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Musik Whitesnake bringen neues Album „Flesh & Blood“ raus
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06:00 09.05.2019
Whitesnake-Sänger David Coverdale Quelle: Katarina Benzova
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Köln

David Coverdale begann seine musikalische Karriere 1973 als Sänger von Deep Purple, wo er Ian Gillan nachfolgte, der die Band verlassen hatte. Nach dem vorläufigen Ende der Band gründete Coverdale 1978 sein eigenes Projekt Whitesnake, mit dem er seitdem zwölf Studioalben veröffentlicht hat – zuletzt 2015 „The Purple Album“, ein Rückblick auf den Beginn seiner Karriere. Am Freitag erscheint nun mit „Flesh & Blood“ das neueste Werk der britischen Hardrocker.

Zuletzt sind Sie im Sommer 2016 in Deutschland aufgetreten. Was ist seitdem passiert?

Oh, eine ganze Menge. Ich leide seit etwa zehn Jahren an Arthrose, bekomme eine Menge Medikamente und Spritzen gegen die Schmerzen. Das war so, als würde man ein Pflaster auf eine ernsthafte Verletzung kleben. Und 2016 hörte das alles auf zu wirken, da rieb Knochen auf Knochen. Ich würde wohl inzwischen im Rollstuhl sitzen, wenn ich nicht 2017 zwei künstliche Knie bekommen hätte. Und dann kamen meine Leute auf mich zu und meinten, es wäre Zeit, an neuem Original-Whitesnake-Material zu arbeiten. Um die Frage zu beantworten: 2017 war wohl das arbeitsreichste Jahr in meiner mehr als 40-jährigen Karriere. Wir haben 18 neue Songs geschrieben, haben das Video zu „Shut up and kiss me“ gedreht, haben eine Jubiläums-Box vom Album „Whitesnake ’87“ gemacht, wir haben die Purple-Tour-2015-DVD fertiggestellt und dann auch noch an einer 35-Jahre-Jubiläumsedition von „Slide it in“ gearbeitet. Und dann bin ich auch noch umgezogen. Also doch – es war viel los.

Whitesnake - Flesh & Blood Quelle: Whitesnake

Was ist Ihre Verbindung zu Deutschland?

Meine Tochter und meine drei Enkel. Zwei wundervolle Mädchen und ein kleiner Enkelsohn, den ich bislang nur über Facetime kenne. Sie leben in Süddeutschland. Ich habe eine enge Verbindung zu Deutschland. Ich habe einige Jahre in Deutschland gelebt und mich in das Land verliebt. Man bekommt ja doch mehr von einem Land mit, wenn man tatsächlich dort lebt, als wenn man nur auf Tour geht. Man erlebt eine ganz andere Zeit – und dabei habe ich auch meine erste Frau kennengelernt und außerdem einen schönen europäischen Lebensstil, den ich bis dahin noch nicht kannte, denn ich komme ja aus Nordengland. (lacht)

Was war in Ihrem Leben ihr frühester Kontakt mit Musik?

Oh, mein Gott, das ist schwer. Die ersten fünf Jahre meines Lebens habe ich bei meiner Großmutter mütterlicherseits und ihrer Familie verbracht, meine Eltern waren Fabrikarbeiter. Und ich hatte Onkel Eddie und Tante Sylvia im Teenager-Alter. Und die haben ihr Taschengeld für Singles ausgegeben, die wir auf einem alten Grammophon gehört haben. Das war so ein richtiges Möbelstück im Wohnzimmer. Und so kam ich mit Little Richard und Elvis Presley in Kontakt. Und meine wundervolle Tante hat mich wirklich intensiv an diese Musik rangeführt, weil sie gemerkt hat, was es mir bedeutet. „Long tall Sally“ und „Jailhouse Rock“ sind höchst inspirierende Songs für mich gewesen. Diese Songs brauche ich, wie die Luft zum Atmen. Bis heute gehören Lieder von Elvis, Little Richard und Chuck Berry zu meiner Aufwärm-Playlist in meiner Garderobe. Sie haben mein Leben verändert, als ich ungefähr sieben Jahre alt war. „Jailhouse Rock“ hat mich übrigens Jahrzehnte später zum Anfang von „Still of the Night“ inspiriert – diese großen Akkorde zu Beginn und die kraftvolle Antwort mit Gesang.

In Ihrer Karriere hat sich Ihre Frisur niemals verändert – gilt das auch für Ihre Musik?

(lacht laut und herzlich) Oh, ich weiß nicht. Ich versuche, mit allem, was ich tue, immer besser zu werden. In meiner Zeit bei Deep Purple hatte ich nur bedingt Raum für Kreativität, allerdings schätze ich sie noch heute als wunderbare Erinnerung. Jetzt bedenke ich beim Schreiben und arrangieren alle Details. Passt dieses für Tommy Aldridge am Schlagzeug? Passt jenes für Michael Devin am Bass oder Michele Luppi an den Keyboards? Also, ich gucke, mit wem ich zusammenarbeite. Wir alle wollen als Musiker und Künstler und auch gemeinsam als Whitesnake wachsen. Seit ich Deep Purple verlassen hatte, war es immer mein Traum, alle musikalischen Elemente – auch klassische – in einer Rockband zusammen zu bringen. Jemand, der mich dabei immer inspiriert hat und den ich auch heute noch als Muse betrachte, ist Jimi Hendrix. Er hat Soul, Blues, Pop und großartige surreale Texte zusammen gebracht. Und er mochte Bob Dylan. Und diese Poesie, die lyrischen Bilder, die Jimi Hendrix in seine Arbeit eingebaut hat, sind etwas, das ich schon immer unter dem kreativen Schirm von Whitesnake haben wollte. Ich wollte Hard Rock, R&B, Soul, Balladen und Gefühle aufführen, mit denen sich Menschen identifizieren können. Und die musikalischen Wurzeln der neuen Stücke auf „Flesh & Blood" gehen oft zurück auf das allererste Whitesnake-Album „Trouble“. Zum Beispiel „Always and forever“ ist verwandt mit „Time is right for Love“, „Get up“ ist ähnlich wie „Don’t mess with me“. Es sind keine Kopien, aber es sind diese musikalischen Strukturen, die ich einfach liebe. Allerdings muss ich Dir sagen, dass ich 1997 meine Haare doch mal kurz geschnitten habe. Damals hatte mein kleiner Sohn ungefähr 20 Zentimeter von Daddys Haaren in den Mund genommen und verschluckt, da dachte ich, es wäre vielleicht mal Zeit, sie zu abschneiden. Aber es stimmt schon – eigentlich hatte ich fast immer lange Haare und ich bin auch ganz gut gesegnet damit. Sie wachsen noch immer und sind alle meine eigenen.

Wie entstehen die Songs? Schreiben Sie die alle selbst? Oder gemeinsam mit der Band?

Bei meinen drei Deep-Purple-Alben waren Ritchie Blackmore und ich die Haupt-Songschreiber. Es ist wirklich toll, dass sie mir damals diese Tür geöffnet haben. Ritchie und ich haben das meiste von den Alben „Burn“ und „Stormbringer“ geschrieben – zusammen mit Jon Lord. Und Deep Purple als Band erweckte dann diese Songs mit einer erstaunlichen Kraft zum Leben, machte sie so groß, wie sie heute sind. Und mein Schreibprozess ist heute noch ähnlich. Ich setze mich nicht hin und versuche ein Liebeslied zu schreiben – es passiert mir einfach. Es hat sich herausgestellt, dass das nun mal mein Ding ist, also wehre ich mich auch nicht dagegen. Ich kann keine Lieder über Bäume schreiben. Ich mag sie, habe auch viele zu Hause, aber sie inspirieren mich nicht zu Songtexten. Die Liebe tut das immer wieder. Ich gucke dann, mit welchen Bandmitgliedern ich eine musikalische Konversation führen kann. Bei „Flesh & Blood“ habe ich etwa die Hälfte der Songs mit Reb Beach und die andere mit Joel Hoekstra zusammen geschrieben. Und zum ersten Mal seit den Anfängen von Whitesnake haben wir ein paar Songs zu dritt geschrieben. „Trouble is your Middle Name“ ist einer davon. Ich spiele übrigens viel mehr Gitarre und Klavier, als die Leute mitbekommen. Die meisten Lieder entstehen als Akustik-Versionen auf meiner Gitarre. Ich stelle es mir dann vor, wie es mit Schlagzeug und den großen Gitarren klingen wird. Und ich habe ganz großartige Sänger in meiner Band. Reb Beach und Michael Devin singen großartig, könnten selbst Leadsänger sein. Und Michele Luppi ist Musiklehrer und hat verschiedene Projekte, bei denen er der Leadsänger ist. Und unsere Stimmen harmonieren hervorragend und wir konnten die Whitesnake-Struktur ein bisschen ausweiten.

Whitesnake (v.l.): Michael Devin (Bass), Joel Hoekstra (Gitarre), David Coverdale (Gesang), Reb Beach (Gitarre), Michele Luppi (Keyboards) und Tommy Aldridge (Schlagzeug) Quelle: Katarina Benzova

Was gibt es vom neuen Album live zu hören?

Ich hoffe wirklich, dass wir etwa fünf von den neuen Songs in die kommenden Shows einbauen können. Aber vielleicht werden es auch nur vier, denn wir feiern ja auch den 35. Jahrestag von „Slide it in“. Außerdem den 30. von „Slip of the Tongue“. Und mindestens die Hälfte werden natürlich die Songs sein, die unsere Fans hören wollen. Wenn ich nicht „Here I go again“ und „Is this Love“ spiele, bekomme ich sicher anständigen Ärger. Also, wir werden eine Balance finden, so dass meine Musiker sich individuell und wir uns als Gruppe präsentieren können. Es wird ein Set sein, dass ich stressfrei spielen kann.

Und wieso gibt es nur einen Gig in Deutschland – am 7. Juli in Köln?

Da bin ich selbst erstaunt und meine Tochter findet das auch gar nicht gut. Das hat allerdings nichts mit der Band zu tun. Letztes Jahr haben wir einen Testlauf für meine neuen Knie mit einer kurzen US-Tour mit meinen Freunden von Foreigner gemacht. Das war eine große Herausforderung, denn ich bin nicht der Typ Künstler, der auf der Bühne still steht. Meine Auftritte sind sehr körperlich, ich muss mit der Musik mitgehen. Und zum Glück klappte alles, also konnte ich meiner Konzertagentur sagen – hey, ich habe ein neues Album, eine neue Single, ein neues Video, wir können damit auf Tour gehen. Und dann ist es so, dass die ersten Leute, die auf einen zukommen, auch die sind, mit denen man die Verträge eingeht. Und so ist es eben diesmal nur ein Auftritt in Deutschland, aber ich hoffe sehr – und plane das auch – dass wir 2020 noch mehr Konzerte spielen und dann vielleicht auch noch öfter in Deutschland sind.

Das Album wird es als Vinyl, CD und Download geben...

Ja, das ist eine Verkaufsstrategie, die viele haben. Ich kenne auch eine Menge Leute, die weiterhin gern eine physische Version in der Hand halten. Aber ich habe auch junge Menschen in meinem Team, die mir helfen, Sachen wie Instagram zu begreifen, damit wir Whitesnake bestmöglich präsentieren können. Mein Sohn hat bestimmt noch nie eine CD gekauft, sein Telefon ist seine Jukebox. Er lädt sich die Musik direkt da rein. Wir haben extra Mastering-Techniken für die Digital-Kunden. Aber gleichzeitig produzieren wir auch 180-Gramm-Platten für die beste Vinyl-Qualität, die auch die Berliner Philharmoniker verwenden. Witzig ist übrigens, dass bei meinem ersten Gespräch mit der Plattenfirma Frontiers in meinem Studio auch die Idee aufkam, eine limitierte Edition auf Kassetten zu veröffentlichen. Also, ein Kassetten-Deck habe ich persönlich nur noch für Archiv-Zwecke.

Was halten Sie vom Streaming?

Das ist ein Dilemma. Die neuen Verträge der Plattenfirmen mit Spotify sehen Streaming als Promotion an, was ich für unglaublich falsch halte. Das nutzt auf eine erschreckende Weise die Arbeit von kreativen Menschen aus, dass es für mich unbeschreiblich ist. Ich will mit solchen Leuten nicht zusammen arbeiten. Ich sortiere in meinem Leben immer all die Leute aus, von denen ich glaube, dass sie nicht fair mit mir umgehen. Natürlich sind Plattformen, wie Youtube, eine schöne Sache, um Promotion zu betreiben. Aber als Künstler bekommt man da nicht die finanzielle Anerkennung, wie etwa im Radio oder Fernsehen und bei der Verwendung in Filmen. Ich verfolge auch die Europäischen Gerichte, die zumindest bei Google und Youtube eine Erklärung einfordern, warum sie nicht ihre Einnahmen verteilen, die sie mit dem Inhalt kreativer Menschen erzielen. Es ist doch genug für alle da. Aber das ist, wie überall im Leben – offenbar ist alles von Gier getrieben.

Whitesnake – Band mit wechselnder Besetzung

Whitesnake drehte sich von Anbeginn um Frontsänger und Gründer David Coverdale. Viele namhafte Musiker spielten seit 1978 in der Band, darunter die Deep-Purple-Mitglieder Jon Lord, Ian Paice, Don Airey und Roger Glover (als Produzent), die Gitarristen Micky Moody, Bernie Marsden, Vivian Campbell und Doug Aldrich sowie Schlagzeuger Cozy Powell.

Aktuell hat Coverdale die Gitarristen Reb Beach und Joel Hoekstra, Bassist Michael Devin, Schlagzeuger Tommy Aldridge sowie Michele Luppi am Keyboard an seiner Seite.

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