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Musik Plattner ist Potsdams Problemlöser
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14:58 31.03.2019
So soll das Kunstmuseum für die DDR-Ostmoderne später mal aussehen. Quelle: S. Winneguth
Potsdam

Hasso Plattner, SAP-Gründer, Ehrenbürger Potsdams und größter Mäzen der Stadt, hat wieder alle überrascht. Seine Hasso-Plattner-Stiftung will das vom Abriss bedrohte Terrassenrestaurant Minsk am Brauhausberg kaufen und in ein Museum für die DDR-Kunst-Sammlung des Stifters verwandeln.

Der Milliardär macht in marxistische Avantgarde-Architektur, will eine Betonruine sanieren, in der Obdachlose schliefen. In der Software-Branche nennt man so etwas „Disruption“ – alles total anders machen als bisher. Wer hätte das gedacht?

Landmarken der DDR-Moderne

Der 75-Jährige Plattner hatte zuletzt das Barockpalais Barberini rekonstruieren lassen und den Wiederaufbau der im Krieg zerstörten historischen Potsdamer Innenstadt entscheidend voran gebracht. Der Minsk-Vorstoß ist auch deswegen ein Coup, weil Plattner damit einen erbittert geführten Streit in der Landeshauptstadt über den Umgang mit DDR-Architektur beenden könnte. Mehr noch, er löst wieder ein Problem, an dem die Politik in Potsdam zu scheitern drohte. Das 1977 zum 60. Jahrestag der russischen Oktoberrevolution in Sichtbeton-Optik errichtete Minsk ist eine der letzten Landmarken der DDR-Moderne. Potsdam hat dieses Erbe mit der Abrissbirne behandelt. Die Fachhochschule am Landtag ist unlängst erst von Baggern zerkleinert worden. Das alte Schwimmbad auf dem Brauhausberg mit seinem geschwungenen Dach ist ebenfalls Geschichte. Dem ehemaligen Rechenzentrum – bekannt für seine Kosmos-Mosaike – droht ab 2024 der Abriss, so die Beschlusslage der Stadt.

Das Minsk war ebenfalls dem Abriss geweiht. Zuletzt hatte ein Investor 27 Millionen Euro für das Filetgrundstück am Hauptbahnhof geboten. Aus Volkes Hügel mit Sportanlagen, Park, Brunnen und Lokal drohte eine Hanglage für Betuchte zu werden. Ein breites Bündnis machte Front dagegen und hielt das mit Asbest belastete Gebäude im Gespräch. Doch alle Visionen für das Gebäude krankten an einem Punkt: der Rentabilität. Plattners Intervention löst dieses Problem. Seine Stiftung ist eine Non-Profit-Organisation. „Die Erhaltung von historischen Gebäuden ist von größter Bedeutung“, heißt es.

Freizeit-Treffpunkt für ganze Familien in den 70er und 80er Jahren, heute eine Ruine und Oberfläche für Graffiti-Sprayer. Mit Hilfe des Milliardärs Hasso Plattner soll das ehemalige Terrassenrestaurant „Minsk“ in Potsdam zum Museum der DDR-Ostmoderne werden.

Plattner spielt seine Rolle als Konfliktlöser herunter: „Ich kenne mich im Streit um den Erhalt des Minsk nicht aus. Die Lage ist sehr gut.“ Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) klingt anders. Plattner trage „maßgeblich zur Lösung eines Konflikts bei, den die Stadtgesellschaft nicht gelöst bekommen hat“, sagt Schubert. „Wir haben in Potsdam Diskussionen geführt, in denen sich am Ende eine Seite immer unterlegen gefühlt hat.“

Nicht das erste Mal. Als dem Land 2007 das Geld fehlte, um beim Wiederaufbau des Stadtschlosses als Landtagssitz die historische Fassade zu rekonstruieren, spendierte der Software-Unternehmer 20 Millionen Euro. Der klamme Staat profitierte erneut, als das Parlaments-Schloss aus Kostengründen ein Zinkdach erhalten sollte. Plattner, dessen Vermögen auf elf Milliarden Euro geschätzt wird, ließ zwei Millionen Euro für Kupfer springen.

Entwicklungssprung in der Bildungslandschaft

Die Bildungslandschaft in Potsdam hat dem Mäzen einen Entwicklungssprung zu verdanken. Das Hasso-Plattner-Institut (HPI) entstand als Talentschmiede für Informatiker. Michael Gorbatschow kam zur Eröffnung 2001. Es war der Sprung in die Digitalisierung, während in der benachbarten Landes-Universität noch Zettelkästen gewälzt wurden. Mehr als 200 Millionen Euro sollen in das Projekt geflossen sein. Das HPI ist Teil der Informatikerausbildung der Uni – wieder half Plattners Stiftung aus, wo Steuermillionen fehlten. „Das Institut ist von allen Schätzen, die Plattner der Stadt gegeben hat, der größte“, sagt Schubert.

Die politische Dimension der Minsk-Rettung dürfte Plattner nicht entgangen sein, weil er selbst 2012 in eine Kontroverse geriet, deren Heftigkeit den Mäzen tief traf. Die damalige Stadtspitze hatte dem Unternehmer vorgeschlagen, er könne ein Kunstmuseum anstelle des 1969 errichteten ehemaligen Interhotels – heute Mercure – errichten. Man hielt das 17 Etagen hohe Gästehaus für städtebaulich deplatziert – genau gegenüber dem Stadtschloss. Plattner zeigte sich aufgeschlossen. Mercure-Anhänger, die das Hotel aus DDR-Zeiten als Ort verfeinerter Lebensart schätzten, protestierten gegen den Abriss. Warum sollte ein prominenter DDR-Bau weichen, damit auf der Abrissstelle DDR-Kunst gezeigt werden könne? Plattner nahm Abstand.

Museum Barberini statt leblose Kulisse auf dem Alten Markt

Seine Stiftung ließ das Museum Barberini am Alten Markt errichten. Das 2017 eröffnete Museum hat nach fulminanten Ausstellungen mit Werken der amerikanischen Klassiker, französischen Impressionisten, einer Werkschau Gerhard Richters und der Picasso-Sammlung über Nacht internationale Bekanntheit erlangt. Viele der Gäste übernachten – Ironie der Geschichte – im Mercure. Ganz nebenbei hat Plattner mit dem Museum und seinen Besuchern den rekonstruierten Alten Markt davor bewahrt, wie eine leblose Kulisse zu wirken.

In den politischen Kämpfen um das Hotelhochhaus lernte Plattner einen Mann näher kennen, der beim Minsk-Erhalt eine wichtige Rolle spielt: Linken-Urgestein und Landtagsabgeordneter Hans-Jürgen Scharfenberg (64). Er war in beiden Fällen politischer Wortführer der Abrissgegner – und hat einen nicht zu unterschätzenden Anteil an der Wendung im Fall Minsk. Der Politiker und der Gründer von Deutschlands wertvollstem Unternehmen haben einen Draht zueinander. „Es ist die Verlässlichkeit Scharfenbergs, die Plattner schätzt“, sagt Schubert. Scharfenberg ist begeistert von Plattners Vorstoß. „DDR-Kunst im Minsk – das ist die Übereinstimmung von Form und Inhalt“, sagt er.

Ostkunst-Museum der Extraklasse

So könnte Potsdam ein Ostkunst-Museum der Extraklasse erhalten, in dem Werke von Willi Sitte, Wolfgang Mattheuer („Jahrhundertschritt“), Bernhard Heisig oder Werner Tübke zu sehen sein werden. Präsentiert in einem Gebäude, das heute extrem ruinös aussieht.

Ulrich Wangemann

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