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Kultur Ruhe in Frieden, iTunes: Darum werden wir die Software vermissen
Nachrichten Kultur Ruhe in Frieden, iTunes: Darum werden wir die Software vermissen
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15:51 09.10.2019
iTunes ist tot. Quelle: AP
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Hannover

Es war das Jahr 2000, als Apple das Softwareunternehmen Casady & Greene schluckte und deren Musiktool „SoundJam MP“ in ein legendäres Produkt umbaute: iTunes.

Die Musiksoftware kam 2001 auf den Markt und sollte von da an die Musikbranche revolutionieren. Am 28. April 2003 stellte Apple-Gründer Steve Jobs zudem seine Wunderwaffe gegen die Musikpiraterie vor: den iTunes Music Store. Fortan war der Siegeszug der Software nicht mehr zu aufzuhalten.

Zum kleinen Preis von 99 Cent konnten Musikliebhaber einzelne Titel auf ihren Rechner oder gleich auf ihren iPod laden – die zweite Wunderwaffe des Konzerns aus Cupertino. Doch bei der Musik blieb es nicht: Die iTunes-Software entwickelte sich mit den Jahren zum Rundumverwaltungstool für jedes Apple-Gerät des eigenen Haushalts – und wurde somit schnell ziemlich unübersichtlich und kompliziert.

Und jetzt ist iTunes Geschichte. Während die letzten klassischen iPods (Nano und Shuffle) schon 2017 das Zeitliche gesegnet hatten, hat Apple das Kultprogramm mit dem neuen Mac-Betriebssystem Catalina Anfang der Woche offiziell eingestellt. iTunes wurde in drei neue Programme aufgesplittet: Musik, TV und Podcasts. Einzig für Windows-Nutzer bleibt alles beim Alten – und auch der iTunes Store wird zunächst nicht abgeschafft.

Die Software iTunes hat eine ganze Generation von Musikliebhabern geprägt. Zeit, sie angemessen zu huldigen. Hier sind fünf Gründe, warum wir iTunes noch vermissen werden.

1. Man konnte sich über keine andere Software so schön aufregen

Apple-Produkte sind nicht zuletzt für ihre einfache Bedienung bekannt. Ganz anders iTunes: Die Nutzerfreundlichkeit der Software war vielleicht noch in den Anfangsjahren gegeben – endete jedoch einige Zeit später in einer riesigen Katastrophe. In Internetforen gibt es unzählige Beiträge von Nutzern, die an dem Programm völlig zu verzweifeln schienen: „Wieso ist iTunes so ein scheiß kompliziertes Programm?“, heißt es da unter anderem. Viele sind verzweifelt, weil plötzlich die eigene Musikbibliothek weg ist – oder (nur weil der falsche Haken gesetzt war) plötzlich der ganze iPod gelöscht wurde.

Teilweise wurden in den Foren ganze Religionskriege ausgefochten: Während einige Nutzer den „Synchronisationsterror“ der Software schlichtweg nicht verstanden („Warum kann man nicht einfach Songs auf den iPod ziehen, warum muss man ‚synchronisieren‘??“), predigten andere die schlaue Softwarephilosophie von Apple. Und jeder, der sie nicht verstand, war einfach noch nicht „bereit“ dafür.

Vermutlich hat sich das Internet über keine andere Software jemals so sehr ausgelassen wie über iTunes. Genau wie das Knarzen der Vinyl oder der Kratzer auf der CD gehört die katastrophale Bedienweise der Software zur Musikkultur einer ganzen Generation. Wir werden es vermissen.

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2. iTunes hat die Musikindustrie revolutioniert

Die Musikindustrie lag am Boden, als Steve Jobs im April 2003 den iTunes Music Store vorstellte. Zu diesem Zeitpunkt waren die Verkäufe der Musik-CD im Sinkflug – allerdings gab es noch keine vernünftige Alternative aus dem Netz. Stattdessen grassierte die Musikpiraterie mit immer neuen Tauschbörsen, in denen Musik kostenlos und illegal verbreitet wurde.

Der iTunes Store sollte das ändern: Plötzlich war es möglich, einfach und für kleines Geld Musik legal zu erwerben. Apple hatte es zudem geschafft, mit seinem iPod einen neuen Kultfaktor ins Musikhören zu bringen. Plötzlich waren überall auf der Welt die weißen Apple-Kopfhörer in den U-Bahnen und auf den Straßen zu sehen.

Jobs war es damals auch gelungen, die zerstrittenen Musikkonzerne auf seiner neuen Plattform zusammenzuführen – kaum jemand hatte das für möglich gehalten. Jobs war überzeugt, dass das beste Mittel gegen Raubkopien eine einfache und günstige legale Alternative sein musste. Er setzte durch, dass die Songs quer durch die Bank 99 Cent kosteten und auch einzeln heruntergeladen werden durften. Die Entscheidungen von Apple und iTunes prägten über Jahre hinweg die Downloadindustrie. In der Spitze hatte der iTunes Store 500 Millionen zahlende Kunden.

Apple hatte also nach Jahren der Raubkopiererei der Musik mit iTunes wieder einen Wert gegeben. Auch deshalb werden wir die Software vermissen.

3. Musiker konnten mit iTunes noch richtig gutes Geld verdienen

Apropos Wert von Musik: Künstler wurden mit den Einnahmen durch iTunes-Downloads zu Hochzeiten richtig gut bezahlt. Von den 99 Cent wanderten zwar 30 Prozent an Apple – damit blieb jedoch immer noch genug für den Musiker und seine Plattenfirma übrig.

Zum Vergleich: Heute verdient ein Künstler beim Streamingmarktführer Spotify etwa 0,0028 Cent pro Stream. Damit können Künstler zwar auch richtig Geld machen, allerdings nur dann, wenn sie ganz oben mitspielen. Beispiel: Lady Gaga hat mit ihrem 874 Millionen Mal gestreamten Hit „Shallow“ etwa 2,5 Millionen Euro verdient. Ein Indie-Künstler mit rund 200.000 Streams verdient mit seinem Song hingegen nur 560 Euro. Da wäre bei iTunes einiges mehr rausgesprungen.

Man muss den Streaminganbietern zugute halten, dass Nachwuchskünstler es heute aber auch deutlich einfacher haben, den Durchbruch zu schaffen als noch zu iTunes-Zeiten: Unzählige Bands und Solomusiker sind allein durch Streamingdienste wie Spotify oder Soundcloud berühmt geworden. Grund dafür sind auch die schlauen Algorithmen und Kuratoren der Streamingdienste.

Dennoch dürfte der ein oder andere Musiker dem goldenen Zeitalter der Musikdownloads hinterhertrauern und iTunes schmerzlich vermissen.

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4. Wir werden nie wieder kostenlose U2-Alben bekommen

Dieses „Highlight“ wird iTunes-Nutzern wohl für immer in Erinnerung bleiben: Kurz nach der Präsentation des iPhone 6 im Jahr 2014 hatten plötzlich alle Kunden ein Album in ihrer Musikbibliothek, das sie überhaupt nicht haben wollten: „Songs of Innocence“ der irischen Band U2.

Die Aktion, die eigentlich nur gut gemeint war, endete in einem PR-Debakel: Der Download erfolgte automatisch und ungefragt. Unzählige iPhones von Nutzern waren plötzlich mit U2-Musik zugemüllt, und die Beschwerden der Nutzer ließen nicht lange auf sich warten. Einer fragte damals sogar Apple, ob er ein neues iPhone zugeschickt bekäme – schließlich habe er sein altes „mit Feuer reinigen“ müssen. Nicht nur Apple, sondern auch die Band U2 entschuldigte sich wenig später für die Aktion.

Nein, ein so originelles „Geschenk“ würden sich Streaminganbieter wie Spotify sicher nicht einfallen lassen. Um es noch mal zu erwähnen: Auch dafür werden wir iTunes vermissen.

5. Apple hinkt bei Innovationen inzwischen hinterher

Seit 2015 betreibt auch Apple einen eigenen Musik-Streamingdienst: Apple Music. Da Musikdownloads inzwischen kaum noch eine Rolle beim Umsatz spielen, dürfte dieser auf lange Sicht wohl auch den iTunes Store komplett ablösen.

Dennoch dürfte vor allem Apple selbst den goldenen iTunes-Zeiten hinterhertrauern: Zwar hat der Konzern in den USA die Marktführerschaft mit seinem Dienst Apple Music – in den meisten europäischen Ländern allerdings ist der Dienst hinter Spotify weiter abgeschlagen.

Das hat auch damit zu tun, dass Spotify sich bei der Weiterentwicklung des Musikstreamings deutlich innovativer gibt: Der schwedische Streamingdienst hat das Spiel mit den Algorithmen perfektioniert und liefert jedem Nutzer passende neue Musikvorschläge. Erst kürzlich hat das Unternehmen eine neue Funktion eingeführt, die es sogar erlaubt, Musik mit Nachrichtensendungen zu kombinieren.

Bei Apple Music funktioniert all das nicht – oder wesentlich schlechter. Ob Apple absichtlich so wenig Arbeit in seinen Streamingdienst steckt oder es einfach nicht besser kann, ist unbekannt. Der Kultfaktor beim Musikkonsum hat das Unternehmen aber längst an andere abgegeben.

iTunes, Rest in Peace.

Von Matthias Schwarzer/RND

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