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Kultur Erfolgsautor Timur Vermes kommt mit neuem Buch nach MV
Nachrichten Kultur Erfolgsautor Timur Vermes kommt mit neuem Buch nach MV
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15:40 18.07.2019
Mit seinem neuen Buch unterwegs in MV: Bestsellerautor Timur Vermes (hier auf der 2012 auf der 64. Frankfurter Buchmesse) Quelle: Torsten Silz/dapd
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Zinnowitz

Mit seinem Debütroman „Er ist wieder da“ erreichte Timur Vermes ein Millionenpublikum. Mit seinem neuen Werk „Die Hungrigen und die Satten“ legt er nun eine bitterböse Groteske in Sachen Flüchtlingsdrama nach. Mit seinem neuen Buch kommt der Erfolgsautor nach Mecklenburg-Vorpommern. In der Reihe „Literatur und Musik“ gastiert er am 28. Juli in der Zinnowitzer „Blechbüchse“ und am 29. Juli im Chapeau Rouge in Heringsdorf. Am 26. September ist er in der Uwe-Johnson-Bibliothek in Güstrow zu Gast. Die OZ sprach vorab mit dem in München beheimateten Künstler.

OSTSEE-ZEITUNG: Mit welchem Programm reisen Sie in den deutschen Nordosten? Was werden Sie lesen, worüber sprechen?

Timur Vermes: Natürlich werde ich aus meinem neuesten Buch lesen. Was genau, das entscheidet sich immer tagaktuell. Was die Diskussion mit meinen Zuhörern anbelangt, so hab‘ ich keine Probleme, mit ihnen über Lösungsansätze für die gefährdete Demokratie zu reden. Daran fehlt es momentan ja offenbar.

Auch die Aktualität Ihres vorherigen (Hitler-)Buches „Er ist wieder da“ ist leider Gottes mit Händen zu greifen. Wie bewerten Sie die Entwicklung der rechtsextremistischen Szene in der Bundesrepublik?

Dass es einen erheblichen rechtsradikalen und -extremistischen Untergrund gibt, steht nicht in Zweifel. Das muss man sehr, sehr genau begutachten. Weil es den meisten Menschen im Land relativ gut geht, halte ich die Gefahr allerdings für beherrschbar. Nach den Migrationsereignissen von 2015 hat sich in der rechten Ecke jedoch allerhand zusammengebraut. Ich meine, es sind alle demokratischen Bemühungen zu unterstützen, Leute mit noch intakten Wertesystemen zurückzuholen.

Gerade die neuen Länder erleben eine Art politischer Renaissance nationalistischen Denkens und extremistischer Gewalt gegen Andersdenkende. Unterliegen Sie selbst ebenfalls solchen Anfeindungen? Und was ist dagegen zu tun?

Ich frage mich manchmal, warum es angesichts der ungerechten Verteilung des Wohlstandes in Deutschland nicht zu einem kräftigen Linksruck kommt. Was die neuen Länder angeht, so werde ich dort relativ selten zu Lesungen gebucht, war aber kürzlich in Cottbus. Und diese Veranstaltung war eine für meine Begriffe ganz normale. Es hat sich im Osten ja auch vieles zum Besseren gewandelt, das ist unübersehbar. Dennoch gibt es Defizite. Ob es aber mit einer noch einflussreicheren AfD in Sachsen und Brandenburg mehr Ansiedlungen von Unternehmen geben wird, ist sehr zu bezweifeln. Der Standort wird doch dadurch noch unattraktiver. Die Nazis sind kein Wirtschaftsmotor, im Gegenteil, sie brauchen für ihre Ideologie und Politik Unzufriedenheit und Schuldige.

Bescheren Ihnen Ihre beiden Gastspiele im Nordosten auch die Insel Usedom als Neuland?

Ich war auf der Insel schon mal mit dem Rad unterwegs. Im Publikum rechne ich mit vielen Urlaubern. Und da stellt sich die Frage, wie die entspannte Ferienstimmung mit anstrengenden kulturellen und politischen Fragen zu verbinden ist. In meinen Büchern steckt ja reichlich Humor, aber der ist auch mit ungenießbaren Dingen kräftig vermischt.

Woran arbeiten Sie gerade? Und wird es in absehbarer Zeit ein neues Buch von Timur Vermes geben?

Ein nächstes Projekt gibt es immer. Zurzeit bin ich aber vorrangig befasst mit Übersetzungen und journalistischen Arbeiten. Und dann haben es mir Comics angetan. Ich schreibe gar nicht so gern, wie man denkt; das Münchner Comicfestival aber begeistert mich ungemein.

Im Vorwort zu „Die Hungrigen und die Satten“ beklagen Sie das Wegsehen und Aussitzen ernster Probleme durch die Politik. Ist da inzwischen etwas in Bewegung gekommen? Und was müsste Ihrer Meinung nach getan werden, um das Flüchtlingsproblem endlich besser in den Griff zu bekommen, eine humanistische Lösung zu finden?

Eine schwierige Frage. Mit Nazis über Lösungen zu diskutieren, bringt nichts. Ich glaube auf jeden Fall, wir werden die Problematik nicht beherrscht kriegen, wenn wir weiter die Reichen und viele andere auf der Welt die Armen sind. Wir müssen abgeben lernen. Aber das ist schwer zu vermitteln. Auch die Grenzen dichtzumachen, bringt gar nichts. Die Botschaft kann nur sein: Wir brauchen ein Modell, mit dem alle gut und besser leben und sich weiterentwickeln können.

Termine und Infos zur Person

Lesungen in Mecklenburg-Vorpommern: 28. Juli Blechbüchse Zinnowitz; 29. Juli Theaterzelt „Chapeau Rouge“ Heringsdorf, Beginn jeweils 19.30 Uhr; Karten unter 03971/2688800 oder www.vorpommersche-landesbuehne.de sowie an der Abendkasse; 26. September 19.30 Uhr Uwe-Johnson-Bibliothek Güstrow

Zur Person:Vermes ist 1967 in Nürnberg geboren und lebt in München. Er hat Geschichte und Politik studiert, anschließend als Journalist und Ghostwriter gearbeitet, schrieb für die Abendzeitung und den Kölner Express sowie diverse People- und Livestyle-Magazine. 2012 erschien die Satire „Er ist wieder da“ sowie 2018 „Die Hungrigen und die Satten“, beide im Eichborn-Verlag.

Steffen Adler

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