rauchen/Sehr verehrte Polizei, sperrt alle Kiffer weg, wir können die hier nicht gebrauchen“, heißt es doppeldeutig. Die Marsimoto-Jünger wissen, wie sie das zu deuten haben.

Dennoch lässt sich der meist in Grün gewandete Rapper nicht darauf reduzieren: Seine Texte sind gespickt mit Wortspielereien und Andeutungen, die auf Popkultur und Filme verweisen, auch wenn einige von ihnen hoffnungslos überladen und kryptisch wirken. „Lasst uns das bisschen Kunst verteidigen, das wir hier noch haben“, ruft Marsimoto immer wieder. Ob er sich selbst und seine Texte damit meint, bleibt unklar.

Rund 1500 Marsianer feiern ihr grünes Idol in der Hansestadt

Und so hat der Abend von allem etwas: Kiffende Kunstfigur in einer Mischung aus Science-Fiction und Horror-Szenario, feiernde Fans und auch einige kritische Botschaften. Was bleibt ist die Gewissheit, dass am Ende alles gut ausgeht, denn „Solange die Vögel zwitschern gibt’s Musik“, rappt Marsimoto. Grün ist eben doch die Farbe der Hoffnung.

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