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Kultur Axel Prahl: „Die Sehgewohnheiten ändern sich“
Nachrichten Kultur Axel Prahl: „Die Sehgewohnheiten ändern sich“
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18:33 14.01.2019
Langjährige Freunde: Regisseur Andreas Dresen und Schauspieler Axel Prahl. Am 15. Januar ist Prahl zu Gast in Rostock an der Hochschule für Musik und Theater bei Dresens neuer Reihe „hmt: Fokus Film“. Quelle: Agentur
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Rostock

Schauspieler Axel Prahl ist heute Abend zu Gast in Rostock: An der Hochschule für Musik und Theater (HMT) steht er den Studenten von Dozent und Regisseur Andreas Dresen in dessen neuer Reihe „hmt: Fokus Film“ Rede und Antwort. Mit der OSTSEE ZEITUNG sprach er vorab über neue Sehgewohnheiten, den Tatort und seine Musik.

OZ: Welche Botschaft würden Sie dem heutigen Schauspiel-Nachwuchs an die Hand geben?

Axel Prahl: Ich kann nur jedem Schauspieler raten, auf der Bühne anzufangen und erst mal Theater zu machen. Das sind zwar zwei komplett verschiedene Berufe aber die Grundlagen erlernt man tatsächlich am besten am Theater, weil man dort viel mehr Zeit hat, um eine Rolle zu entwickeln und deren Tiefe auszuloten.

Was macht für Sie einen guten Film aus?

Schwierige Frage. Es gibt so viele unterschiedliche Genres und jedes Genre für sich hat einen gewissen Anspruch. Wenn diese Ansprüche erfüllt sind und man interessante Charaktere entwickelt hat, sind das für mich schon die besseren Geschichten. Ich gucke immer auf Gesellschaftsrelevanz. Interessiert mich ein Thema, hat es etwas mit mir zu tun? In „Gloria, die schönste Kuh meiner Schwester“, beispielsweise, in dem ich einen schwulen Piloten spiele, geht es um Kleinbauern, die um ihre Existenz ringen. Des Weiteren, auch darum dass über Homosexualität in ländlichen Gebieten häufig immer noch nur hinter vorgehaltener Hand geredet wird. Das sind gesellschaftspolitische Themen, die mich interessieren. Wenn ich dazu einen guten Film sehe, der mir auch noch Perspektiven eröffnet, und mir den ein oder anderen Ratschlag an die Hand gibt, bin ich froh und glücklich, solche Drehbücher zu lesen. Darüber hinaus ist natürlich noch wichtig, dass mich der Film unterhält.

„Gloria, die schönste Kuh meiner Schwester“ mit Dagmar Manzel läuft ja erst an. Gibt es weitere aktuelle Projekte?

Ja, er lief bisher erst auf dem Filmfest Hamburg. Den Ausstrahlungstermin weiß ich leider nicht. Demnächst kommt ein weiterer Film ins Kino, der Politthriller „Am Ende der Wahrheit“ von Regisseur Philipp Leinemann.

Die Medienlandschaft ist gerade im Umbruch. Wie wirken sich Streamingdienste wie Netflix oder Amazon auf Ihre Arbeit als Schauspieler aus?

Das kann ich bisher noch nicht sagen, weil ich noch nie für Netflix oder Amazon gearbeitet habe und die finanziellen Konditionen nicht kenne. Fakt ist, die Sehgewohnheiten ändern sich. Die Leute schauen viel weniger Fernsehen oder wenn dann gucken sie „On Demand“, zumindest das jüngere Publikum. Es gibt nur noch wenige Formate, zu denen man sich gemeinsam vor dem Fernseher versammelt, dazu gehört erfreulicherweise der Tatort.

Ein gutes Stichwort: Eine ihrer bekanntesten Rollen ist Kommissar Frank Thiel aus dem Münsteraner Tatort. Seit dem ersten Film mit Andreas Dresen „Nachtgestalten“, in dem sie als Nebenrolle einen Polizisten gespielt haben, sind sie immer wieder als Polizist besetzt worden. Ist es manchmal schwierig, wenn man auf eine bestimmte Rolle festgelegt wird?

Es hat seine Vorzüge, aber natürlich auch seine Nachteile, klar. Was mein Arbeitsspektrum anbelangt, wissen die Kollegen, dass ich relativ breit aufgestellt bin. Ich habe die menschliche Psyche schon sehr weit ausleuchten dürfen und Rollen gespielt vom neurotischen Einsiedler in Kafkas 'Der Bau' über Wissenschafter bis hin zum Kindermörder oder auch einen arbeitslosen Journalisten in „Extraklasse“. Darüber bin ich natürlich sehr glücklich.

In „Extraklasse“ spielen sie einen Journalisten, der aus Verzweiflung Lehrer wird. Sie wissen also, wie es ist, vor einer Klasse zu stehen.

Richtig (lacht).

Was ist denn in der HMT genau geplant am Dienstag?

Andreas hat mich gebeten, dort Rede und Antwort zu stehen. Es werden auf jeden Fall verschiedene Filmausschnitte aus gemeinsamen Produktionen gezeigt und dann werden wir über den Herstellungsprozess sprechen, insbesondere im Hinblick auf den Regisseur und die Arbeit mit einem Schauspieler.

Was war denn für sie damals als Schauspielanfänger die größte Herausforderung?

Überhaupt erst mal ein Angebot zu bekommen (lacht). Das ist etwas, was ich weitergeben kann. Man kann es nicht forcieren. Entweder es kommt, oder es kommt nicht. Talent hin oder her. Es ist auch irrsinnig viel Glück und Zufall. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort mit den richtigen Leuten.

Sie sind auch leidenschaftlicher Musiker. Als Achtjähriger hatten Sie die erste Gitarre, als Dreizehnjähriger träumten Sie davon, eine Schallplatte zu machen. Als junger Mann haben Sie ein Musikstudium auf Lehramt in Kiel angefangen und in verschiedenen Bands gespielt. Und sie waren Straßenmusiker in Spanien. Was war das für eine Erfahrung?

Das war eine meiner spannendsten und wichtigsten Erfahrungen. Von der Straßenmusik leben zu müssen, heißt natürlich auch viele Entbehrungen hinzunehmen. Da war „Schmalhans" Küchenmeister. Ich habe gelernt, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken, weil es immer irgendwie weitergeht. Ich habe erstaunlich viele positive Erlebnisse aus dieser Zeit mitnehmen dürfen. Und ich kann es Eltern nur raten, ihre Kinder mal eine Zeit lang alleine in die Welt zu schicken, dass sie sich auf 50 Kilometern nicht dem Hause nähern dürfen und sie zusehen müssen, wie sie alleine zurande kommen. Das ist eine gute Schule (lacht). So macht man es beispielsweise in der Handwerkszunft.

Wie kam es dazu, dass Sie mit 51 Jahren doch noch offiziell als Sänger durchgestartet sind?

Musik habe ich natürlich schon immer gemacht. Aber seit meinen 20ern nicht mehr öffentlich, sondern nur noch mit Freunden. Aber das mit dem Plattenvertrag hat auch mit meinem guten Freund Andreas Dresen zu tun und dem Kollegen Gerhard Gundermann und seinem Liedgut. Es gab ein Gedenkkonzert in der Berliner Columbia-Halle. Da bin ich aufgetreten und mich hat ein Produzent angesprochen und gefragt, ob ich aus meinem musikalischen Potenzial etwas machen möchte. Ich habe ja gesagt, wollte aber nicht irgendwelche Chansons von Brel und Brecht neu interpretieren, sondern meine eigenen Sachen machen. Dann habe ich gemeinsam mit Danny Dziuk, meinem wunderbaren Arrangeur und Co-Komponisten, die erste Scheibe „Blick aufs Mehr“ entworfen und eingespielt und das lief erstaunlich erfolgreich. Ich wollte mir da eigentlich nur meinen Jugendtraum erfüllen, eine Schallplatte mit selbst komponierten und geschriebenen Liedern. Geplant waren lediglich 15 Konzerte. Daraus sind mittlerweile knapp 200 geworden.

Inzwischen sind insgesamt fünf Alben erschienen. 2018 erschien das neue Album „Mehr“, mit dem Sie am 23. Juni nach Warnemünde kommen. Worauf dürfen sich die Zuschauer freuen?

Es ist ein wirklich fulminantes Album geworden mit 16 neuen Songs, die wir natürlich in Warnemünde spielen werden. Dazu haben wir einige Stücke meines ersten Albums, die dem ein oder anderen Zuschauer inzwischen lieb geworden sind, mit ins Programm genommen. Gestern hatten wir in Frankfurt/Oder Premiere und die Hütte hat gebrummt. Das war schon toll und gibt einem das Gefühl, dass man etwas richtig gemacht hat.

Sie spielen mit Andreas Dresen in einer Band, sind seit vielen Jahren Freunde.

Ja, bei dem Film „Halbe Treppe“ haben wir drei Monate lang in Frankfurt/Oder im Hotel gewohnt und den Plot gemeinsam entworfen. Da haben wir viel Musik gemacht, gemeinsam mit den 17 Hippies. So ist dann nach und nach ein gemeinsames Musikprojekt entstanden. Ich musste mich jetzt aber leider von der Dresen-Prahl-Band aus Zeitgründen verabschieden. Mit dem Inselorchester und der Dreherei ist das Jahr schon ziemlich ausgebucht und ich möchte auch Zeit für mein Privatleben und meine Liebsten haben.

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