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Kultur Thalia-Buchhändlerin Röwekamp: „Lese 50 Bücher in einem halben Jahr“
Nachrichten Kultur Thalia-Buchhändlerin Röwekamp: „Lese 50 Bücher in einem halben Jahr“
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17:50 08.02.2019
Buchhändlerin Evelyn Röwekamp in der Thalia Universitätsbuchhandlung in Rostock. Quelle: Thorsten Czarkowski
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Rostock

„Buchhändler – in diesem Wort steckt eben beides drin, Buch und Händler“, zerlegt Evelyn Röwekamp ihre Berufsbezeichnung. Im Kern heißt das, dass die Branche eben beides im Blick haben muss: Die Liebe zum Buch und auch den dazugehörigen Geschäftssinn. Klar, Buchhändler wollen auch natürlich Bücher verkaufen.

Beides vereint sich hier, Evelyn Röwekamp arbeitet in der Thalia Universitätsbuchhandlung in der Breiten Straße in Rostock als Buchhändlerin. Die Filialleitung dort hat Olaf Mundt, Evelyn Röwekamp verantwortet die Sortimente Belletristik, Politik, Zeitgeschehen und Geschenkbuch. Und in dieser Eigenschaft ist sie auch in einem kleinen Gremium vertreten, das sich seit zehn Jahren in der Thalia-Zentrale trifft, die im nordrhein-westfälischen Hagen beheimatet ist. Im Sortimenter-Kreis – so lautet die interne Bezeichnung dieser Runde – soll herausgefunden werden, welche neuen Buchtitel große Chancen beim Lesepublikum haben. Dort werden die Spitzentitel festgelegt, die dann ins Thalia-Zentrallager kommen.

Was ist interessant? Was hat Verkaufspotenzial?

Zehn Buchhändler gehören dem Sortimenter-Kreis bei Thalia an, es gibt dabei unterschiedliche Genres, zum Beispiel Kinder- und Jugendliteratur oder Sachbuch. Evelyn Röwekamp ist in diesem Kreis zuständig für Belletristik. Die große Frage dabei: Was ist interessant, welche Neuerscheinungen sind nicht nur literarisch spannend, sondern haben auch ein größeres Verkaufspotenzial. „In der Vorbereitung komme ich dazu, auch mal Bücher zu lesen, die ich sonst nicht lesen würde“, sagt Evelyn Röwekamp. „Wir bekommen Vorab-Exemplare von den Verlagen, das ist alles dabei, von kleinen Verlagen wie Kein & Aber über Wagenbach bis Random House.“ Das heißt für Evelyn Röwekamp in der Vorbereitung, in einem halben Jahr ungefähr 50 Bücher zu lesen, auch außerhalb der eigenen literarischen Vorlieben. Das Ziel: Dann möglichst gezielt das Buchsortiment einzukaufen und den Kunden anzubieten.

Neugierde auf neue Literatur

Diese Arbeit trägt dann aber auch Früchte für den eigenen Lesegenuss. Evelyn Röwekamps Leseempfehlungen sind derzeit „The Hills“ vom norwegischen Schriftsteller Matias Faldbakken oder der Roman „1793“ von Niklas Natt och Dag aus Schweden. Immer wieder kommt etwas Spannendes auf den Markt, langweilig wird es in der Branche nicht. „Die Neugierde auf neue Bücher ist eine Grundvoraussetzung für den Beruf“, sagt Evelyn Röwekamp. 1957 im sächsischen Riesa geboren, kam sie 1961 mit ihren Eltern nach Rostock und strebte zunächst eine ganz andere Karriere an. Sie wollte Leistungsschwimmerin werden und ging auf die Kinder- und Jugendsportschule in Rostock. Doch dann wurde sie „aus Leistungsgründen aussortiert“, wie sie heute sagt. Also musste eine neue berufliche Perspektive her. „Als ich mit dem Sport aufgehört habe, habe ich angefangen zu lesen.“ Schließlich ging sie, auch angeregt durch ihren Vater, in den Buchhandel. Ihre Leidenschaft für Bücher war inzwischen völlig entbrannt. Dann folgte das ganze berufliche Programm, Lehre, Studium; ihr erster Arbeitsort war die Universitätsbuchhandlung in der Kröpeliner Straße in Rostock. Heute hat Evelyn Röwekamp das Sagen in der großen Thalia Universitätsbuchhandlung, die seit 2000 ihren Sitz in der Breiten Straße hat.

Bücher wurden schon oft totgesagt

Das Buch ist zwar längst kein Luxusgut mehr, aber die Leidenschaft der Leser lenkt Evelyn Röwekamp gerne auch auf die bibliophilen Ausgaben, die auch bei Thalia zahlreich zu finden sind. In den oft prächtig und liebevoll ausgestatteten Ausgaben von literarischen Klassikern werden aus Büchern kleine Kunstwerke. Und erfreulich ist dabei auch: Das bereits oft totgesagte Buch – und damit die Kulturtechnik des Lesens – hat eisern den anderen Medien getrotzt, dem Radio, dem Kino, dem Fernsehen und schließlich auch dem Internet.

Bei aller Kritik, die sie manchmal auch an Büchern zu formulieren hat: Evelyn Röwekamp kann nicht verstehen, dass Bücher durch Kritik praktisch vernichtet werden. Und ihre Kritik gilt niemals für die Leser. „Ich würde nie mein Urteil jemandem aufdrängen. Man muss auch jeden Leser ernst nehmen.“ Ein Beispiel: „Es ist nun mal, so dass manche Frauen in einem bestimmten Alter ,Fifty Shades of Grey’ lesen.“ Aber die so sogenannte Trivialliteratur ist manchmal eine Einstiegsdroge und weckt dann die Leidenschaft auf das Lesen. „Irgendwann stehen die Leser dann hier im Laden. Das war schon in den Zeiten von Hedwig Courths-Mahler so“, sagt sie. Die Literaturbegeisterung teilen natürlich auch ihre Kolleginnen. Denn: „Was wir hier empfehlen, das haben wir auch gelesen.“

Nachlese zur Leipziger Buchmesse

In den lebhaften Diskussionen im Sortimenter-Kreis wird unter den Kollegen auch viel Hintergrundwissen ausgetauscht, über Autoren zum Beispiel, oder über die Geschichte mancher Manuskripte. Von diesem Wissen kann Evelyn Röwekamp auch zehren, zum Beispiel, wenn es daran geht, die traditionelle Messe-Nachlese abzuhalten und damit ein interessiertes Publikum zu fesseln. „Das wäre ja sonst unnützes Wissen“, meint Evelyn Röwekamp. Und: „Dann kann ich auch meine persönlichen Lieblinge vorstellen.“ Die nächste Nachlese zur Leipziger Buchmesse steht bereits für den 25. März im Kalender.

Thorsten Czarkowski

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