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Kultur Minister war Komparse bei „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“
Nachrichten Kultur Minister war Komparse bei „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“
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06:00 24.12.2018
Drei Haselnüsse für Aschenbrödel ist das Kult-Weihnachtsmärchen schlechthin. Brandenburgs Ex-Minister Ulrich Junghanns war beim Dreh dabei. Quelle: bb promotion
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Potsdam

„Natürlich haben wir das schöne Aschenbrödel angehimmelt“, erzählt Ulrich Junghanns, der ehemalige brandenburgische Wirtschaftsminister. Als 17-Jähriger war er auf Schloss Moritzburg bei den Dreharbeiten für den legendären Märchenfilm „Der Haselnüsse für Aschenbrödel“ dabei. Das Barockschloss von August des Starken diente im kalten Winter 1973 einige Tage als Kulisse für die deutsch-tschechische Koproduktion von Vaclav Vorlìcek, die heute ein Klassiker des Weihnachtsfernsehens ist und in Tschechien eine Art Nationalheiligtum.

Ulrich Junghanns absolvierte damals im Hengstdepot Moritzburg eine Ausbildung zum Pferdewirt, als plötzlich ein Filmteam auftauchte und Komparsen suchte. Alle, die reiten konnten, waren gefordert. Dass es um ein Märchen mit einer selbstbewussten Titelheldin ging, die reitet, klettert und besser mit der Armbrust schießt als der Prinz und am Ende dessen Herz gewinnt, davon hatte Junghanns zu dem Zeitpunkt keine Ahnung. Laut Drehplan war eine Massenszene geplant, in der der König, gespielt vom jüngst verstorbenen Rolf Hoppe, in seiner Kalesche samt großem Gefolge zum Schloss fährt. „Ich war Standartenreiter und trug mit einer Hand die Fahne, in der anderen hatte ich die Zügel“, sagt Junghanns, der in seinem thüringischen Heimatdorf mit Pferden aufgewachsen ist. „Außerdem waren wir ausgerüstet mit Helm, Brust- und Armpanzerung. Das hat ganz schön geklappert“, erinnert er sich. Und nicht nur das. Plötzlich stieg sein Pferd hoch und er fiel rückwärts hinunter. „Ich lag da wie ein Maikäfer. Die Armpanzerung war verrutscht und ich kam nicht mehr allein auf die Beine. Rundherum gab es natürlich tosendes Gelächter.“ Als Junghanns schließlich wieder auf den Beinen war, wurde die Szene noch sehr oft wiederholt, bis sie endlich im Kasten war.

Brandenburgs Ex-Minister Ulrich Junghanns war beim Aschenbrödel-Dreh dabei. Quelle: MAZ

Kurz darauf wurden für rasante Verfolgungsszenen Doubles für den Prinzen und seine beiden Begleiter gebraucht. Man wollte nicht riskieren, dass sich die Hauptdarsteller verletzen. „Lehrlinge und Mitarbeiter mussten in der Stallgasse antreten und sich in Reih und Glied aufstellen. Dann kam jemand von der Defa und wählte die drei Doubles aus“. Ulrich Junghanns war dabei, auserkoren als Double von Kamil (Vitezslav Jadak), Gefährte des Prinzen. „Ich hatte keine Ahnung, was das bedeutete. Man schickte uns drei in die Garderobe und wir mussten diese grünen Strumpfhosen anziehen! Mit 17! Das war so peinlich“, erzählt Junghanns. Der Einsatz stellte sich schließlich als sehr dramatisch heraus. „Aschenbrödel flieht aus dem Ballsaal, läuft die Schlosstreppe herab und verliert ihren Schuh. Daraufhin nehmen der Prinz und seine Ehrenmänner die Verfolgung auf“. Von Junghanns und seinen beiden Mitstreitern verlangte der Kameramann eine wilde Galoppade auf der Schlossabfahrt, die zudem noch mit Sandstein gepflastert war. „Außerdem sollten wir so nah wie möglich an der Balustrade entlang reiten. Eine echte Herausforderung !“ Und nur etwas für geübte Reiter. Bis Kameramann und Regisseur zufrieden waren, hat es lange gedauert. „Mal waren wir Reiter zu weit auseinander, dann ging eine Fackel aus oder eine wurde verloren. Dann wieder waren wir zu weit weg von der Balustrade.“ Am Ende waren alle glücklich, dass niemand gestürzt ist. Denn neben den eisigen Temperaturen, die den Doubles zu schaffen machten, hatten es auch die historischen Sättel in sich. „Es gab keinen Sitz- und Haltekomfort. Unter dem Sattel lagen nur Lederblätter. Das war ziemlich rutschig“, erinnert sich Junghanns, der noch heute passionierter Reiter ist. Und noch etwas ist dem 62-Jährigen in Erinnerung geblieben: der Geruch. „In Moritzburg lag kein Schnee, deshalb streute man eine Art Fischmehl - und das stank!“ Alle übrigen Winterszenen mit jeder Menge Schnee entstanden in Tschechien. Moritzburg diente nur für die Außenaufnahmen. Der Ballsaal, Wohnzimmer und Küche der Stiefmutter und Aschenbrödels Dachkammer mit der Eule Rosalie wurden in den Babelsberger Studios aufgebaut.

Ulrich Junghanns hat „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ später im Fernsehen geschaut. „Unsere Namen wurden aber nicht im Abspann genannt und Honorar gab es auch nicht. Es war ja eine Ehre mitmachen zu dürfen“, lacht er.

Claudia Palma

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