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Musik Bis an die Schmerzgrenze
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17:00 06.01.2019
Winston (Marco Geisler) in „1984“ im Volkstheater Rostock. Quelle: Dorit Gätjen
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Rostock

Dies ist inzwischen ein Klassiker: „1984“, vom britischen Schriftsteller George Orwell im Jahr 1948 veröffentlicht, hat als finstere Zukunftsvision bis heute einen festen Platz in der Unterhaltungskunst. Und immer wieder bekommt diese Dystopie einen aktuellen Schrecken, so wie jetzt in einem Europa, in dem rechte Kräfte erstarken.

So bekommt auch die aktuelle Inszenierung einen Sinn, die der Theaterclub Spieltrieb im Volkstheater Rostock zeigt. Die anonyme Bedrohung, Unterdrückung, Gängelung und auch die freiwillige Unterwerfung in einem Überwachungsstaat wird hier bis zur körperlichen Folter gesteigert, also schmerzhaft auf die Spitze getrieben. Denn Winston (Marco Geisler), der sich dem System widersetzt, fällt schließlich in die Hände der Gedankenpolizei. Winston will sich hier mit seiner Geliebten Julia (Melanie Hartwig) der Untergrundorganisation anschließen. Sie widersetzen sich auch dem Irrwitz einer Diktatur, die zwar keine nachvollziehbare innere Logik hat, aber gerade deswegen so bedrohlich ist und kafkaeske Situationen schafft. Die Manipulation des Volkes wird von „Big Brother“ und seiner Partei bis in die Sprache hinein betrieben, die hier als „Neusprech“ bezeichnet wird. Es ist die einzige Sprache, die schrumpft, so wird das vom System Wort „schlecht“ gestrichen, denn das Gegenteil von „gut“ ist eben „nicht gut“. So beginnt der Abbau des Pluralismus im Kleinen, heute mag man Parallelen in offiziellen Sprachregelungen und übertriebener political correctness sehen. Das passiert manchmal auch auf groteske Weise: Seit dem Jahr 2000 ist selbst das Schreckensbild vom „Big Brother“ durch das gleichnamige TV-Format in der Bedeutung überlagert worden. Da wurde ein Schrecken durch einen anderen ersetzt.

Dies ist eine neue Bühnenfassung von Robert Icke und Duncan Macmillan. Die sechs Darsteller des Theaters Spieltrieb haben das Stück gemeinsam erarbeitet und agieren in „1984“ mit einer fast schmerzhafter Vehemenz; sie reduzieren den Stoff des Buches auf seinen harten Kern. Ein Thema mit vielen aktuellen Bezügen, die sich während der Vorstellung in den Köpfen der Zuschauer herstellen. Und: Nach dieser Vorstellung möchte man auch keine Alexa-Box mehr zu Hause haben.

Nächste Vorstellung von „1984“: am 9. Januar um 20 Uhr im Ateliertheater des Volkstheaters Rostock

Thorsten Czarkowski

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