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Kultur „Teens Konzerte“ in Rostock: So klingt Rapper Mauler mit Beethoven-Musik
Nachrichten Kultur

Rostocker Rapper Mauler mit Melodien von Beethoven

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09:31 23.01.2020
Gerappte Symphonien von Beethoven: der Rostocker Rapper Mauler bei den „Konzerten für Teens“ des Rostocker Volkstheaters mit der Norddeutschen Philharmonie in der Ospa-Arena. Quelle: Dietmar Lilienthal
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Rostock

Ludwig van Beethovens Symphonien als Rap – klingt schräg, aber passt. Das bewiesen am 22. Januar bei den „Konzerten für Teens“ in der Ospa-Arena die Norddeutsche Philharmonie Rostock, die Tanzcompagnie des Volkstheaters und die Rostocker Rapper-Größe Mauler, ehemals bekannt als Ostmaul, der unter anderem beim Marteria-Konzert im Ostseestadion mit auf der Bühne stand.

In der Ospa-Arena ist es still, als die ersten Klänge der 5. Symphonie von Beethoven erklingen. In seinem Jubiläumsjahr sind dem Komponisten die diesjährigen „Konzerte für Teens“ gewidmet, die das Volkstheater Rostock seit Jahren kostenlos für Schulen anbietet, um Jugendliche ab der fünften Klasse an klassische Musik heranzuführen. Rund 1000 Jugendliche aus verschiedenen Schulen sitzen im Halbdunkeln und lauschen.

Klassik mit Coolness-Faktor

Die ersten Töne dürften auch diejenigen kennen, die mit klassischer Musik nichts am Hut haben. Dass es kein gewöhnliches klassisches Konzert ist, merken die Kids spätestens, als plötzlich Rapper Mauler in die Halle kommt und anfängt, zu Beethovens 9. Symphonie seinen Song „Nichts passiert“ zu rappen, in dem er unter anderem die Waffenlobby und den Turbo-Kapitalismus anprangert.

Gesellschaftskritik untermalt von klassischer Musik oder Klassik mit Coolness-Faktor – auch wenn Beethoven (1770-1827) sich sicher gewundert hätte, gefallen hätte es ihm vielleicht auch.

Impressionen vom „Konzert für Teens“ aus der Ospa-Arena

„Wir haben überlegt, welche Symphonien geeignet wären, um darauf einen Rap zu machen“, sagt Dirigent Martin Hannus, 1. Kapellmeister des Volkstheaters und musikalischer Leiter der „Konzerte für Teens“, der gemeinsam mit Tino Bartos alias Mauler das Programm entwickelt hat.

„Die Texte gab es zum Teil schon vorher. Einiges habe ich aber umgedichtet“, verrät Bartos. Der kritische Text von „Nichts passiert“ habe gut zur 9. Symphonie gepasst. „Weil sie so dunkel ist“, sagt Bartos. „Nach der Strophe geht es auch musikalisch dramatisch weiter. Den Übergang fand ich gut, denn letztlich sind sowohl Rap wie auch Klassik eine Inszenierung.“

„Zwischen mir und Beethoven gibt es einige Parallelen“

Für seine Auftritte hat sich der 35-Jährige, der unter anderem die Musik für die Basketballer der Rostocker Seawolves geschrieben und seine ersten musikalischen Schritte gemeinsam mit Marteria gemacht hat, vorab intensiv mit dem Komponisten beschäftigt. „Ich habe mir viele Stunden seine Musik angehört und eine Doku über ihn geschaut“, verrät Bartos.

„Es war interessant, zu sehen, dass Beethoven ein Naturfan war. Ich bin auch ein totaler Naturfreak, da gab es einige Parallelen. Auch wenn er ein absolutes Genie ist und ich nur ein klitzekleiner Dichter“, sagt er und lacht. Auch im Auto höre der Rapper gern NDR Kultur. „Dabei kann ich am besten entspannen“, verrät er.

Eine klassische Ausbildung habe der Musiker leider nicht. „Hätte ich gewusst, dass ich mal so viel mit Musik zu tun habe, hätte ich mit Gitarre oder Klavier angefangen“, sagt er. „Stattdessen war ich ein normaler Rapper und kannte auch keinen aus der Szene, der ein Instrument gespielt hat.“ Damals sei man als Rapper eher außen vor gewesen und nicht wirklich als Musiker angesehen worden. „Heute, glaube ich, kann man sich dem Rap nicht mehr entziehen. Und dann schafft man es auch mal zu Beethoven und darf mit so wunderbaren Künstlern, wie der Norddeutschen Philharmonie, performen“, freut sich Bartos.

Die Arbeit eines Orchesters sei für ihn die Königsklasse der Musik. „Das ist vielen aus meiner Generation gar nicht bewusst. Aber ich bin dafür total dankbar und freue mich, dass ich so selbst noch etwas dazulernen konnte“, sagt Bartos, der auch als Musik-Dozent an Schulen unterwegs ist und beim Volkstheater-Projekt „Entdeckungen“ bereits mit Jugendlichen gearbeitet hat.

Junge Zuschauer mögen Mix aus Klassik und Rap

Auch bei den jungen Zuschauern kommt der Mix aus klassischer Musik, Rap und Tanz gut an. „Mir hat es sehr gut gefallen. Sowohl die Tänzer als auch die Kombi aus Rap und Klassik fand ich sehr kreativ“, sagt Marisa Schröder (13) aus Rostock. „Das spricht sicher auch Jugendliche an, die sonst mit Klassik nichts zu tun haben.“ Das bestätigt auch Paul Palluch. „Mir hat es gut gefallen, obwohl ich keine klassische Musik höre, außer bei meiner Omi“, sagt der Zwölfjährige. „Einige Lieder kannte ich sogar.“

Auch die lockere Moderation von Dirigent Martin Hannus, der nebenbei interessante Infos zum nicht immer leichten Leben des Komponisten vermittelt – zum Beispiel, dass dieser nachts von seinem betrunkenen Vater zum Klavierspiel gezwungen wurde oder seinen Neffen fast in den Selbstmord trieb. „Ich wusste vorher wenig über Beethoven und fand es spannend, etwas über ihn zu erfahren“, bestätigt auch die 13-jährige Jette Noack aus Rostock. Rund 6000 Elf- bis 19-Jährige besuchen die insgesamt sechs „Konzerte für Teens“ jedes Jahr.

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Von Stefanie Büssing

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