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00:00 07.05.2014
In „Zeit der Kannibalen“ geht es um Macht und Geld. Devid Striesow (l.), Sebastian Blomberg und Katharina Schüttler spielen gierige Unternehmensberater.
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Schwerin

Der rote Teppich ist ausgerollt. Die letzten Scheinwerfer sind installiert. Und die ersten Sehwütigen stehen schon vor Kassenöffnung am Eingang des Kinos Capitol. Da bleibt kein Zweifel: In Schwerin ist Filmfest-Zeit. Nun schon zum 24. Mal seit 1991 — das „Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern“ ist längst etabliert.

Und doch schauen viele Filmfreunde in diesem Jahr besonders gespannt auf die sechstägige Festivalwoche, die gestern Abend feierlich eröffnet wurde. Ist das 24. doch das erste unter Leitung des neuen Festivalchefs Volker Kufahl. Erst im Dezember war der 44-Jährige von Braunschweig, wo er zwölf Jahre lang das Internationale Filmfest leitete, in die Sieben-Seen-Stadt gewechselt.

Damit hatte der Aufsichtsrat endlich einen Schlusspunkt unter unleidliche Personalquerelen gesetzt, die dem guten Ruf des größten ostdeutschen Publikumsfestivals zu schaden drohten. Namhafte Filmschaffende waren Schwerin im vergangenen Jahr ferngeblieben. Profilierte Regisseure wie Hans-Christian Schmid („Was bleibt“, „Nach fünf im Urwald“) hatten sogar ihre Zusage für die Mitarbeit in der Jury wieder zurückgezogen. Nun kommen sie wieder.

Der hoch geschätzte Filmemacher Andreas Dresen („Sommer vorm Balkon“, „Halt auf freier Strecke“), von jeher eng mit dem Filmkunstfest verbunden, stellt nicht nur mit Autor Hans-Dieter Schütt seine Biografie vor. Jetzt singt er auch noch. Das gemeinsame Konzert mit Schauspieler und Tatort-Kommissar Axel Prahl, das für morgen (20 Uhr) im Capitol auf dem Programm steht, war vor Festivalbeginn nahezu ausverkauft.

Mit Hanna Schygulla, die den Ehrenpreis „Goldener Ochse“ erhält, reist ein internationaler Star nach Schwerin. Ihr ist eine Hommage mit mehreren Fassbinder-Filmen gewidmet. Das filmische Porträt über die 70-jährige Schauspielerin feiert am Freitagabend Deutschlandpremiere.

Zur besonderen Freude von Volker Kufahl, der ein gewisses Lampenfieber zu seiner persönlichen Filmkunstfest-Premiere nicht abstreitet. „Wir sind zum Erfolg verdammt“, sagt er und es klingt kein bisschen ängstlich. „Ich freu‘ mich drauf“, fügt er hinzu. Mit rund 110 Künstlern erwartet er mehr Gäste aus der Filmwelt, als je zuvor in Schwerin waren. Und „etwa 14 000 Besucher“ bis einschließlich Sonntag — so viele wie 2013 — wagt er eine vorsichtige Prognose.

Den Zuschauern wird keine Mainstream-Ware vorgesetzt, sondern engagiertes Kino junger und altgestandener Regisseure. So stellt sich Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff mit seinem Historien-Drama „Diplomatie“ über die letzte Nacht der deutschen Besetzung in Paris dem Urteil der Jury. Wie auch der erst 36-jährige Regisseur Ingo J. Biermann mit seinem deutsch-norwegischen Roadmovie „Nordland“, eine Weltpremiere in Schwerin.

Das sind zwei von insgesamt zehn Produktionen im Spielfilmwettbewerb, die um den mit 10 000 Euro dotierten Hauptpreis „Fliegender Ochse“ konkurrieren. Mit vorsichtigen Neuerungen zeigt Kufahl eine eigene Handschrift. So erweiterte er den Kurzfilmwettbewerb von 10 auf 20 Produktionen. Und er wertet den Dokumentarfilm auf, bei dem erstmals eine Jury einen mit 5000 Euro dotierten Preis vergeben wird. Bisher gab es lediglich einen Publikumspreis, der nun wegfällt, wie auch zwei weitere Preise gestrichen wurden.

Neben den Wettbewerben gibt es sieben Spezialreihen, unter anderem zum Gastland Türkei und in der Defa-Reihe „Wendekinder“. Dazu kommen Konzerte und Lesungen. Zwei Preise wurden bereits gestern Abend vergeben: Regisseur und Drehbuchautor Jakob Lass („Love Steaks“) darf einen Monat im Künstlerhaus Lukas Ahrenshoop tätig sein, ein mit 1000 Euro dotierter Stipendienaufenthalt. Und Regisseurin Mo Asumang, Mitglied der Kurzfilmjury, erhielt für „Die Arier“, ihre persönliche Geschichte über rassistische Abgründe, den Vielfaltspreis der landesweiten Demokratie-Initiative WIR.

Festival-Fakten
Das Filmkunstfest Schwerin findet vom 6. bis 11. Mai im Kino Capitol der Landeshauptstadt statt — zum 24. Mal.



Die Türkei ist als Gastland dieses Jahres mit neun Spielfilmen und zahlreichen Kurzfilmen im Wettbewerb vertreten.



Ehrengast ist die Schauspielerin Hanna Schygulla (70) , die mit dem Ehrenpreis „Goldener Ochse“ ausgezeichnet wird. Das Festival widmet der Schauspielerin eine Hommage mit fünf Spielfilmen und — am Freitag — mit der Dokumentation „Hanna Schygulla — Quelque soit le songe“ (Was immer der Traum sei).



Programm: www.filmkunstfest-schwerin.de
Karten: (03 85) 59 18 059 und www.das-capitol.de
DREI FRAGEN AN...

1 Welche Vorstellung haben Sie von der Zukunft des Festivals?
Mein erstes Ziel ist die Konzentration auf die drei Wettbewerbe — Spielfilm, Dokumentarfilm, Kurzfilm. Das sind die Kernpunkte des Festivals. Darüber hinaus wird es darum gehen, ein eigenständiges Profil herauszuarbeiten. Es ist ja so, dass Publikumsfeste wie dieses hier ein unglaublich breit gefächertes Portfolio aufweisen. Man benutzt für solche Festivals oft den Begriff Gemischtwarenladen. Ich glaube, dass man angesichts von 150 Filmfestivals in Deutschland ein Alleinstellungsmerkmal braucht, um sich zu behaupten. Zurzeit bin ich auf der Suche.
2 Das Schweriner Festival signalisiert schon im Namen die Verknüpfung von Kino und (bildender) Kunst. Ist diese Idee heute noch tragfähig?
Es macht nur Sinn, diesen Anspruch „Filmkunstfest“ weiterzuführen, wenn man ihn auch einlösen kann. Ich werde nach diesem Festival prüfen, ob Aufwand und Nutzen in einem vernünftigen Verhältnis stehen.
3 Im vergangenen Jahr wurden in Schwerin 14 000 Festivalbesucher gezählt, in früheren Jahren waren es schon 17 000.
Was wollen Sie tun, um solche Zahlen wieder zu erreichen? In Braunschweig ist es mir gelungen, die Besucherzahl von 15 000 auf 25 000 zu steigern. Auch in Schwerin will ich die Zahlen signifikant erhöhen. Wir unternehmen jetzt erste Schritte hin zu einer besseren Publikumsorientierung.



Corinna Pfaff

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