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Kultur Rostocker „Experiment Zukunft“ in der Kunsthalle
Nachrichten Kultur Rostocker „Experiment Zukunft“ in der Kunsthalle
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14:05 18.03.2019
Kunsthalle Rostock Ausstellung Experiment Zukunft Kunsthallenchef Jörg-Uwe Neumann und Kuratorin Susanne Jaschko Quelle: Dietmar Lilienthal
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Rostock

Was ist Erinnerung? Woher kommt sie, wie wird sie transportiert?

Wie funktioniert Kommunikation? Welche minimalen Faktoren beeinflussen sie zwischen zwei oder mehreren Menschen?

Was ist Zukunft, was Vergangenheit? Wie kommt das Wissen in die Zukunft und wo kommt es her? Nach welchen Kriterien wird entschieden, welches Wissen weitergegeben wird?

Die Zeitung von heute ist das gestern von morgen. Oder, wie die Kuratorin Dr. Susanne Jaschko des „Experiments Zukunft“ in und an der Rostocker Kunsthalle, sagt: „Das hier ist der Blick in die Zukunft jetzt. In zehn Jahren wird der Blick in die Zukunft ein ganz anderer sein.“ Aber welcher?

Kolaborationen von Künstlern und Wissenschaftlern mehrere Fakultäten

Das, was in der Rostocker Kunsthalle geschieht, als Ausstellung zu bezeichnen, wird dem „Projekt Zukunft“ nicht gerecht. Dafür ist das alles viel zu komplex. Zum 600. Geburtstag der Rostocker Universität hat sich die Uni unter programmatischer Leitung von Susanne Jaschko mit dem Asta-Zukunftscampus und mehreren Fakultäten auf die Kunst eingelassen. Hier treffen Künstler auf Wissenschaftler. Entstanden sind 18 ambitionierte Kunstprojekte, die ab 24. März gezeigt werden. Das Projekt läuft bis 5. Mai und jeder Besucher ist aufgefordert, sich einzulassen. Nur durchgehen, anschauen, fertig, wird nicht genügen. Um den Besuchern eine Hilfestellung zu geben, hat das Team eine Zeitung editiert, die jeder in der Schau tragen und zur Information nutzen kann. Die Form dieses Mediums, das in einer im digitalen Transformationsprozess stehenden Gesellschaft als alt und aussterbend empfunden wird, ist bewusst gewählt.

In der Mitte in der ersten Etage steht eine Wippe mit sieben Sitzen. „Informed Desire“ von Jenny Brockmann aus Berlin heißt das Projekt, dessen Titel sich nur schwerlich übersetzen lässt. „Fundierter Wunsch“ als wörtliche Übersetzung trifft es nur oberflächlich. Brockmann hat in Kooperation mit der Interdisziplinären Fakultät sieben Wissenschaftler der Uni befragt, wo in ihrem Fachbereich unsicheres Wissen auftaucht. Die Forscher wurden auf der Wippe sitzend befragt, auf der jede minimale Positionsveränderung einer Person Auswirkungen auf jeden Einzelnen und das Gleichgewicht des Gesamtsystems hat. Dieser Prozess wurde gefilmt, das Video läuft neben der Wippe und auf schwarzem Karton hat Brockmann eine Kartographierung dieser Ideen festgehalten. Alles auf Englisch – der weltweiten Wissenschaftssprache. Besucher sind aufgefordert, auf der Wippe Platz zu nehmen und ins Gespräch zu kommen. „Im Idealfall zum Thema Zukunft“, sagt Jaschko zu der Arbeit, in der es um die Unsicherheit von Wissen und unsere Sehnsucht nach Sicherheit geht. Auf der Wippe sitzend stellt sich automatisch die Frage – so man sich auf dieses Experiment einlässt: Welche Faktoren führen dazu, dass meine Zukunft wie wird.

Zeichnerinnen als Zeitreisende

Die Ausstellung will nicht Exponate vorführen. „In dieser Ausstellung steckt auch der Versuch, die Prozesse, die zu Exponaten führen, sichtbar zu machen.“ Wer das ablehnt ist aus diesem Kommunikationsprozess raus. Alles intellektuell, alles äußerst ambitioniert. Neben „Informed Desire“ hängt das Exponat „Zeitmaschine Zeichnung“ der Künstlerin Juliane Laitzsch aus Nordwestmecklenburg, 2017 Teilnehmerin der OZ-Kunstbörse, und der Wissenschaftlerin Anja Karlsen vom Rostocker Institut für Archäologie. Die Zeichnerinnen haben sich graphisch dem Komplex Archivierung, Digitalisierung, Wissenstransformation gewidmet. Laitzsch arbeitet ihre Prozesse an textilen Fragmenten ägyptischer Mumifizierungen ab, Karlsen an der Skizzierung von Relikten des Gräberfelds im niedersächsischen Nienbüttel aus der römischen Kaiserzeit. Jaschko: „Beide Zeichnerinnen sehen sich als Zeitreisende, weil sie sich in die Vergangenheit begeben und, einmal subjektiv, einmal dokumentarisch, aufzeichnen und in die Zukunft transformieren.“

Ebenso anspruchsvoll ist „Semina Aeternitatis“ („Samen der Ewigkeit“) von Margherita Pevere aus Helsinki und Dr. Mirela Alistar vom Rostocker Institut für Experimentelle Gentherapie und Tumorforschung (IEGT). Sie haben sich die Kindheitserinnerung einer Rostockerin erzählen lassen, in der es um den Opa der Erzählerin und ein Pferd geht. Der Text wurde transkribiert und mittels eines biotechnologischen Verfahrens in eine DNS übersetzt. Aus dieser wurde ein Bakterium gezüchtet, das kultiviert Zellulose produziert hat. Dieser Zellulosefilm liegt nun auf einem skelettiertem Pferdeschädel in einem Glaskasten und macht: ja was eigentlich?

Gute Frage! Diese Ausstellung stellt jede Menge davon. Wem das zu komplex oder gar albern ist, der kann sich gern anderen Dingen, einfacheren widmen. Diese Kunst und diese Wissenschaft dort deuten auch darauf, dass wir zunehmend in einer Gesellschaft leben, die alles, was ihr zu komplex oder unverständlich erscheint, als albern und unwichtig, in eine Nische stellt, in der sich Sonderbare tummeln. Das IEGT zum Beispiel ist so sonderbar, dass es mit seiner Forschung den Krebstod besiegen möchte. Als doch wieder nicht albern. Tja, so ist das im Leben – und in der Kunst. Nicht alles, was man nicht sieht, existiert nicht.

Veranstaltungen und Workshops

24. 3: Matinee „Kunst als Forschung“ von 11 bis 13 Uhr mit u.a. Dr. Susanne Jaschko. 29. 3: Themenabend „Zukunftsformen der Küstenlandschaft“ von 19 bis 21 Uhr mit Experten aus den Departmens Maritime Systeme. 3. 4: Koch-Experiment „Water Gas Kitchen“ ab 18 Uhr mit dem Künstler Nick Laessing. 19 bis 21 Uhr Themenabend „Energien für die Zukunft“ mit Laessing un Experten. 5. 4: Workshop „Sushi Roulette“ mit der Künstlerin Dr. Kat Austen (Präsentation 6. 4 ab 18 Uhr.) 11 bis 18 Uhr. 25. 4: Lange Nacht der Wissenschaft zum Thema Geruch von 18 bis 24 Uhr. 30. 4.: Themenabend „Hybride Zukunft – hybrider Mensch“ von 18 bis 19 Uhr. 3. 5: Physikalische Kollloqium „Void and Lihgt“ mit den Künstlerinnen Evelina Domnitch und Dmitry Gelfand. 4. 5.: Workshop „Digital Graffiti“ von 11 bis 19 Uhr.

Michael Meyer

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