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Musik Glanzvolles Fest mit betörendem Gesang
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19:00 06.01.2019
Neujahrskonzert mit Simone Kermes und Matthias Schorn in Ulrichshusen Quelle: Geert Maciejewski
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Ulrichshusen

Gespannte Erwartung, festliche Stimmung, fröhliche Gesichter und angeregte Gespräche – die Neujahrskonzerte der Festspiele MV auf Schloss Ulrichs­husen sind der ultimative Kick für alle Liebhaber sehr persönlicher Begegnungen und so unorthodoxen wie musikantisch begeisternden Musizierens. Ein Unterfangen mit interpretatorisch wie in den Präsentationsformen eigener Tradition – so auch am Sonnabend.

Wahre Begeisterungsstürme

Da liegt ein genussvoll schwelgerisches Erinnern geradezu in der Luft: etwa an die hinreißenden „Wiener Abende“ mit dem österreichischen Klarinettisten Matthias Schorn und seinem Theophil-Ensemble, dem ungewohnt neue Kammermusik-Facetten präsentierenden Duo Daniel Hope (Violine) und Sebastian Knauer (Klavier), dem Faure-Klavierquartett oder dem fantastischen l’ornamento-Barockensemble, ganz zu schweigen von der sensationellen Sopranistin Simone Kermes, die nun zum dritten Male – erstmals gemeinsam mit Matthias Schorn und dem Pianisten Daniel Heide – erneut wahre Begeisterungsstürme entfachte. Nicht etwa, weil es jahreszeitgemäß Konfetti-Atmosphäre gegeben hätte oder besonders „lustig“ zugegangen wäre.

Ausgezeichnete Sopranistin

Simone Kermeswurde am 17. Mai 1965 in Leipzig geboren und studierte Gesang bei Helga Forner an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn BartholdyLeipzig. Ihr Studium sowie zwei folgende Aufbaustudien absolvierte sie mit Auszeichnung. 1993 nahm sie erfolgreich am Mendelssohn-Wettbewerb in Berlin teil und wurde 1996 Preisträgerin beim Internationalen Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerb in Leipzig. Es folgten zahlreiche Engagements. Sie gastierte unter anderem an den Opernbühnen von Stuttgart, Wiesbaden, Bonn, Dortmund, Mainz, Koblenz, Kopenhagen, Köln ebenso an der Brooklyn Academy of Music in New York und am Théâtre des Champs-Élysées in Paris.

Mit höchstem künstlerischen Anspruch und der Bündelung von programmatischer Vielfalt, entspannter Besinnlichkeit und entfesselter Musizierlaune aber schon. Gewollt also auch, dass man mit der gewählten, im Zusammenwirken nicht eben häufigen Besetzung vokal wie instrumental ganz auf sinnliche, betörende Sanglichkeit orientierte, das Klavier ausdrücklich einbezogen.

Attraktive Arrangements

Indiz für konzeptionsorientiertes, wenngleich unauffällig serviertes Planen war auch ein finaler Programmteil, der als Auftrag der Festspiele zusätzliche und besonders attraktive Arrangements für Gesang, Klarinette und Klavier bot. Festspiel-„Geheimwaffe“ als Pianist, Improvisator und Arrangeur, Jarkko Riihimäki , hatte hier mit Film-und Opernadaptionen wieder glänzende, musikalisch sehr überzeugende Arbeit geleistet.

Wie denn dieser besondere Abend natürlich vom akustischen Eindruck lebte. Und der war wieder vom Allerfeinsten. Als Duo Gesang und Klavier, als Trio zuzüglich Klarinette, reichte das Angebot von Barock bis ins 20. Jahrhundert, von Monteverdi, Merulo und Pergolesi über Mozart, Schubert, Schumann und Mendelssohn bis zu französischen Impressionisten und der Revue der „wilden Zwanziger“.

Fabelhaft übereinstimmend im gestalterisch ausgefeilten Zusammenwirken, vor allem aber authentisch in wahrlich jeder stilistischen Spezifik, blieben buchstäblich keine Wünsche offen: Ein Klavierspiel von selten so kultiviert präsentierter Delikatesse, himmlische Klarinettenklänge und ein Sopran, dem zwischen tragischem Monteverdi-Lamento, klassisch-romantischem Schmelz, französisch impressionistischer Klangfinesse und Friedrich Hollaenders Marlene-Dietrich-Sound keine zudem ganzkörperlich durchlebte Ausdrucksnuance fehlte. Von der nur euphorisch zu beschreibenden Gesangstechnik und sängerischen Gestaltungsfähigkeit einer Simone Kermes ganz zu schweigen.

Ankerfunktion Ulrichshusens

16 Einzelstücke, jedes als originäres Kunstwerk eine anders glänzende Perle – und alles Hochkaräter. Musikalisch eine grandiose Vorstellung, aber nicht ohne Hintergrund. Dr. Fein hat ihn formuliert. Er sprach vom gezielt Besonderen, vom jedesmal Neugierigmachen, auch von der „Anker“-Funktion Ulrichshusens als einer im Land, in der Heimat verwurzelten und vielfältige Begegnungen ermöglichenden Konstante. Da ist wohl schon von einer Mission zu sprechen

Es ist aber auch schon viel, wenn Besucher – hier spontanen Gesprächenseindrücken zu verdanken - einfach beglückt und „dankbar für diese Möglichkeiten“ nach Hause fahren. Und selbstverständlich wiederkommen.

Ekkehard Ochs

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