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00:00 16.06.2018
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Greifswald/Putbus/Sassnitz

Wenn Hiroyuki Masuyama an einem jener Orte steht, an dem Caspar David Friedrich schon vor 200 Jahren seine Skizzen zeichnete, fühlt er noch heute eine tiefe Verbindung zu dem Künstler. „Wenn ich dann noch eine ähnliche Wolke oder einen ähnlichen Vogel entdecke, wie auf seinem Bild, ist es ein richtiger Gänsehautmoment“, sagt der 49-Jährige.

Mit digitalen Fotomontagen holt Hiroyuki Masuyama die Motive Caspar David Friedrichs ins Heute

200 Jahre nach der Hochzeitsreise Caspar David Friedrichs mit seiner Frau Caroline, auf der zahlreiche Arbeiten entstanden sind – darunter auch der bekannte „Kreidefelsen auf Rügen“ –, hat sich Masuyama auf die Spuren des Romantikers begeben. An drei Standorten werden seit dieser Woche Arbeiten des Künstlers gezeigt, im Pommerschen Landesmuseum Greifswald, in der Galerie Circus Eins in Putbus und im Nationalpark-Zentrum Königsstuhl in Sassnitz.

Es war die deutsche Landschaft, die Masuyama vor rund zehn Jahren auf die Idee brachte, sich mit Caspar David Friedrich zu beschäftigen. „Ich habe mir den blauen Himmel angeschaut und mich gefragt, ob sich die Farbe im Laufe der Jahrhunderte geändert hat“, sagt er. Wenn er dann einen jener seltenen Caspar-David-Friedrich- Momente erlebt, weiß er: „Die Natur funktioniert immer noch genauso wie damals.“ „Das Gedächtnis der Orte“ nennt es der Künstler selbst.

Seit 2007 beschäftigt sich der japanische Künstler, der seit mehr als 20 Jahren in Deutschland lebt, mit Motiven des berühmten Romantikers, nutzt dessen Gemälde als Vorlagen für seine digitalen Fotomontagen. Aus Hunderten von Aufnahmen komponiert er seine Bilder, die denen des Romantikers zum Verwechseln ähnlich sehen. Zumindest auf den ersten Blick. Bei genauerem Hinsehen entdeckt der Betrachter zeitgenössische Spuren, die von winzigen Details bis hin zu einer modernen Neuinterpretation reichen.

In seiner Arbeit „Der Greifswalder Markt mit der Familie Friedrich“ (2018), die auf das Original von Caspar David Friedrich (1818) zurückgeht und seit Mittwoch erstmals gemeinsam mit dem Original im Pommerschen Landesmuseum gezeigt wird, hat er die Pferdekutsche kurzerhand durch einen modernen Lieferwagen ersetzt.

Als Akteure posierten Greifswalder Bürger, die der Künstler am 2. Mai zu einem Fotoshooting eingeladen hatte. Das Werk ist eines der seltenen Bilder Caspar David Friedrichs, auf dem nicht die Natur, sondern die Menschen im Mittelpunkt stehen. Um dieselbe Perspektive zu bekommen wie auf dem Originalbild, nutzte Masuyama ein Weitwinkelobjektiv.

Auch auf seinem Bild „Kreidefelsen auf Rügen“ (2016), das heute am Nationalpark-Zentrum Königsstuhl präsentiert wird, entdeckt man bei genauem Hinsehen, dass Masuyama selbst mit Ehefrau und Sohn als Akteur fungiert. „Die Bilder sollen keine reinen Reproduktionen sein. Es ist immer eine Kleinigkeit anders“, sagt Masuyama. „Unperfekt ist in diesem Fall gut.“

Die Details dafür findet der Künstler an den verschiedensten Orten. So wie bei seiner Interpretation des verschollenen Gemäldes „Landschaft mit Regenbogen“. „Die Schafherde ist aus Weimar, der Regenbogen aus Düsseldorf“, verrät der Foto-Künstler. Rund 20 Arbeiten, die zum Teil erstmals gezeigt werden, sind in seiner Schau in Putbus zu sehen. Für die Arbeit „Auf dem Segler“ posierte ebenfalls ein von Masuyama ausgewähltes Hochzeitspaar.

Um seine digitalen Fotografien ins rechte Licht zu rücken, nutzt der Künstler Lichtkästen, die mit LED-Leuchten ausgestattet sind. „Würde Caspar David Friedrich heute leben, würde er das sicher auch tun. Schließlich hat er sein Leben lang mit dem Licht experimentiert“, sagt Kuratorin Susanne Burmester vom Circus Eins.

„Mein Ziel ist es, neue Techniken mit Motiven der Romantiker zu kombinieren und daraus neue Kunstwerke zu schaffen“, sagt Masuyama. Mit seinen Arbeiten schlägt er nicht nur eine Brücke zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, sondern arbeitet sich auch an existenziellen Fragen wie Zeit, Raum und Wiederkehr ab. Die Kunst sei für ihn auch ein Prozess, um mehr über sich zu erfahren.

„Während Caspar David Friedrich die Natur als Spiegel menschlicher Empfindungen sah, ist der Künstler nun selbst für mich zu einem Spiegel meiner Seele geworden“, sagt Masuyama.

Trotzdem sei die Auseinandersetzung mit dem Werk des Romantikers jedes Mal aufs Neue eine künstlerische Herausforderung für den Düsseldorfer. „Aber solange es schwierig ist, bleibt es interessant“, sagt Masuyama bescheiden. „Das ist ähnlich wie bei einem Zen-Meister, da heißt es üben, üben, üben.“

Ausstellungen zum Thema „200 Jahre Hochzeitsreise Caspar David Friedrich“

14. Juni bis 31. August: Kabinettausstellung mit Hiroyuki Masuyamas „Der Greifswalder Markt mit der Familie Friedrich 1818“ im Pommerschen Landesmuseum Greifswald, geöffnet dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr 16. Juni, 12 Uhr: Ausstellungseröffnung „Hiroyuki Masuyama – 1818 | 2018“, Fotografische Arbeiten zu Caspar David Friedrich, Nationalpark-Zentrum Königsstuhl auf Rügen 17. Juni bis 31. August: Bildpräsentation „Kreidefelsen auf Rügen“, Nationalpark-Zentrum Königsstuhl auf Rügen, Ausstellung täglich von 9 bis 19 Uhr 16. Juni, 17 Uhr: Ausstellungseröffnung „Hiroyuki Masuyama – 1818 | 2018“, Fotografische Arbeiten zu Caspar David Friedrich, Galerie Circus Eins in Putbus auf Rügen 17. Juni bis 26. August: Ausstellung mit 20 Werken von Hiroyuki Masuyama nach Caspar David Friedrich, Galerie Circus Eins in Putbus auf Rügen, täglich von 11 bis 17 Uhr

Stefanie Büssing und Thorsten Czarkowski

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