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Kultur Wallraf Museum Köln zeigt amerikanische Bilder aus 300 Jahren
Nachrichten Kultur Wallraf Museum Köln zeigt amerikanische Bilder aus 300 Jahren
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05:00 23.11.2018
Das Gemälde „Königreich des Friedens“ (1830/35) von Edward Hicks ist im Wallraf-Richartz-Museum zu sehen. Die Ausstellung „Es war einmal in Amerika - 300 Jahre US-amerikanische Kunst2 ist vom 23. November 2018 bis 24. März 2019 geöffnet. Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa
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Köln

Entsetzen und Entschlossenheit, Panik und Wut, Verzweiflung und Glaube, Hoffnung und Anteilnahme – die Augen, Münder, die Gesichter der Menschen in diesem klaustrophobisch-minimalistischen Horrorszenarium sprechen die Sprache Amerikas. Es ist eines der berühmtesten und wohl auch bedeutendsten Bilder US-amerikanischer Kunst und doch im aktuellen Fokus modern-abstrakter Kunstwahrnehmung des ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts zwischen Warhol, Hopper, O’Keeffe, Lichtenstein, Rothko oder Pollock etwas in Vergessenheit geraten. „Watson and the shark“ von John Singleton Copley (1738-1815) aus dem Jahr 1782 erzählt die Geschichte vom Aufstieg Amerikas in zehn Gesichtern, einem Boot und einem Hai.

Das Bild ist ein Auftragswerk, das Copley in drei Versionen für den amerikanischen Geschäftsmann, Direktor der Bank of England und späterem Londoner Bürgermeister Brook Watson, gemalt hat. Die drei Bilder hängen sonst getrennt in der National Gallery of Art in Washington D.C., im Museum of Fine Arts in Boston und im Detroit Institute of Arts. Watson wurde als 13-jähriger Schiffsjunge vor Kuba Opfer einer Haiattacke, verlor ein Bein wurde aber gerettet und machte Karriere als Militär, Businessman, Politiker. In dem Bild eilen dem im Wasser treibenden Opfer, dem bereits der Unterschenkel abgerissen wurde, ein Boot mit neun Seeleuten zu Hilfe. Drei Männer rudern, einer hält Ausschau, einer wirft dem Schiffbrüchigen ein Seil zu, zwei versuchen ihn zu greifen, einer hält die beiden fest und einer attackiert im Bug stehend den angreifenden Hai mit einem Schiffshaken. Auf der Deutungsebene steht die Szenerie für den Aufbruch Amerikas, in dem die Menschen nur gemeinsam – im Team – den brutalen Naturgewalten (aufgeschäumte See und angreifender Hai) trotzen können. Auf der kunstgeschichtlichen Ebene ist es die Abkehr in der Historienmalerei vom göttlichen zum weltlichen. Es werden keine antiken Gestalten oder Gottheiten mehr im Heldenepos dargestellt, sondern reale Menschen wie Watson und seine Crew. Ähnlich hatte es zuvor bereits Benjamin West in dem Heldengemälde vom sterbenden General Wolfe (1770) getan. Nur dass Copley in seiner Darstellung noch deutlich radikaler ist als West in „The Death of General Wolfe“.

Gemalt in den USA. Das Kölner Museum Wallraf-Richartz zeigt bis 24. März 2019 insgesamt 130 Kunstwerke aus mehreren Epochen der Vereinigten Staaten von 1650 bis 1950.

Watson and the shark“ ist eines von 130 Gemälden – überwiegend Leihgaben aus großen amerikanischen Museen plus einiger Bilder aus privaten Sammlungen – die bis zum 24. März im Kölner Wallraf-Richartz-Museum zu sehen sind. Die Ausstellung eröffnet am 23. November 2018 unter dem Titel „Es war einmal in Amerika“. Gezeigt wird US-amerikanische Kunst von 1650 bis 1950, also aus 300 Jahren vom Barock über die Romantik, den Realismus bis hin zum Expressionismus, dem abstrakten Expressionismus und der Pop-Art – also zwei der Epochen, die für die große Kunst Amerikas stehen. Alles andere vom Fotorealismus über Graffitikunst und Land-Art bis hin zu Happeningkunst oder postmodernen Bewegungen kam später – deutlich nach den 50er-Jahren.

Neben den beiden berühmten Werken von Copley und West zeigt das Wallraf großartige Arbeiten von Edward Hopper (1882-1967) wie „Sailing“ (1911), „The City“ (1927) oder „Hodgkin’s House“ (1928) und Georgia O`Keeffe (1887-1986) wie „Blue and Green Music“ (1919/21) und „New York Street with Moon“ (1925) oder die beiden berühmten Box-Bilder „Club Night“ von George Bellows (1882-1925) aus dem Jahr 1907 und „Boxing Match“ von George Benjamin Luks (1866-1933) aus dem Jahr (1910). Dazu Mark Rothko, Barnett Newman, John French Sloan, Thomas Eakins, William H. Johnson, Philipp Evergood, Everett Shinn, Charles Demuth, Mary Cassatt oder Robert Henri. Die Bildspanne umfasst solche ironisch schlichte Positionen wie den Dollar-Schein in dem Bild „One Dollar Bill“ von John Haberle (1856-1933) über die majestätisch, bierernst erhabene Porträtmalerei eines Gilbert Stuart (1755-1828) in dem Gemälde von George Washington aus dem Jahr 1800 oder dem Porträt des Häuptlings Lapowinsa von Gustavus Hesselius (1682-1755) aus dem Jahr 1735 über Landschaften von John Frederick Kensett (1816-1872) wie dem „Shrewsbury River“ aus dem Jahr 1859 bis hin zu urbanen Szenen von Isabel Bishop (1902-1988) und den spätindustriellen Architekturformaten eines Charles Demuth (1883-1935). Dazu Skulpturen, Fotografien, Büsten und Bronzen.

Eine Schau, die großes will und fordert. Ein Ansinnen ohne Grenzen für ein Land und eine Nation ohne Grenzen und einen schwer einzugrenzenden Zeitraum. Was Wallraf hier macht, kann schnell zur Beliebigkeit werden. Jede Menge buntes Augenfutter aus 300 Jahren. Ist es aber nicht. Es ist der Versuch, sich einer Nation und ihrer Kultur zu nähern, die gemeinhin auf Comic, Coke, Western, Rock’n’Roll, Pop-Art und Fast Food-Kultur reduziert wird, seit Jahrzehnten aber global weitgehend als Leitkultur über den Tisch geht – auch wenn das ein besetzter und verbrauchter Begriff ist.

Lebendig, bunt, romantisch, ernst und ironisch, heiter und kindisch, innovativ und experimentierfreudig. Eine ohne Zweifel große Schau. Ausstellungen, die sich einem bewusst kleineren Ausschnitts der Neuen Welt widmeten, hatten bereits das Bonner Landesmuseum zum 200. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit 1976, die Akademie der Künste Berlin 1980 und das Bucerius Kunstforum Hamburg 2007 gezeigt.

Michael Meyer

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