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Musik 5000 Besucher beim Immergut-Jubiläum
Nachrichten Kultur Musik 5000 Besucher beim Immergut-Jubiläum
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18:30 02.06.2019
Die österreichische Band Bilderbuch spielt in der Heimat vor Zehntausenden Zuhörern. Bei Immergut waren es nicht ganz so viele. Quelle: Matthias Schümann
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Neustrelitz

„Dieses Festival hat Charakter“, rief Maurice Ernst, Frontmann der österreichischen Band Bilderbuch. Für die Musiker, die vor kurzem noch in ihrer Heimat ausverkaufte Konzerte mit Zehntausenden Besuchern gegeben haben, ist der Auftritt beim Immergut-Festival in Neustrelitz von der Größe her unspektakulär. Rund 5000 Besucher waren in diesem Jahr im Industriegebiet am Rande der Stadt dabei. Das Konzert von Bilderbuch war der eindrucksvolle Schlusspunkt des dreitägigen Festes.

Der Platz vor der Bühne war knapp, denn die ebenso rockigen wie groovenden Österreicher wollten alle sehen. Voll war es auch auf der Bühne, denn so viel Kulisse hatte keine der insgesamt rund 40 Bands und Solokünstler mitgebracht. Ein riesiger Wasserhahn links, ein Saturn rechts, zwei Schlagzeuger auf riesigen Lautsprecherboxen, eine Gangway, die ins Nichts führte. Eine logistische Herausforderung, wie Festival-Organisator Björn Kagel erzählte. Vor dem Auftritt musste ein Sattelschlepper hinter die Bühne bugsiert werden, was eigentlich gar nicht geht, denn Platz ist dort nicht.

Bundesweiter Geheimtipp

Ging am Ende aber doch, wie schon bei den 19 Festivals zuvor. Seit 2000 gibt es das Fest der Independent- und Alternative-Musik, zunächst in, seit einigen Jahren am Rand von Neustrelitz. Was mit 1500 Besuchern begann, wuchs sich zum bundesweiten Geheimtipp aus. Aber als die Party die jetzige Größe erreicht hatte, zogen die Veranstalter einen Strich: Die Dimension von „Fusion“ oder „Hurricane“ sollte Immergut nicht bekommen. So kennzeichnen kurze Wege und Intimität das Festival, oder eben „Charakter“.

Die Gäste sind nah an den Musikern und umgekehrt. Als die walisische Musikerin Cate le Bon ihr konzentriertes und vertracktes Set ablieferte, fragte sie zwischendurch in die Runde, ob sich jemand außer ihr auf die Band Deerhunter freute. Was die Menge bejubelte. Als Deerhunter dann auftraten, feierte Frontmann Bradford Cox seine Kollegin Cate le Bon. Während sie mitten im Publikum stand. Die Musiker kennen sich gut, denn Cate le Bon hatte die letzte Deerhunter-Platte produziert.

Alles ist möglich

Die Stilrichtungen waren vielfältig: Boy Harsher spielten retro-seligen 80er-Jahre-Synthie-Stampf, die Krefelder Band Screenshots klang wie die krachende Variante von AnnenMayKantereit, Sophia Kennedy brachte mit Mense Reents düstere Pop-Perlen in die Nachmittagssonne, Hope aus Berlin verbanden Metal-Gitarre, gesungene Poesie und wüstes Elektro-Geknarze, Balthazar aus Belgien, die bereits mehrfach in Neustrelitz spielten, erwiesen sich wieder mal als eine Band leicht dandyhafter Solo-Performer, während Blvth seine verzerrten, schleppenden Hip-Hop-Botschaften von der Zeltbühne schmetterte.

All dies läuft unter „Indie“, aber möglich ist musikalisch im Grunde alles vom souligen Wohlklang der Norweger Komode über den leicht schnippisch vorgetragenen Singer-Songwriter-Stil der Londonerin Nilüfer Yanya hin zum brüllenden Free-Jazz-Metal von Black Midi, die klangen wie zornige alte Männer, dabei aber sehr jung aussahen und die Hälfte ihrer knapp bemessenen Konzertzeit damit verbrachten, gerissene Gitarrensaiten auszuwechseln.

Omas mit Enkeln

Auch das Publikum dieses 20. Immergut-Festivals war überaus gemischt. Hauptsächlich jüngere Leute in ihren Zwanzigern waren zu sehen, zunehmend kommen aber auch Familien mit Kindern. Eine der ältesten Besucherinnen dürfte die 86-jährige Brigitte Moschütz aus Kleinmachnow gewesen sein, die mit Enkelin Stefanie und Urenkel Birk auf dem Festivalgelände unterwegs war. Nicht zum ersten Mal. „Das lohnt sich immer wieder!“ sagt sie.

Für die Festivalorganisatoren ist auch dieses Festival aufgegangen. Unter dem Motto „Bleibt alles anders“ hatten sie einige Neuerungen eingeführt: Der traditionelle Abend im Theater wurde gestrichen, dafür gab es drei volle Tage auf dem Festivalgelände. Die Bühnen standen anders als in den Vorjahren, so gab es etwas mehr Platz. In Neustrelitz diente das RestaurantHelgoland“ als Veranstaltungsort, außerdem fanden vor den Konzerten täglich Diskussionsforen statt. Zu einem war sogar Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) angereist.

Werbung für die Region

Es ging darum, einmal mehr darzustellen, dass so ein Festival wie das Immergut kein Fremdkörper in der Region ist, sondern ein ökonomischer Faktor ebenso wie ein Mittel, um auf die Region aufmerksam zu machen, und zwar jenseits des gängigen Tourismusmarketings. Auch darum geht es den Organisatoren, die allesamt in Neustrelitz leben oder aus der Stadt und der Umgebung stammen.

Das Publikum komme zwar vor allem aus dem Hamburger und dem Berliner Raum, die Wahrnehmung vor Ort sei ihnen aber genauso wichtig, sagt Festival-Sprecherin Stefanie Rogoll. „Wir wollen der Region etwas zurückgeben.“ In diesem Jahr ist das wieder einmal gelungen, mit dem Immergut Nummer 21 wird das weitergehen. Mal sehen, was dann alles anders bleibt.

Matthias Schümann

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