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Kultur Erste Liebe: Kino
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14:24 26.03.2019
Köln: Der Film- und Fernsehregisseur Volker Schlöndorff wird am 31. März 80 Jahre alt. Quelle: Oliver Berg/dpa
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Berlin

Wann seine Liebe zum Kino begann? Vielleicht schon an den Nachmittagen in Wiesbaden, an denen der Schüler Volker heimlich über die Feuerleiter in den Projektionsraum der Freiwilligen Selbstkontrolle (FSK) kletterte. Im Vorführgerät ratterten frische Filme, die eine Zuschauer-Altersfreigabe verpasst bekommen sollten.

Verloren an die Filmkunst war Volker Schlöndorff spätestens, als er als 16-jähriger Austauschschüler in einem Jesuiten-Internat in der Bretagne landete – und erlebte, wie im Nachbarland das Kino gewürdigt wird. Schlöndorff blieb in Frankreich. Auf einer Pariser Eliteschule machte er dank eines Stipendiums sein Abitur.

Im Dunskreis von Louis Malle und François Truffaut

Schlöndorff, Sohn eines Arztes, nahm ein Jura-Studium auf, besuchte aber lieber drei Mal täglich die Cinémathèque Française und schaffte die Aufnahme an der Filmhochschule. Doch da ging er nicht mehr hin: Längst war er in den Dunstkreis von Louis Malle, Alain Resnais, François Truffaut und Jean-Pierre Melville geraten, den wilden, jungen Leuten der Nouvelle Vague, die das Kino aus den Studios auf die Pariser Straßen holten. Zum ersten, aber nicht zum letzten Mal in seinem Leben war Schlöndorff dort, wo historisch etwas los war. Beim illustren Filmfestival in Cannes feierte 1966 sein Regiedebüt „Der junge Törless“ nach Robert Musils Roman Premiere. Der internationale Erfolg des Neuen Deutschen Films begann. So viele Mitstreiter von einst sind heute nicht mehr aktiv, Wim Wenders und Werner Herzog fallen einem ein.

Schlöndorffs Filme haben heftige politische Debatten ausgelöst. Die Heinrich-Böll-Verfilmung „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ (1975) über die Macht der Boulevardpresse in Zeiten der Massenhysterie fiel mitten in die aufgeheizte Terrorismusdebatte. Der Film endete mit einer ungewöhnlichen Einblendung: „Ähnlichkeiten mit gewissen journalistischen Praktiken sind weder beabsichtigt noch zufällig, sondern unvermeidlich.“

Kollegin, Ehefrau, Kokurrentin: Margarethe von Trotta

Als Ko-Regisseurin zeichnete seine damalige Frau Margarethe von Trotta verantwortlich, die für ihn Kollegin wie Konkurrentin, stets aber politische Mitstreiterin gegen das biedermeierliche Deutschland war. Die Ehe ging 1991 auseinander. Befreundet sind die beiden bis heute. Schlöndorffs zweite Frau, die Schnittmeisterin Angelika Gruber, starb vorige Weihnachten. Tochter Elena wurde 1992 geboren.

Erster deutscher Oscar in Hollywood

Kinogeschichte schrieb Schlöndorff mit „Die Blechtrommel“ (1979) nach Günter Grass’ Jahrhundert-Roman. Der Film wurde zum cineastischen Paukenschlag. Erst gewann Schlöndorff die Goldene Palme in Cannes (das sollte Wenders erst 1984 mit „Paris, Texas“ gelingen), dann den Oscar in Hollywood. Es war der erste Auslands-Oscar für einen deutschen Spielfilm. Später folgten „Nirgendwo in Afrika“ und „Das Leben der Anderen“.

Nach dem „Blechtrommel“-Erfolg ging Schlöndorff in die USA, künstlerisch nicht seine glücklichste Zeit. Es entstanden Auftragswerke wie „Tod eines Handlungsreisenden“ (1984) mit Dustin Hoffman oder „Die Geschichte einer Dienerin“ (1989) nach einem Bestseller von Margaret Atwood. Dann fiel die Mauer, die historische Zäsur 1989 holte ihn zurück aus New York nach Berlin und Potsdam. Schlöndorff verfilmte Max Frischs „Homo Faber“ (1991). Der Schweizer Autor war ein Freund, beide verband eine komplizierte Beziehung zu Frauen. Wie kompliziert, lässt sich aus seinem letzten Kinofilm „Rückkehr nach Montauk“ (2017) herauslesen: Da macht sich ein älterer Herr (gespielt von Stellan Skarsgård) in New York in Liebesdingen lächerlich. Ähnlichkeiten mit einem berühmten deutschen Regisseur sind unvermeidlich. Schlöndorff packte viel von seinem Leben hinein.

Der Retter von Babelsberg

Ungewöhnliche Zeiten verlangen die Übernahme von ungewöhnlich viel Verantwortung: 1992 ließ sich Schlöndorff als Chef des Studios Babelsberg in die Pflicht nehmen, das vor dem Ruin stand. „Ohne meinen Einsatz von gäbe es das Studio nicht mehr“, sagt er. Später drehten dort George Clooney und Quentin Tarantino und liefen ehrfurchtsvoll durch die Marlene-Dietrich-Halle. Auf seinen „Wanderwegen“ ist Schlöndorff vielen einflussreichen Menschen begegnet, zum Beispiel Jassir Arafat. Unter dem Schutz des Palästinenserführers drehte er 1981 in Beirut mit Bruno Ganz und Hanna Schygulla mitten im libanesischen Bürgerkrieg „Die Fälschung“, eine der vielen Literaturverfilmungen, die Schlöndorffs Markenzeichen geworden sind.

Manche kritisieren ihn dafür, dass er so wenig eigene Stoffe verarbeitet hat. Doch lässt er immer wieder persönliche Bezüge einfließen: In der „Blechtrommel“ hämmert Oskar Matzerath verzweifelt an der Badezimmertür, hinter der seine Mutter an einer Fischvergiftung stirbt. Als Fünfjähriger musste Schlöndorff 1944 zu Hause mitansehen, wie seine Mutter beim Kochen von Bohnerwachs von einer Stichflamme erfasst wurde und verbrannte. Am 31. März feiert Schlöndorff seinen 80. Geburtstag. „Wenn man so eine Leidenschaft für die Kunst hat, landet jede andere Leidenschaft auf dem zweiten Platz“, hat er gesagt. Hat er Angst, dass irgendwann Schluss ist mit dem Filmen? „Glücklicherweise nehme ich diese Ängste gar nicht so wahr. Ich bin ja auch ein wahrer Tor: Ich denke, ich kann auch mit 80 Marathon laufen und noch viele Filme drehen. Das Bewusstsein, dass die Zeit begrenzt ist, blende ich einfach aus.“

Schlöndorffs Filmerfolge

Volker Schlöndorff hat seit seiner Regieassistenz 1961 in dem Film „Eva und der Priester“ insgesamt 37 Filme gedreht. Sein Debüt 1966 „Der junge Törless“ war bereits eine Literaturverfilmung nach dem Roman von Robert Musil. Es folgten Werke wie „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ 1975 nach Heinrich Böll, „Die Blechtrommel“ 1979 nach Günter Grass, „Tod eines Handlungsreisenden“ 1985 nach Henry Miller, „Die Geschichte der Dienerin“ 1990 nach Margaret Atwood sowie „Homo Faber“ 1991 und „Rückkehr nach Montauk“ 2017 nach den Romanvorlagen von Max Frisch. Schlöndorff widmete sich immer wieder politischen Stoffen wie in „Deutschland im Herbst“ 1978, „Enigma“ 2005 oder „Diplomatie“ 2014. Sein letzter Film bisher ist „Der namenlose Tag“ 2017. Der Regisseur, Autor und Produzent wurde mit dem Oscar, der Goldenen Kamera, dem Cèsar und zahlreichen anderen Filmpreise geehrt.

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