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Kultur Mit „Wilhelm Tell“ den Aufstand proben
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00:00 25.04.2014
Ein undatiertes Bild vom Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin. Gestern wurde eine Ausstellung zu Theater und friedlicher Revolution in der DDR im Foyer des Hauses eröffnet. Quelle: Fotos: dpa/Staatstheater Schwerin
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Schwerin

„Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern.“ — Der Rütlischwur in Schillers FreiheitsdramaWilhelm Tell“, gesprochen auf der Bühne des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin im Januar 1989, hatte für das Publikum einen hochbrisanten Klang. Zuschauer pilgerten aus der ganzen DDR nach Schwerin, wo Christoph Schroth als Schauspieldirektor seit 1974 Maßstäbe setzte.

Der Schweriner „Tell“ ist eine von 13 Inszenierungen aus den 1980er Jahren, an die in der Wanderausstellung „Von der Bühne auf die Straße. Theater und Friedliche Revolution in der DDR

erinnert wird. Gefördert hat die Schau die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Sie ist bis Mitte Juli im Mecklenburgischen Staatstheater zu sehen und soll dann auf Reisen gehen. Im Gespräch sind Stationen im Deutschen Theater Berlin sowie in Potsdam, Dresden, Chemnitz, Cottbus und Bochum.

Erstmals zeige eine Ausstellung den Anteil des Theaters der DDR am gesellschaftlichen Aufbruch, teilte das Schweriner Staatstheater mit. Beleuchtet werde die ambivalente Rolle der Künstler zwischen eingeübter Anpassung und dem immer wieder und mit den Jahren stärker aufflackernden Geist des Widerspruchs.

Die Ausstellungsmacher um den Historiker Michael Schäbitz haben Inszenierungen von Berliner Bühnen ebenso analysiert wie Produktionen in der Provinz. „Wir haben geschaut, wo die politisch brisanten Themen verhandelt wurden“, sagt Schäbitz. Weit weg von der Hauptstadt Berlin war das häufiger der Fall. Allein aus Schwerin sind drei Inszenierungen vertreten.

Erinnert wird auch an die Dresdner „Fidelio“-Inszenierung vom Oktober 1989. Der Ort des Gefängnisses war im Bühnenbild als Berliner Mauer dargestellt. Eine Bearbeitung von Nikolai Gogols „Revisor“, die in Potsdam 1989 nach nur drei Vorstellungen auf Druck der Behörden abgesetzt wurde, ist ebenso vertreten wie Heiner Müllers „Der Bau“ 1980 an der Berliner Volksbühne. Die Ausstellungsmacher haben für die Schau Dokumente aus den Sammlungen der Akademie der Künste ausgewertet, mit Zeitzeugen gesprochen und Filmaufnahmen verarbeitet, die an Medienstationen angeschaut werden können.

Schäbitz‘ Recherchen ergaben, dass die Theater in der DDR Freiräume schufen und kritisch denkenden Menschen Ermutigung gaben. Allerdings seien die Regisseure und Schauspieler stets auch Mitarbeiter einer staatlichen Institution gewesen, sagte er. Das mag eine Erklärung dafür sein, dass viele Theaterkünstler nicht in der allerersten Reihe des Protestes im Wendeherbst 1989 standen.

Die von ihnen organisierte Großdemonstration in Berlin fand erst am 4. November statt. In Leipzig und anderswo marschierten die Menschen schon Wochen vorher durch die Innenstädte.

Schau im Foyer
Die Ausstellung im Kassen- und Parkettfoyer des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin ist bis zum 15. Juli zu sehen, jeweils eine Stunde vor den Vorstellungen sowie in den Vorstellungspausen. Danach soll die Schau auf Reisen gehen. Im Gespräch sind Stationen im Deutschen Theater Berlin sowie in Potsdam, Dresden, Chemnitz, Cottbus und Bochum.



Iris Leithold

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