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Heinz Rudolf Kunze in Rostock. Quelle: Thorsten Czarkowski
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Rostock

Heinz Rudolf Kunze ist an einem Wintertag nach Rostock gekommen. Höflich und verbindlich ist er im Interview, ein Star ohne Allüren. Und das Thema ist nicht nur sein neuestes Album, mit dem er jetzt auf Tour ist, Kunze spricht auch über die eigene Biografie, die Popmusik im Allgemeinen, schließlich auch über die großen weltbewegenden Themen von heute.

Immerhin hat Heinz Rudolf Kunze jetzt schon Dutzende Werke veröffentlicht. „Schöne Grüße vom Schicksal“ heißt die neueste CD, sie steht in einer langen Reihe von Albumveröffentlichungen. Seit dem 37 Jahren brachte Heinz Rudolf Kunze fast jährlich eine Platte auf den Markt, das ist in heutigen Zeiten nicht gerade branchenüblich. Die Themen gehen ihm jedenfalls nicht aus, die musikalischen Einfälle auch nicht.

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„Meine erste musikalische Erfahrung war wohl, als mir meine Mutter ,Heidschi Bumbeitschi’ vorgesungen hat“, meint Kunze heute über seine ersten Erfahrungen mit der Musik. Später wurde das Radio seine Inspirationsquelle. Zuerst waren noch Schlager von Vico Torriani oder Peter Alexander zu hören, später entdeckte der 1956 Geborene die damals neuen Bands, die Beatles, The Who oder Yes. Ganz klar ist für ihn im Rückblick: „Die Siebziger waren musikalisch das beste Jahrzehnt überhaupt.“ Das gilt übrigens auch für die Radiokultur; der im NDR-Sendegebiet aufgewachsene Kunze preist heute noch die Sendungen und Moderatoren von NDR 2 damals, die mit eigener Musikauswahl und Kenntnisreichtum die Hörer beeindruckten.

Die eigenen Lieder kamen bei Heinz Rudolf Kunze aber erst, als die Siebziger schon vorbei waren. Dabei hatte sich der in Osnabrück aufgewachsene Musiker eigentlich auf eine andere Karriere eingerichtet. Er studierte Germanistik und Philosophie, veröffentlichte auch eigene Lyrik. Das Musikmachen kam eher so nebenbei dazu. Seine Karriere war von „Zufällen und Glück“ bestimmt, meint Kunze heute. „Wenn es mit der Musik nicht geklappt hätte, dann wäre ich eben an der Uni in Osnabrück geblieben“, sagt er rückblickend. Aber als er 1980 bei einem Talentwettbewerb in Würzburg den ersten Preis der Deutschen Phono-Akademie gewann, kam etwas anderes ins Rollen. Dies führte schließlich zum ersten Plattenvertrag, der über einen Zeitraum von fünf Jahren abgeschlossen wurde. Kunzes erste LP kam 1981 heraus. Das war „Reine Nervensache“, womit der Musiker in die gerade angelaufene Neue Deutsche Welle hineingeriet, in die er eigentlich nicht hineinpasste, sich aber Vorreiter des Deutschrock beweisen konnte.

Der Zeitpunkt aber, als ihm endgültig klar wurde, dass das Musikmachen eine längerfristige Angelegenheit ist, kam erst nach vier Jahren Karriere. Das war 1985. Damals hatte Heinz Rudolf Kunze seinen größten Hit: „Dein ist mein ganzes Herz“ ist heute ein Klassiker, ohne den er nicht mehr von der Bühne gehen kann. „Erst dann wurde mir klar, dass das wohl mein Beruf ist“, sagt Kunze heute. Ab dann gewann der Musiker auch an Sicherheit, mit schöner Regelmäßigkeit lieferte er Album um Album, ist nebenbei auch als Librettist und Buchautor erfolgreich. Inzwischen ist Heinz Rudolf Kunze 62 und lebt in Hannover.

Wie sich die Welt in den letzten Jahren verändert hat, das bewegt natürlich auch den Musiker. Der wachsende Erfolg der europäischen Rechtspopulisten macht ihm Sorgen, Trump sowieso. Ein bisschen ratlos wirkt Heinz Rudolf Kunze schon bei alledem. „Was kann ich tun? Auf der Bühne stehen und mich für die Demokratie stark machen“, sagt er. Klar ist ihm aber auch, dass er in dem Publikum, das in seine Konzerte kommt, niemanden von der Demokratie überzeugen muss. Aber Heinz Rudolf Kunze will als ein engagierter Demokrat und Künstler weiterhin Flagge zeigen für seine Überzeugungen, wenn er auf der Bühne steht oder die Öffentlichkeit anderweitig erreichen kann.

Aber die verrückte Welt dreht sich weiter, auch musikalisch geht es für Heinz Rudolf Kunze weiter. Schon sind die nächsten Songs im Kopf fertig. Wenn Ende Februar in Hamburg die aktuelle Tour endet, geht’s gleich an das nächste Plattenproduktion.

Heinz Rudolf Kunze ist auf „Schöne Grüße vom Schicksal Tournee 2019“, in Rostock am 23. Februar um 20 Uhr im „Moya“. Karten ab 48,05 Euro in allen OZ-Service-Centern, oder unter Tel. 0381/38303017.

Thorsten Czarkowski