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Kultur Mit dem Farbfilm durch den nahen fernen Osten
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00:00 25.05.2013
Der typische Inselkutscher, der alte Mann am Meer, der urige Strand von Kloster und der Blick auf den Horizont, hinter dem Unerreichbares liegt — diese Bilder nahm Harald Hauswald Ende der 80er Jahre auf der Insel Hiddensee auf. Quelle: Tobias Kleinschmidt
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Berlin

Du hast den Farbfilm vergessen. Ein Vorwurf, den Nina Hagen ihrem Michael machen konnte, nicht aber Harald Hauswald. Als der Ende der 80er Jahre nach Hiddensee reiste, schoss er jede Menge Farbfotos. Ungewöhnlich, ist der in Berlin lebende Fotograf doch gerade für seine Schwarz-Weiß-Bilder bekannt. So überraschte der Lehmstedt-Verlag, als er den Band „Ferner Osten“

mit 155 Farbfotos Hauswalds herausgab. Fotos, die „die letzten Jahre der DDR“ — so der Untertitel — dokumentieren.

Insbesondere die Menschen sind es, für die sich Hauswald interessiert. Beim Pferdemarkt in Havelberg, bei der Arbeit im Oderbruch, beim Fest in einem Berliner Hinterhof oder eben auf Hiddensee hat er sie abgelichtet. Regelmäßig machte Hauswald vor der Wende mit seiner Familie dort Urlaub. Mal fuhr er auch nach Prerow. Oder Heringsdorf, wo die Stephanus-Stiftung, für die er damals arbeitete, ein Ferienobjekt hatte. Aber immer wieder zog es ihn nach Vitte. Warum? „Fernweh“, antwortet er knapp. „Weil man von Hiddensee aus bei gutem Wetter Schweden sehen kann.“ Damals für ihn unerreichbar. Nach der Wende sei er „ein bisschen auf dem Globus unterwegs“ gewesen, erzählt der ruhige Mann mit dem ergrauten Zopf. Er reiste kreuz und quer durch Europa, nach Amerika, Kenia. Immer wieder auch nach Osteuropa.

Mit dabei: seine Spiegelreflexkamera aus den 70ern und eine alte Minox. Mit der digitalen Fotografie hat er nichts am Hut. „Da müsste ich meinen Job noch mal neu lernen“, sagt der 59-Jährige. Selbst den Farbfilm legt er nur für Auftragsarbeiten ein. Weil ein Farbbild ein fertiges Bild sei. „Bei Schwarz-Weiß kann der Betrachter das Bild zu Ende denken.“

Hauswald ist ein stiller Beobachter. Seine Fotos sind nie gestellt, wohl aber inszeniert. Menschen sind dabei meist „das i-Tüpfelchen“. Dadurch könne er „Raum gestalten“. Am Strand von Hiddensee hat er so lange gewartet, bis die korpulente Frau im roten Badeanzug ihm vor die Linse gelaufen ist. Hat FFKler am Lagerfeuer abgelichtet. Passagiere auf der Fähre, die seine Kamera gar nicht wahrgenommen zu haben schienen. Wie auf seinen meisten Fotos. Hauswald fragt die Menschen nicht, ob er sie fotografieren darf. Sein Selbstverständnis ist ein anderes: „Man nimmt ein Bild und gibt ein Bild zurück.“ Schließlich fotografiere er „für die Menschen, die auf den Fotos drauf sind“. Nicht selten sei das Klicken des Auslösers auch der Auslöser gewesen, mit den Leuten in Kontakt zu kommen.

Der Gesellschaft wolle er mit seinen Bildern einen Spiegel vorhalten, sagt der Fotograf. Nie böse oder sarkastisch, eher satirisch-lustig. Wenngleich seine Fotos zu DDR-Zeiten politischer gewesen seien. Und manchmal eben auch damals farbig — wie die Hiddensee-Bilder im aktuellen Buch, die er ursprünglich fürs Zeit-Magazin fotografierte. „Aber dann fiel die Mauer, und die Geschichte ist nie erschienen.“ Seit 1986 arbeitete Hauswald auch für westliche Medien. Heimlich hätten ihm seine Auftraggeber Farbfilme nach Ost-Berlin gebracht oder auch mal ein Objektiv. Linsen, die er bis heute im Einsatz hat.

Buchtipp: Harald Hauswald: „Ferner Osten“, Lehmstedt Verlag.

Vom Telegrammboten zum Meisterfotografen
Harald Hauswald wurde 1954 im sächsischen Radebeul geboren.   1970-1972 Lehre als Fotograf; 1977 Umzug nach (Ost-)Berlin; verschiedene Jobs, u.a. Telegrammbote, Heizer, Restaurator, Fotolaborant und Fotograf in der Stephanus-Stiftung. 1989 Aufnahme in den Verband Bildender Künstler der DDR. Hauswald, der Gründungsmitglied der Agentur Ostkreuz war, ist seit 1989 freischaffender Fotograf. Er stellte u.a. in den USA, der Schweiz, in Frankreich, Italien und den Niederlanden aus. 1997 erhielt er das Bundesverdienstkreuz, 2006 den „Einheitspreis — Bürgerpreis zur Deutschen Einheit“.

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