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Musik Tove Styrke: Singende Weltverbesserin
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00:00 18.06.2015
Selbstbewusst und gegen die Unterdrückung von Frauen: Tove Styrke (22) aus Stockholm. Quelle: Sony Pictures

Von ihrem harmlos-niedlichen Äußeren darf sich niemand täuschen lassen. Tove Styrke macht modern-coolen Pop, und sie hat sehr klare, feministische Ansichten. Wer die 22-jährige, deren zweites Album „Kiddo“ heißt, wie ein Kind behandelt, der gewinnt eine Feindin.

„Mir kommt es seltsam vor“, sagt Tove Anna Linnea Östman Styrke, „dass es so wenige aktuelle Popsongs gibt, die echte Gedanken und auch mal ernste soziale Themen aufgreifen.“ Popsongs wie ihre. „Pop ist doch die Musik der Menschen, zugänglich für alle. Das ist die Musik, zu der wir Auto fahren und zu der wir weinen, wenn keiner zuguckt. Ich kapiere nicht, warum Pop so weltfremd ist.“ Von draußen knallt die Berliner Sonne ins Zimmer, Styrke indes kriegt die Hitze kaum mit, sie redet sich charmant lächelnd und mit leiser, freundlicher Stimme in Rage. „Ich bin ein fröhlicher Mensch, aber mich macht vieles echt sauer. Die Welt ist so ungerecht, vor allem Frauen gegenüber.“ Die Frage, ob es zu viel Sexismus in der Musikindustrie gebe, sei ja schon so banal, dass man sie nicht mehr erörtern müsse, „es sieht ja jeder sofort, wie oberflächlich dieses Geschäft ist.“

Die 22 Jahre alte Tove, die als Kind so sein wollte wie Britney Spears und die heute „yesss“ sagt, wenn man fragt, ob sie Feministin sei, zeige zum Beispiel ungern viel Haut, was dann nur zur Folge habe, „dass mich keiner mehr ernst nimmt und man mich wie ein Kind behandelt. Ich kenne keinen 22-jährigen Mann, dem es auch so geht.“ Nicht von ungefähr hat sie ihr zweites Album „Kiddo“ betitelt.

Einerseits ist das ihr — latent abwertend und verniedlichend gemeinter — Spitzname, andererseits ist Kiddo der Name der von Uma Thurman gespielten und nicht zimperlichen „Braut“ aus Tarantinos „Kill Bill“, ihrem Lieblingsfilm.

War schon Styrkes Debütalbum vor drei Jahren cooler als der Rest, so ist „Kiddo“ in Text und Ton ein Sommermärchen. Ihre Popsongs sind zugänglich, auch mal elektronisch-housig wie „Ego“, dessen Sound so freudig sei, weil der Song „tieftraurig ist und von einem Menschen handelt, der ungewollt von dir weg driftet“. „Decay“ klingt nach Madonna, „Samuray Boy“ nach Landsfrau Robyn. Am allertollsten aber ist ihr „Borderline“ gelungen, eine in Reggae und Gwen-Stefani-Einfluss getauchte Gleichberechtigungshymne. „Der Song ist catchy. Wenn du den zum ersten Mal hörst, kannst du nicht glauben, dass er davon handelt, wie das Patriarchat noch immer die Welt beherrscht.“

Sie guckt jetzt noch eindringlicher, der Blick dieses reizvollen Mädchens (um jetzt nicht „niedlich“ oder „süß“ zu schreiben, denn wie sexistisch wäre das denn) hat was Fixierendes, wohl auch, da das Gegenüber ein Mann ist, und man denen halt „viele Sachen auf nette, aber klare Weise“ erst beibringen müsse. Weil, sonst schnallen die das nie mit den Ungerechtigkeiten. Okay, Tove Styrke war immer klug und selbstbewusst genug, ihren Weg zu gehen und sich durchzusetzen: Tochter eines schwedischen Volksmusiksängers und einer Ballett-Tänzerin, mit 16 zuhause im nordschwedischen Umeå aus- und nach Stockholm gezogen, ein dritter Platz bei „Swedish Idol“ 2009, seitdem Karriere gemacht und mit Call my Name“ einen 2012 mittelgroßen Hit auch bei uns geschafft. Allzu viel Gegenwind kann sie nicht gehabt haben. „Es geht nicht nur um mich. Es geht um die Gesellschaft. Die Gehirne der Welt müssen umprogrammiert werden, damit wir die Kontrolle der Männer abstreifen und allen Kampfes zum Trotz mordsmäßig viel Spaß haben im Leben.“ Der Feldzug der Tove Kiddo Styrke hat gerade erst begonnen.

Frecher Elektropop
Die Popsängerin Tove Styrke (* 19. November 1992) kommt aus Umeå (Schweden) und machte sich als Drittplatzierte der siebten Staffel der schwedischen Castingshow Idol einen Namen.
In ihrer Musik vermischt sie Pop und Elektropop. Ihre erste Platte „Tove Styrke“ erschien 2010.



Steffen Rüth

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