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Musik Vanessa Paradis: „Liebe ist Freiheit“
Nachrichten Kultur Musik Vanessa Paradis: „Liebe ist Freiheit“
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03:46 30.05.2013
Zeigt gerne Haut und besingt die Liebe: die Französin Vanessa Paradis (40).
Zeigt gerne Haut und besingt die Liebe: die Französin Vanessa Paradis (40). Quelle: promo/Universal
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Die neue Platte der 40-Jährigen heißt „Love Songs“ und besteht aus 20 Liedern, von denen acht (darunter die Single „Love Song“) vom bekannten Barden Benjamin Biolay stammen. Viel Arbeit liegt hinter der zweifachen Mutter: Als Vanessa zum Interview in einem Pariser Hotel erscheint, sieht sie etwas geschafft aus. Dem Augenschein nach völlig ungeschminkt begrüßt sie ihren Gesprächspartner mit freundlichem Blick und festem Händedruck, in der rechten Hand eine selbst gedrehte Zigarette, die ihr immer wieder ausgeht.

OZelot: Vanessa, „Love Songs“ ist ein Doppelalbum über die Liebe. Weil die Liebe so ein unerschöpfliches Riesenthema ist?

Vanessa: Ein Doppelalbum ist es deshalb geworden, weil wir einfach zu viele Songs hatten, die wir richtig gut fanden. Zu gut, um sie nicht zu veröffentlichen. Wir konnten uns nicht überwinden, noch mehr Lieder wegzulassen. Außerdem finde ich ein Doppelalbum so schön altmodisch.

OZelot: Bist du selbst eine altmodische Frau?

Vanessa: Ja, ich bin ein wenig altmodisch. Speziell, wenn es um Musik geht. Ich höre viel mehr alte Musik als moderne Musik. Von den neueren Sachen mag ich zum Beispiel das neue Album von Daft Punk. Und natürlich Feist. Ich glaube, Feist ist meine Lieblingssängerin.

OZelot: Kann man in 20 Songs erklären, wie die Liebe funktioniert?

Vanessa: Vielleicht kann man die Liebe überhaupt nicht erklären. Meine Überzeugung ist: Man muss auch nicht alles analysieren. Manche Dinge lässt man lieber unerklärt und einfach für sich stehen.

OZelot: Was fällt dir spontan zum Thema Liebe ein?

Vanessa: In der Liebe gibt es kein Richtig und kein Falsch. In einer Beziehung haben immer beide recht, denn beide interpretieren die Dinge aus ihrer persönlichen Perspektive. Egal ob einem das passt oder nicht, ob man das positiv oder negativ findet. Liebe bedeutet Freiheit, und in Freiheit ist alles erlaubt. Die Liebe lässt sich nicht einsperren. Jedem bedeutet die Liebe oder eine bestimmte Liebesbeziehung etwas anderes, jeder sieht sie anders. Und man kann niemandem vorschreiben, aus welchem Blickwinkel er die Liebe zu betrachten hat.

OZelot: War es deine Absicht, ein Konzeptalbum über die Liebe aufzunehmen?

Vanessa: Nein, das hat sich so entwickelt. Ich habe meine Songschreiber nicht um bestimmte Ideen oder Themen gebeten, ich habe die fertigen Songs bekommen, mit Texten und Musik. Und dies ist das, was sie inspiriert hat. Es hat sich so ergeben, dass alle Songs, die ich bekam, ausnahmslos Liebeslieder waren. Das ist perfekt für mich. Denn am liebsten singe ich Liebeslieder. Ich finde Liebeslieder toll.

OZelot: Wenn die Songschreiber an Vanessa Paradis denken, dann denken sie automatisch an die Liebe?

Vanessa: So scheint es zu sein (lacht). Im Moment ist es jedenfalls so. Warum auch nicht? Womöglich brauchen wir alle mehr Liebe als je zuvor.

OZelot: Was hast du über die Liebe herausgefunden während der Arbeit am Album?

Vanessa: Dass sich Dinge verändern können. Dass die Liebe nicht notwendigerweise bleibt, wie sie ist. Weil sich die Welt um dich verändert, weil du dich veränderst, weil alle sich verändern.

OZelot: Benjamin Biolay hat acht der 20 Lieder geschrieben. Hat er den Startschuss für das gesamte Projekt gegeben?

Vanessa: Nein, ich hatte schon einige Songs vorliegen, er hat aber alles produziert und die Platte zum Leben erweckt, er wohnte mit mir quasi im selben Musikprojekt zusammen.

OZelot: Das Stück „Doorway“ hast du selbst geschrieben. Der Text ist einer der wenigen in englischer Sprache. Fällt dir das Texten auf Englisch leichter als auf Französisch?

Paradis: Absolut, das ist einfacher für mich. Ich schreibe gerne direkte Texte, und das kann ich im Englischen besser.

OZelot: Und dann ist da noch der Song „New Year“, dessen Musik du zusammen mit deiner Tochter Lily-Rose und deinem Ex-Partner Johnny Depp geschrieben hast. Ist „New Year“ bei euch daheim im Wohnzimmer entstanden?

Vanessa: Ja, aber schon vor langer Zeit. Johnny hatte den Refrain geschrieben, und eines Tages, als unsere Tochter noch kleiner war, sang sie einfach eine Melodie auf Johnnys Musik.

So entstand das Lied, das wir damals auch aufgenommen hatten. Ich behielt die Aufnahmen, die ich wirklich wunderschön fand, und beschloss, sie nun zu einem kompletten Song auszubauen.

OZelot: In Deutschland diskutieren wir gerade viel über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Lily-Rose ist 14, Jack ist 11, du bist mit dem Vater der beiden nicht mehr zusammen.

Wie gelingt es dir, Job und Kindern gerecht zu werden?

Vanessa: Einfach ist es nie, Kinder und Karriere zu kombinieren. Wobei ich viel über die Frauen nachdenke, die es viel schwerer haben als ich: die tagsüber arbeiten, dann heimgehen und ihre Kinder erziehen. Und die zwischendurch noch putzen, einkaufen, Besorgungen machen müssen. Diese Frauen, die das alles ohne Haushaltshilfe und Kindermädchen schaffen, das sind doch die wahren Superfrauen. Nicht ich, die immer Hilfe hatte.

Album „Love Songs“ (Universal)

Sängerin, Model, Schauspielerin
Mit „Joe Le Taxi“ feierte die Französin 1987 ihren musikalischen Durchbruch. Einen Namen machte sich Vanessa Chantal Paradis (* 22. Dezember 1972 in Saint-Maur-des-Fossés) auch als Model und Filmschauspielerin. Bis 2012 war sie mit dem Schauspieler Johnny Depp zusammen, mit dem sie zwei Kinder hat — Lily-Rose (14) und Jack (11). „Love Songs“ ist ihre 13. Platte.


• Online:
www.vanessaparadis.fr

Interview von Steffen Rüth