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Nino Haratischwili am 22. Januar 2019 bei ihrer Lesung in Rostock Quelle: Thorsten Czarkowski
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Rostock

Volles Haus - das ist in der Literatour Nord nicht immer der Fall. Das Literaturhaus Rostock hatte die Lesung mit Nino Haratischwili eigens in den großen Saal des Peter-Weiss-Hauses verlegt, um dem Andrang gerecht zu werden, rund 130 Literaturinteressierte waren gekommen.

Ein erfreuliches Interesse allemal, denn die aus Georgien stammende Autorin stellte ihre neues Werk in Rostock vor: „Die Katze und der General“ heißt es und behandelt den ersten Tschetschenienkrieg, es spielt also in den neunziger Jahren, die andere Zeitebene ist in der Gegenwart angesiedelt. Im Mittelpunkt der Handlung steht Alexander Orlow, ein russischer Oligarch, der heute in Berlin lebt. Nach einer persönlichen Tragödie macht er sich auf die Spurensuche, nach „seinem früheren Selbst“. Denn im Tschetschenienkrieg fand die dunkelste Nacht seines Lebens statt, in einem tschetschenischen Dorf. Damit werden von der Schriftstellerin nicht nur die zum Teil unfassbaren Kriegsverbrechen eines heute fast vergessenen Krieges thematisiert. Das darüber liegende Thema ist die zerfallende Sowjetunion und das, was sie in der Nach-Perestroika-Zeit mit den Menschen gemacht hat – und offenbar immer noch macht.

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Angeregt, den ersten Tschetschenienkrieg literarisch aufzuarbeiten, wurde Nino Haratischwili 2006 vom Tod der russischen Journalistin Anna Politkowskaja. Besonders schwierig war es, aus der Sicht des Täters zu schreiben, meinte Nino Haratischwili. Das betraf besonders die Gestaltung der Innenperspektive von Alexander Orlow, ohne ihn als Psychopathen dastehen zu lassen. Ebenso interessant sind in dem Buch Haratischwilis Schilderungen der russischen Migranten-Szene im heutigen Berlin, die dabei wie ein Panorama aufgeblättert wird. Und ein bisschen konnten die Besucher in dieser Lesung auch über Nino Haratischwili erfahren, die in Deutschland und Georgien lebende Autorin zeigte sich in der Diskussion nahbar, wortgewandt und intelligent.

Nächste Vorstellung der Literatour Nord 2018/19: Steven Uhly, „Den blinden Göttern“, am 5. Februar um 20 Uhr in der „anderen Buchhandlung“ Rostock

Thorsten Czarkowski