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Kultur Rammstein und das Spiel mit dem Feuer
Nachrichten Kultur Rammstein und das Spiel mit dem Feuer
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19:54 14.05.2019
„Ein Mensch brennt“: Rammstein-Sänger Till Lindemann. Quelle: Hubert Boes/dpa
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Berlin

Den Namen Shock Rock findet Till Lindemann, Sänger der Band Rammstein, albern. „Das hört sich so nach Halloween an“, sagt er in der Dokumentation „Metal Evolution: Shock Rock“. Ob ihm der Begriff gefällt oder nicht, seine Band steht in einer langen Tradition von Künstlern, die buchstäblich Theater machen, die versuchen, ihr Publikum durch Tabubrüche, Horrorfantasien, extreme Härte, exzentrische Auftritte oder Spezialeffekte zu erschrecken, zu erschüttern, aufzurütteln, vielleicht auch zum Nachdenken zu bewegen.

Der lukrative Nebeneffekt dieser Schockstrategie: Sie erregt besonders viel Aufmerksamkeit und bringt so kostenlose PR, weil viele Medien darüber berichten – von fasziniert bis angewidert.

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Rammstein-Konzerte sind ein pyrotechnisches Spektakel

Das Etikett „Parental Advisory“, die Warnung für Erziehungsberechtigte vor heiklen Inhalten, hat meist die gegenteilige Wirkung. Sie fördert den Verkauf. So gab es nach Erscheinen des vorletzten, sechsten Rammstein-Albums „Liebe ist für alle da“ im Jahr 2009 die kuriose Situation, dass das Album gleichzeitig auf Platz eins der deutschen Charts und auf dem Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien stand.

Die Heavy-Metal-Spielart Shock Rock hat eine lange Tradition. Hier eine Reihe von Künstlern, bei denen sich Rammstein ein paar Tricks abgeguckt haben könnten.

Rammstein-Konzerte sind ein pyrotechnisches Spektakel. Lindemann erinnert dabei bisweilen an einen Performance-Künstler, der Schmerzen nachfühlbar machen will, indem er sich selbst verletzt. Wenn Lindemann in der Vergangenheit „Rammstein – ein Mensch brennt“ sang, zündete er sich tatsächlich selbst an, geschützt von einem feuerfesten Asbestmantel.

Die Grenzen der Tabus verschieben sich

Im Laufe der Jahre haben sich die Grenzen, die der Tabus, aber auch des technisch Machbaren, verschoben. Rammstein bietet heute die ausgefeilteste Show, das Spiel mit dem Feuer hat die Band aber nicht erfunden.

„Fire“ sang der Brite Arthur Brown 1968. „Ich bin der Gott des Höllenfeuers, und ich bringe dir Feuer (…) ich will dich brennen sehen.“ Bei Auftritten und im Promovideo trug er einen brennenden Helm. Ende der Sechziger war diese Performance für das Publikum genauso herausfordernd wie mehrere Auftritte von Jimi Hendrix im Jahr 1967, unter anderem beim Monterey Pop Festival, wo er auf seine Knie sank, seine wie vor Schmerz stöhnende Gitarre mit Feuerzeugbenzin übergoss und anzündete. Vorbild für alle pyromanischen Schockrocker dürfte Screamin‘ Jay Hawkins („I Put a Spell On You“) gewesen sein, der sich bereits in den Fünfzigerjahren im brennenden Sarg auf die Bühne tragen ließ.

Alice Cooper war ein Horror für alle Eltern

Wie Rammstein heute erreichte Alice Cooper schon in den Siebzigern durch provokante Texte und theatralische Auftritte ein Massenpublikum. Dass er mit einer lebendigen Boa-Schlange hantierte, war noch vergleichsweise harmlos. Als Höhepunkt der Show simulierte er seine eigene Hinrichtung. Für Eltern ein Horror.

Das Publikum gewöhnte sich an Coopers Masche. Zunächst spielte er Nebenrollen in Horrorfilmen, zum Beispiel Freddy Kruegers Vater in „Nightmare on Elm Street 6“, schon bald aber trat er als Gast in der Muppet-Show auf. Cooper hat viele Nachfolger inspiriert: alle, die mit Kunstblut spritzen wie die monsterhaften Gwar. Alle, die Masken tragen wie der Bibelzerfetzer Marilyn Manson, und alle, die auf beides setzen wie Kiss. Befeuert von effekthaschenden Konzerten haben die eher mittelmäßig talentierten Musiker aus New York mehr als 100 Millionen Alben verkauft. Für Rammstein sind Kiss Pyroidole.

Die Maske als Selbstschutz

Bei Auftritten seiner Band Slipknot trägt der Percussionist Shawn Crahan eine Clownsmaske. Indem er diese sehr gefährlich, sehr brutal wirkende Musik mache, lebe er seine eigene Angst, seine eigene Wut aus, erzählt er in der Shock-Rock-Dokumentation. „Ich setze die Maske auf, weil ich nicht möchte, dass die Menschen meinen wahren Schmerz sehen.“ Bei manchen Songs prügelt er mit einem Baseballschläger auf seine Trommeln ein.

Elvis Presley, würde er heute noch leben, würde sich vermutlich wundern über den Aufwand, den manche Musiker betreiben, um wahrgenommen zu werden. Um eine ganze Elterngeneration zu erschrecken, musste er bloß mit der Hüfte zucken.

Von Mathias Begalke/RND

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