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Kultur Rauschende Ballnacht mit kritischem Unterton
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18:14 27.01.2019
Theaterball Schwerin Staatstheater: Ministerpräsidentin Manuela Schwesig mit Schauspieler Cornelius Lewenberg, der als Barbier von Sevilla auftritt. Quelle: Christian Roedel
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Schwerin

Es war ein Hauch von Glamour, der das Mecklenburgische Staatstheater am Sonnabend zum 27. Schweriner Theaterball umwehte: Sehen und Gesehenwerden schien das Motto der illustren Szene zu sein, die am frühen Abend in eleganten Roben und Anzügen über den leicht verregneten roten Teppich schritt. In Empfang genommen wurden die Gäste, darunter Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), Kultusministerin Birgit Hesse (SPD) und Finanzminister Mathias Brodkorb (SPD) von Intendant Lars Tietje und Michael Jungrichter, Vorsitzender der Schweriner Theaterfreunde.

27. Theaterball in Schwerin

Zumindest nach außen war man um gelöste Stimmung bemüht, auch wenn hinter den Kulissen seit Monaten ein Streit zwischen Generalintendant Lars Tietje und seinem Ensemble schwelt, das ihm unter anderem einen rigiden Sparkurs, die Ausdünnung des Spielplans und einen hierarchischen Führungsstil vorwirft. Noch im vergangenen Jahr hatten die Schauspieler kritisiert, Tietje habe ihnen verboten, sich beim Theaterball politisch zu äußern.

„Ich habe meinen angedichteten Maulkorb und mein dickes Fell gegen ein Abendkleid getauscht“, sagte Moderatorin und Schauspielerin Stefanie Fromm zur Eröffnung und ging bewusst in die Offensive. Gemeinsam mit Schauspieler Gustav Peter Wöhler führte sie durch den Abend. Wöhler wird ab 21. Juni bei den Schlossfestspielen Schwerin als „Tevje“ in dem Musical „Anatevka“ auf der Bühne stehen. Eine Kostprobe davon bekamen die Zuschauer beim Programm, in dem Künstler aus allen Sparten unter dem Motto „Herzklopfen und Lampenfieber“ Einblick auch in Produktionen gaben – darunter das Schauspiel „Gelber Mond – Die Ballade von Leila und Lee“, das Singspiel „Im weißen Rössl“, das Musical „Jekyll & Hyde“, die Opern „Der Barbier von Sevilla“ und „André Chénier“ sowie das Ballett „Geliebte Clara“ von Jutta Ebnother, das am 23. März Premiere feiert.

„Ich bin sehr zufrieden, alle Menschen sind fröhlich und haben sich auf einen schönen Abend gefreut. Das ist wichtig, wenn das Publikum keine gute Laune mitbringt, haben wir es schwer“, sagte Tietje. Dazu beigetragen haben könnte auch ein Fünf-Punkte-Plan, den die Gesellschafter unter Vorsitz von Kultusministerin Birgit Hesse Ende Dezember bei einem Krisentreffen in Schwerin beschlossen hatten. Er beinhaltet Mitarbeiterbefragungen und Führungskräftecoaching – mithilfe externer Fachleute.

„Wir wollen die Probleme lösen, weil ich glaube, dass wir alle darunter leiden und wissen, dass das nicht gut fürs Theater ist“, betonte Tietje. Der Fünf-Punkte-Plan sei ein Schritt in die richtige Richtung. Auch Ministerpräsidentin und Schirmherrin des Theaterballs, Manuela Schwesig nahm Bezug zum Theater-Streit. „Ich bin froh, dass es gelungen ist, mit dem Theaterpakt alle Standorte abzusichern und dafür zu sorgen, dass es mehr Geld gibt“, sagte sie. „Das haben wir geschafft, weil sich Kommunen, Land und Intendanten an einen Tisch gesetzt haben. Ich wünsche mir, dass auch innerhalb des Theaters alle an einem Strang ziehen.“

Federn lassen musste auch Birgit Hesse – allerdings nur, was ihr Kleid anging. „Ich wünsche dem Theater, dass man sich wieder auf das besinnen kann, was allen Spaß macht“, betonte sie und ging mit gutem Vorbild beim Tanzen voran. „Das ist nicht so professionell wie beim Ballett. Aber der Theaterball ist eine Veranstaltung, auf der man auch als Politiker mal ein bisschen lockerer sein kann“, verriet sie und outete sich als Hurvínek- und Spejbl-Fan. „Das hat mir gut gefallen. Ein tolles Aushängeschild.“

Auch Marlene Eiberger vom Jungen Staatstheater Parchim hofft für die Zukunft auf positive Schlagzeilen aus Schwerin: „Das ist wie im Privatleben, man muss nach vorne schauen.“

 

Stefanie Büssing

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