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Musik Lana Del Rey: Ganz schön glücklich
Nachrichten Kultur Musik Lana Del Rey: Ganz schön glücklich
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00:00 20.07.2017

Klar, die Songs klingen immer noch eher schwermütig, dafür sorgen allein schon Lana Del Reys tiefe Stimme und ihre langsame Art zu singen. Aber mit 32 Jahren hat die einst notorisch melancholische Schönheit, die als Elizabeth Granz bei New York zur Welt kam und vor fünf Jahren mit der Sixties-Hommage „Video Games“ berühmt wurde, endlich die Leichtigkeit des Seins entdeckt. „Auf ihrem vierten Album „Lust for Life“ (der Titel ist bereits Programm) hat Lana zudem einige illustre Gäste dazu gebeten, sie singt mit A$AP Rocky, The Weeknd, Sean Lennon und Stevie Nicks. Wir telefonierten mit Lana Del Rey und bekamen erstaunliche Einblicke in ihr Leben.

Lana, rufst Du aus Los Angeles an?

Lana Del Rey: Ja, ich sitze mitten in L.A. auf einem großen Parkplatz, in meinem Auto. Ich habe einen hervorragenden Blick auf ein Motel, nebenbei gucke ich ein bisschen, ob dort was passiert.

Warum gehst Du nicht ins Haus?

Ach, da ist es immer so laut. Manchmal muss ich einfach raus, nachher gehe ich bestimmt noch einen Kaffee trinken oder so. Im Auto habe ich meine Ruhe. Außerdem ist der Empfang hier unschlagbar.

Was für ein Auto ist das denn?

Ein Jaguar.

Oha.

Ja, aber jetzt nicht so ein Flitzer. Eher ein Mama-Jaguar. Er ist groß und blau und wunderschön.

Fährst Du gerne Auto?

Total. Ich liebe das. Im Auto komme ich so schön zu mir, da habe ich keine Ablenkung, für mich ist Autofahren wie Meditation. Genauer gesagt: Es ist meine Meditation. Ich mache sonst nichts in der Richtung, nur Auto fahren.

Lana Del Rey verbringt ihre Freizeit also Auto fahrend und Leute guckend in Los Angeles. Wie eine Touristin in der eigenen Stadt.

Ich finde das toll. Nach meinem letzten Album „Honeymoon“ habe ich bewusst eine Weile nicht gearbeitet und stattdessen Sachen gemacht, die ich immer machen wollte. Ich bin auf viele Konzerte gegangen, habe Musikerfreunde im Studio bei der Arbeit besucht und, vor allem: Ich habe die Menschen beobachtet. Einfach gucken, was sie anhaben, wie sie gehen, was sie reden, das ist vielleicht meine Lieblingsbeschäftigung. Ansonsten bin ich auch einfach gern zu Hause.

Dein Debütalbum vor fast fünf Jahren hieß „Born To Die“, das neue „Lust For Life“. Dokumentieren die Albumtitel, wo Du jeweils im Leben stehst und wie es dir geht?

Ja. Ich habe mich gut entwickelt, was das Gesamtglücksgefühl angeht. Ich bin immer noch auf dem Weg, und Wachstum wie auch Chaos werden mich weiter durchs Leben begleiten, machen wir uns keine Illusionen. Und doch fühle ich deutlich die Veränderung. Ich habe klar mehr Spaß im Leben als vor einigen Jahren.

Geht es in deinem neuen Song „Change“ um diese Veränderungen?

Ganz genau. „Change“ ist das letzte Lied, das ich für dieses Album geschrieben habe. Die vier Worte, die ich im Refrain singe, sagen im Grunde schon alles: Ehrlich, fähig, schön und stabil. So will ich werden. Mein gesamtes Leben ist von dieser Suche geprägt, der Suche danach, irgendwo hinzugehören, Teil von etwas zu sein. Auf diesem Weg bin ich schon ein gutes Stück gegangen. Ich komme voran, definitiv.

Woran machst Du das fest?

An meinem Verhalten. Und an meinem Umgang mit Menschen. Ich fühle mich um einiges entspannter und bin offener geworden. Freier. Sicherlich auch selbstbewusster. Zu Beginn war ich so schrecklich ängstlich. Ich wusste oft nicht, was die Leute jetzt von mir wollen und erwarten. Ich stand heftig unter Beobachtung, ich lebte wie unter einer Glocke, in die alle reinschauen wollten.

Warum eigentlich?

Die Leute waren mir gegenüber misstrauischer als vielen anderen Künstlerinnen und Künstlern gegenüber. „Video Games“, meine erste Single, hat total polarisiert, ohne dass ich bis heute genau weiß, warum. Und so hatte ich lange das Gefühl, zwar einen Fuß in der Tür, aber keinen sicheren Stand in dieser Musikwelt zu haben. Mittlerweile habe ich einige Alben im Säckchen und bin selbstsicherer geworden. Ich habe keine Scheu mehr, auf andere Leute zuzugehen. Es ist also kein Zufall, dass ich mehr Musiker auf die neue Platte eingeladen habe.

So wie Stevie Nicks von Fleetwood Mac, die auf „Beautiful People Beautiful Problems“ mitsingt.

Stevie ist eine Freundin meines Produzenten Rick Nowels, die kennen sich schon ewig. Sie war so toll, ich würde sie inzwischen als Freundin bezeichnen. Stevie macht seit fünfzig Jahren Musik, sie war in den Siebzigern dabei, sie hat alles gesehen. Da kann man fast neidisch werden. The Eagles, Crosby, Stills, Nash & Young, dieser ganze Sound der damaligen Zeit, ich liebe ihn einfach abgöttisch.

Und seitdem ich in LA lebe, suche ich immer nach anderen Musikern, überhaupt anderen Menschen, denen es genauso geht.

Und? Hast Du schon viele Fans des Sixties- und Seventies-Pop kennengelernt?

Witzigerweise habe ich mir in Los Angeles inzwischen einen fantastischen Freundeskreis aufgebaut, der diese Leidenschaft teilt. Father John Misty und seine Frau Emma Tillman zählen zum Beispiel

dazu. Oder auch Miles Kane und Alex Turner, also die beiden Jungs von The Last Shadow Puppets. Wir sind so eine kleine Folkgemeinde. Wir strahlen dieses Laurel-Canyon-Gefühl aus, das ich so sehr mag.

Auch Sean Lennon ist auf der Platte dabei, im Song „Tomorrow Never Came“. Wie kam das zustande?

Ich erzähle in dem Lied von meiner Idealvorstellung einer Beziehung, der Song ist einer der wenigen auf dem Album, der nicht von mir selbst handelt. John Lennon und Yoko Ono nenne ich als Beispiel.

Ich stellte mir die beiden vor, wie sie innig auf einer Bank im Central Park sitzen, dieses Paar weckt romantische Vorstellungen in mir. Somit lag es sehr nah, Sean zu fragen, zumal ich seine Musik sehr schätze. Er war auch sofort am Start.

Ist dir eine vergleichbar intensive Beziehung selbst mal widerfahren?

Solch eine innige Liebe? Nein, leider noch nicht.

Wünschst Du dir eine langfristige, gute Beziehung?

Davon träume ich, ja. Ich will es so gern schaffen, einmal etwas festzuhalten, richtig festzuhalten. Anstatt es wieder und wieder zu vermasseln. Das ist mir leider so oft passiert, keine Ahnung, weshalb. Manchmal habe ich komische Sachen gemacht, manchmal habe ich Männer enttäuscht, oft war ich nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Kannst Du dir vorstellen, ganz klassisch zu heiraten und Mutter zu werden?

Mein Gott, ja, das würde mir sehr gut gefallen. Äußerst gut. Ich bin auch zuversichtlich, dass das irgendwann passieren wird. Ich freue mich darauf. Und ich bin überzeugt, dass es möglich ist, Musik UND Liebe gleichberechtigt im Leben zu haben. Wahrscheinlich würden meine Songs dann noch glücklicher.

Wobei die neuen ja schon ziemlich glücklich sind, jedenfalls für deine Verhältnisse. Wann hast Du denn das letzte Mal alle Kleider ausgezogen und bist nackt auf dem „H“ des Hollywood-Zeichens herumgetanzt, so wie Du in „Lust for Life“, deinem Duett mit Abel Tesfaye alias The Weeknd, bekundest?

Vor einigen Wochen hatte ich so einen kleinen Das-Leben-imitiert-die-Kunst-Moment, der ausgezogene Klamotten und die Nähe des Hollywood Signs beinhaltet, auch wenn das nicht gaaanz so wild war, wie ich es in dem Song beschreibe.

Hast Du auch auf dem „H“ getanzt?

Nein, das ist voll hoch. Da kommst du nicht einmal mit einer Leiter rauf. Nein, aber ganz in der Nähe sind ein paar coole Cafés und außerdem der Beachwood Canyon, in dem es wunderbar ruhige, versteckte Ecken gibt. Wenn wir abends weggehen, dann machen wir manchmal echt Quatsch. Und jene besagte Nacht, also, ich werde hier nicht alles verraten, aber sie war schon recht romantisch.

Eure Stimmen – deine und The Weeknd – passen übrigens hervorragend zusammen.

Danke. Zwischen uns gibt es eine tolle Chemie. Abel war einer der Ersten, der 2011 den Clip zu „Video Games“ postete, ich suchte den Kontakt zu ihm und wir wurden Freunde. Ich schaue öfters bei ihm vorbei, auf seinen letzten zwei Platten habe ich auch ein wenig im Hintergrund mitgesungen.

Interview: Steffen Rã¼th

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