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Kultur Santiano-Sänger: „Man muss durch die Hölle gehen, vor der man am meisten Angst hat“
Nachrichten Kultur Santiano-Sänger: „Man muss durch die Hölle gehen, vor der man am meisten Angst hat“
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10:27 13.06.2019
Spielen ein Album für MTV Unplugged ein: Andreas Fahnert (l-r), Hans-Timm Hinrichsen, Peter David Sage, Björn Both und Axel Stosberg von der Band Santiano. Quelle: Axel Heimken/dpa
Lübeck

In den beeindruckenden Fabrikhallen einer alten Werft in Lübeck haben die Seemanns-Rocker der norddeutschen Band Santiano 22 Lieder für die Konzertreihe MTV Unplugged aufgenommen. Was daran besonders war, verraten die Bandmitglieder Björn Both, Axel Stosberg und Hans-Timm Hinrichsen im Interview.

Ihr habt 2017 bereits eine Tour unplugged gespielt. Nun habt Ihr in der Lübecker Kulturwerft Gollan für den Musiksender MTV Unplugged ein Konzert aufgezeichnet. Wie ist es gelaufen?

Björn Both: Das ist hier nochmal ein ganz anderer Rahmen als auf Tournee, weil wir ein Orchester und wesentlich mehr Musiker dabeihaben. Die Aufzeichnung war für uns, nach zweieinhalb Monaten Arbeit, ein Schlüsselmoment schlechthin. Und das war ein sehr spannender und erlösender Moment.

Inwiefern?

Both: Axel hat das richtigerweise gestern mit einem Rennpferd verglichen, das in der Box steht und mit den Hufen scharrt. Es war eine Erfahrung, alles ein bisschen anders zu managen als bei Live-Konzerten, wo wir einen schlechten Moment durch den nächsten guten sofort wettmachen.

Axel Stosberg: Wir haben natürlich auch versucht, unseren Gästen, die wir eingeladen haben, einen wunderbaren Boden zu bereiten. Damit sie sich wohlfühlen und damit wir mit ihnen eine gute Zeit haben. Wir hatten viel Spaß mit unseren Gästen, das sind alles super Typen, die grandios performt haben.

Gibt es einen Gast, auf den Ihr Euch ganz besonders gefreut habt?

Both: Darauf gibt es eigentlich keine vernünftige Antwort. Es hat jeder seinen Song mit uns und wir freuen uns natürlich auf jeden dieser besonderen Momente.

Stosberg: Aber es ist doch ganz klar, dass Alligatoah (ein deutscher Rapper und DJ, Anmerk. der Redaktion) am weitesten von uns entfernt ist. Das kann sich draußen im Vorfeld wirklich keiner vorstellen. Ich glaube, das wird auch sicher die größte Überraschung.

Wie waren Eure ersten Gedanken, als sich die Zusammenarbeit mit MTV Unplugged abzeichnete?

Stosberg: Da haben wir uns auch erstmal staunend angeguckt. Nach sieben ereignisreichen Jahren ist das der nächste Ritterschlag.

Both (lachend): Man kann ja nicht die ganze Zeit mit offenem Mund und staunend herumsitzen. Das sieht auch blöd aus.

Hans-Timm Hinrichsen: Das ist natürlich schon so ein Moment, wo gedanklich ein Kniefall da ist. Wir sind aber auch dort hingekommen, weil die Fans uns dahin getragen und zu uns gehalten haben. Das darf man nicht vergessen. Daher: danke danke danke.

Was ist Eurer Meinung die Faszination, die von Euch ausgeht?

Both: Ich weiß gar nicht, ob uns das so zusteht, darüber so kundig zu tun. Wir haben am Anfang mal gesagt, dass wir diesem Geheimnis nie so wirklich auf den Grund gehen wollen. Wir haben natürlich eine Idee davon, was die Marke Santiano ist, und der versuchen wir auch gerecht zu bleiben. Und wer mal genau verfolgt, was wir so privat machen, wie wir leben und wie wir sind, der wird sehen, dass das alles schon ganz schön gut zusammenpasst. Und das ist, glaube ich, das, was die Leute uns einfach mal abnehmen. Darüber hinaus haben wir vielleicht auch schöne Themen und eine tolle Musik.

Gibt es schon Ideen für die weitere Reise von Santiano, die demnächst unbedingt auf die Agenda sollten?

Hinrichsen: Unser Fokus gilt aktuell MTV Unplugged, deren Veröffentlichung für November geplant ist. Also warten wir erstmal ab, wie das Album ankommt.

Seid Ihr denn noch nervös vor Euren Auftritten?

Both: Unbedingt. Unbedingt. Das ist schlimm. Das muss ich zugeben. Da verfluche ich meinen Job. (lacht) Aber man sucht sich die Hölle aus, vor der man am meisten Angst hat, und dann geht man da durch. Und das Lampenfieber gehört vor allen Dingen dazu. Sonst hältst du den Bogen nicht aufrecht. Du brauchst zweieinhalb Stunden Energie und Spannung. Diese muss sich auf ein Publikum übertragen. Es reicht nicht, wenn sie auf der Bühne bleibt. Und mit dem Lampenfieber geht der Körper eben in Startposition. Das ist aber zwei Sekunden, nachdem der Gig angefangen hat, total weggeblasen.

Wie entstehen Eure Lieder?

Stosberg: Wir sind einfach ein großes Team und sind nicht so eitel zu sagen „das machen wir mal alleine“. Wir haben früh erkannt, dass wir – wenn wir auf diesem Niveau arbeiten wollen und in dieser Liga weiter oben mitspielen wollen – nur auf diese Art und Weise weiterkommen.

Both: Wir haben auch den Anspruch, dass wir nicht irgendwie mit zwei guten Titeln nochmal zwölf mittelmäßige auf dem Album mitschleppen. Sondern unser Anspruch ist tatsächlich der, dass wir keinen Massenschrott machen. Und da bleibt viel in der Schublade. Es wird viel mehr geschrieben als das, was am Ende veröffentlicht wird.

Hinrichsen: Das ist auch der Grund, warum wir eine der wenigen Bands sind, die in vier verschiedenen TV-Sendungen mit vier verschiedenen Titeln auftreten können. TV ist also eher unser Medium als das Radio, wo wir zuletzt aber auch mehr und mehr stattfinden.

Santiano: Alles über die Band

Die Band Santiano hat sich 2011 gegründet. Die fünf erfahrenen Musiker kommen von der Küste und spielen Seemanns- und Piratenlieder, in die sie Elemente von Irish Folk, Rock, Pop und Shantys einfließen lassen. Frontmann ist Björn Both (Gesang, Gitarre, Bass). Zu den Gründungsmitgliedern gehören zudem Axel Stosberg (Gesang, Mundharmonika, Percussion), Hans-Timm Hinrichsen (Gesang, Gitarre, Bass, Schlagzeug), Andreas Fahnert (Gesang, Gitarre) und Peter David Sage (Geige, Mandoline, Gesang, Akkordeon). Die Männer wohnen mit ihren Familien in Schleswig-Holstein und sind zwischen Anfang 50 und Ende 60 Jahre alt.

Von RND /dpa

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