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Musik Die hohe Kunst des Songs: Auf die Veteranen ist Verlass
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08:53 22.03.2013
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Berlin

Noch länger unterwegs sind Edwyn Collins (53), Billy Bragg (55) und Robyn Hitchcock (60). Alle vier bringen im März hörenswerte neue Alben an den Start.

Die mit Abstand anrührendste Geschichte hat EDWYN COLLINS zu bieten, aber er macht daraus erstaunlicherweise gänzlich unkitschige Songs. Nach einem Blitzstart in den 80ern mit der Britpop-Kultband Orange Juice und einem Solo-Welthit („A Girl Like You“) schlug das Schicksal vor acht Jahren zu: Collins erlitt zwei Schlaganfälle, er musste danach mit Hilfe seiner bewundernswerten Ehefrau und Managerin Grace auch Sprechen und Singen ganz neu lernen.

Nach dem Comeback mit neuen Songs vor drei Jahren beweist Collins jetzt erneut, dass aus körperlicher Schwäche etwas Starkes erwachsen kann. „Understated“ feiert das Leben, auch wenn es ein ganz anderes ist als vor der schweren Krankheit. „Was soll's, jetzt lebe ich“ und „Ich fühle mich wiedergeboren“ singt Collins noch etwas wacklig und deswegen umso bewegender. Mag seine eindrucksvolle Baritonstimme auch gelitten haben, seine „31 years of Rock and Roll“ kann dem Schotten keiner mehr nehmen.

„Die Art und Weise, wie ich Worte setze, hat sich wegen des Schlaganfalls stark verändert“, erzählte Collins dem britischen Musikmagazin „Uncut“. „Vorher ging ich spielerisch mit Texten um, heute bin ich direkter.“ So klingen Soulpop-Songs wie „It's A Reason“ oder „Too Bad“ nun weniger kunstvoll komponiert als vor zwanzig Jahren - dafür aber so frisch und euphorisch, wie man es bei diesem großen britischen Musiker kaum mehr zu hoffen wagte.

Als unverwüstliche Leitfigur der britischen Protestsong-Szene hat BILLY BRAGG längst Legendenstatus, aber deswegen muss man sich ja nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen. Also ging der in Ehren ergraute Singer/Songwriter für sein ungefähr 20. Album in dreißig Jahren nach Amerika, um den neuen Liedern einen wunderbar erdigen Folk-, Blues- und Country-Anstrich zu geben. Unter der Regie des US-Produzenten Joe Henry und mit dessen bewährter Band entstand „Tooth & Nail“, eine der besten Platten in Braggs bewegter Karriere.

Linkes Engagement und christliche Warmherzigkeit gehen in seinen Texten weiterhin Hand in Hand, nur dass er diesmal Steelgitarren seufzen und ein Saloon-Klavier klimpern lässt. Das erinnert oft an eine von Braggs größten Leistungen, nämlich die Vertonung von Woody-Guthrie-Texten zusammen mit den Folkrock-Helden Wilco unter dem Titel „Mermaid Avenue“ vor 15 Jahren. Der US-Sozialist Guthrie ist auch in Liedern wie „Do Unto Others“ oder „Tomorrow's Going To Be A Better Day“ stets präsent. Dass Bragg dazu so schön singt wie selten zuvor, macht diese Platte erst recht zu einem Genuss.

„Dies sind aufregende Zeiten - wir surfen Richtung Chaos“, sagt ROBYN HITCHCOCK in den Anmerkungen zu seinem neuen Album „Love From London“. Skeptischer als Bragg analysiert er die politischen Zustände anno 2013. Ökologische und wirtschaftliche Bedrohungen nimmt Hitchcock in wuchtigen Piano- und Gitarrenrock-Songs unter die Lupe. Düstere Songtitel wie „Devil On A String“, „Death And Love“ oder „End Of Time“ sind kein Zufall.

Hitchcock singt seine formidablen Lieder mit einer dieser näselnden John-Lennon-Stimmen, die so typisch für britischen Pop sind. Dass der Mann mit 60 auch noch aussieht wie ein stilbewusster britischer Dandy, macht das Bild komplett. „Love From London“ läutet Robyn Hitchcocks Spätwerk ein - man darf sich darauf freuen.

Ein politischer Singer/Songwriter war der seit Jahren im spanischen Künstler-Exil lebende JOSH ROUSE nie. Stattdessen transportiert er mit mildem Gitarrenpop Trauer und Melancholie, Hoffnung und Freude zu oft bittersüß-romantischen Melodien.

Ein strikt privater Ansatz also, auch auf dem zehnten Rouse-Album seit 1998: „The Happiness Waltz“ lässt den Hörer am Glück des sympathischen Sängers teilhaben. „Ich bin froh, Dich in meinem Leben zu haben“, ruft Rouse seiner spanischen Ehefrau Paz zu, und er besingt dankbar das Privileg einer harmonischen Familie. Wie er dies macht, in zwölf federleichten, klugen, prächtig arrangierten Songs zwischen Folk, Pop und Latin - auch das ist eine hohe Kunst.

dpa

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