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Musik Status-Quo-Frontmann redet – zu viel?
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11:24 14.03.2019
Rick Parfitt (l.) und Francis Rossi waren die Urgesteine der Band Status Quo – und beste Freunde. Nach Parfitts Tod im Dezember 2016 führt Rossi die Band ohne ihn weiter und kann sich deren Fortbestehen auch nach seinem eigenen Ausstieg vorstellen. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Er rede zu viel, teilt Francis Rossi der Welt mit. Zumindest heißt sein neues Album „We talk too much“ und seine Autobiografie „I talk too much“. Über beides hat der Status-Quo-Frontmann mit dem OZelot geplaudert – und die Antworten sind ausführlich.

Vor einigen Jahren haben Sie angekündigt, die Tourneen mit Status Quo zu beenden, weil es Ihnen körperliche Schmerzen bereite. Aber in diesem Sommer sind Sie wieder unterwegs. Was ist mit den Schmerzen?

Das passiert noch immer. Ein Status-Quo-Auftritt ist sehr körperlich. Wenn man nur da steht und spielt, ist es langweilig – sowohl auf der Bühne als auch für den Zuhörer davor. Damit es gut wird, muss man vollen Körpereinsatz geben. Und je besser der Auftritt gelingt, umso schlimmer wird es. Manchmal wachen wir morgens auf und sagen, „Oh, das muss gestern gut gewesen sein. Es tut alles weh.“ Und das ist ja auch Teil vom ganzen Spaß. Aber Rick Parfitts nachlassende Gesundheit wurde immer mehr zum Problem, weshalb es klug schien, kürzer zu treten. Ich habe das Gefühl heute noch manchmal, meist morgens. Aber irgendwas hat sich geändert in den letzten Jahren. Seit Ricks Tod ist viel passiert. Wir mussten die ersten Shows ohne ihn spielen. Richie Malone ist ein guter Mann, aber er ist nicht Rick. Jetzt hat Richie sich in der Band eingelebt, macht sein eigenes Ding. Er ist nicht mehr Ricks Nachfolger, er ist Richie Malone. Er hat irgendwas mitgebracht, das den Rest von uns beeinflusst hat. Die Dynamik ist wieder ein bisschen so, wie damals, als wir die Songs gemacht haben. Mir war auch klar, dass manche Leute nicht begeistert sein würden, wenn ich ohne Rick weiter mache. Klingt wie eine Liebesaffäre, wenn ich das sage, oder? (lacht) Und manche sagten, wir würden nicht mehr so gut sein, und dafür bin ich dankbar, denn ich dachte mir, denen zeig’ ich’s. Ob es klappen würde, konnte ich nicht vorhersehen, aber ich habe es versucht. Und die Band auch. Schon damals, als Rick und ich uns von Alan Lancaster und John Coghlan getrennt hatten, hieß es, es könne nicht mehr so gut werden. Und auch damals haben Rick und ich gesagt – hey, wir werden es versuchen.

Sie sind inzwischen das letzte Original-Bandmitglied bei Status Quo. Können Sie sich vorstellen, dass die Band eines Tages auch ohne Sie weiter existieren kann?

Das ist durchaus möglich, ja. Wenn der Sound bleibt und die Leute hin gehen und sich das anhören, warum nicht? Das ist irgendwie schräg, dass Sie das sagen, dass ich der Letzte bin, der noch übrig ist. Es wäre irgendwie cooler, der Letzte von den Beatles zu sein oder von den Stones oder Pink Floyd. Aber es ist nur Status Quo und bestimmt denken viele Leute „Um Himmels willen...“ – also abgesehen natürlich von Status-Quo-Fans. Aber ja. Ich bin der Letzte. Und zu sagen, ohne mich kann es nicht weiter gehen, ist irgendwie seltsam, denn es gibt viele Bands, die keine Originalmitglieder mehr haben und dennoch da sind, zum Beispiel einige von diesen alten Motown-Bands. Aber sie sind gut und die Leute kommen, um sie zu sehen – das ist entscheidend.

Jetzt haben Sie eine Autobiografie veröffentlicht mit dem Titel „I talk too much“. Warum glauben Sie, dass Sie zu viel reden?

Also, haben Sie mir bis jetzt zugehört oder nicht? (lacht) Ich weiß nicht, ob Sie Russell Brand kennen, er ist ein britischer Sänger. Eigentlich nicht mein Typ. Aber ich hab ihn mal ein paar Dinge sagen gehört, über Politik und was sich ändern müsse – Systemkritik. Dann sagten die Leute, er solle doch seine Klappe halten oder Politiker werden. Und ich dachte mir, nein, er hat Recht. Ich habe auch Meinungen und Ansichten, aber das heißt doch nicht, dass ich gleich in die Politik gehen muss. Und dann hatte ich diesen Liedtext, wo es heißt: „Ich weiß, ich rede zu viel über mich selbst und so. Ich weiß ein paar Dinge, aber das macht mich nicht besser als Dich“. Und dann habe ich das Album mit Hannah Rickard aufgenommen und sie fand den Song gut – also haben wir ihn aufgenommen das Album so genannt und am Ende auch das Buch. Es hat sich alles so ergeben. Erst das Album „Wir reden zu viel“, dann das Buch „Ich rede zu viel“ und jetzt rede ich auch noch darüber, dass ich zu viel rede. Das war jetzt viel Gerede für Ihre kurze Frage. (lacht)

In dem Begleittext des Verlags heißt es, Sie würden nun die Wahrheit erzählen über ihre Karriere und auch Ihre Beziehung zu Rick Parfitt. Was ist neu an dieser Wahrheit?

Oh, das erzählen sie einem immer. Es ist so ähnlich, wie dieser Show-Business-Quatsch vom „Besten Album, das Sie je gehört haben“. Das ist doch Blödsinn. Klar, wenn Du Quo-Fan bist, dann ist es großartig. Aber es kann genau so auch Schrott sein. Als ich gefragt wurde, ob ich das Buch schreiben würde, kurz nachdem Rick starb, war mir klar, dass sie am liebsten gehabt hätten, dass ich nun irgendwas sensationelles auspacke über uns beide. Aber ich habe zugestimmt, weil ich an eine Zahl mit vielen Nullen dran dachte, die das Ganze einbringen würde. Leute tun oft so, als wäre ihnen das Geld egal, aber die lügen. Es geht immer ums Geld. Nur wenn genug Geld rein kommt, kann der Corner-Shop geöffnet bleiben. Wenn der Laden keinen Gewinn macht, muss er schließen. Also, im Buch sind Geschichten drin über Rick und mich, über die guten und sogenannten schlechten Zeiten und warum die Dinge alle so passiert sind, wie sie passiert sind. Ich hab mich nicht hingesetzt, um mit Rick abzurechnen. Die meiste Zeit war alles gut zwischen uns. Rick war mein bester Freund, vielleicht sogar der einzige, den ich je hatte. Bevor Rick zur Band kam, hatte noch niemand bemerkt, dass wir überhaupt eine Band waren. Und Rick – wie er nun mal war – hatte sein Material nicht gelernt. Bei seinem ersten Gig mit Status Quo hat er dann seine Gitarre nicht eingestöpselt und nur so getan, als ob er spielt. Ihm war das egal, er war glücklich, dass er dabei war. Die anderen wollten ihn schnell wieder loswerden, aber ich war dagegen. Irgendwas war da zwischen uns. In den meisten Bands entwickelt sich so ein Gefühl von „Wir gegen den Rest der Welt“. Und bei Rick und mir gab es das auch, allerdings innerhalb der Band. Das meine ich nicht böse, aber im Rückblick fühlt es sich für mich so an – wir und die anderen drei. Wir haben uns auch ähnlich angezogen. Bei unserem ersten Auftritt hat er mein Hochzeits-Outfit angehabt. Einen grünen gestreiften Blazer und ein pinkes Hemd. Ich weiß bis heute nicht, wie er in meine Klamotten gepasst hat. Ach, es gibt viele schöne Geschichten von mir und Rick. Nichts konnte uns auseinander bringen.

Das Album „We talk too much“, das Sie mit Hannah Rickard aufgenommen haben, klingt ganz anders als Status Quo. Haben Sie die E-Gitarre für eine Country-Karriere an den Nagel gehängt?

Nein, das hätte ich gern getan, aber ich muss gestehen, dass ich dafür nicht gut genug bin. Hannah wollte gern so viele amerikanische Bezüge wie möglich einbauen. Aber dann haben wir ein bisschen gebremst, denn einerseits hätten wir unsere europäischen Fans befremdet und die Amerikaner hätten uns für Blender gehalten, keine echten Country-Leute. Wir haben ein countryartiges, poppiges, rossi’sches und rickard’sches Album gemacht. Für die Kategorisierung im Plattenregal würde ich es Country-Pop nennen.

Planen Sie weitere Projekte?

Ich hoffe. Wir haben bereits darüber geredet und auch schon überlegt, was wir noch besser machen können. Aber – wenn das Album sich nicht gut verkauft, können wir auch kein neues machen. Jetzt müssen wir erstmal ein bisschen Erfolg haben, damit Geld rein kommt, wir auf Tour gehen können und die Promoter auch Interesse an uns bekommen. Irgendwer muss am Ende alles bezahlen – wie schon gesagt, der Laden an der Ecke... Ohne Kundschaft, schließt der Laden. Ist das nicht höchst bedeutungsvoll und vielsagend?

Was waren denn Ihre ersten musikalischen Einflüsse?

Die Everly Brothers. Immer schon. Ich wollte es mit meinem Bruder nachmachen, aber er hat sich anders entschieden. Aber auch Little Richard und Jerry Lee Lewis, Fleetwood Mac und einige andere haben mich geprägt.

Ove Arscholl

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