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Kultur „Ich kann zu jedem Bild eine Geschichte erzählen“
Nachrichten Kultur „Ich kann zu jedem Bild eine Geschichte erzählen“
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20:01 01.08.2019
Willkommen zur 45. Ahrenshooper Kunstauktion: Auktionator Robert Dämmig am Eingang zum Kunstkaten, wo bis zum 2. August ebenso wie in der Strandhalle die Vorbesichtigung stattfindet. Insgesamt werden 174 Werke zum Verkauf angeboten. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild
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Ahrenshoop

1892 wurde die Künstlerkolonie Ahrenshoop gegründet: Maritime Motive von Künstlern, die dort lebten und arbeiteten, sind bis heute beliebt in der Kunstwelt. Versteigert werden sie morgen bei der 45. Ahrenshooper Kunstauktion, die Bieter aus ganz Deutschland und dem Ausland ins Ostseebad lockt. Die OZ sprach vorab mit Auktionator Robert Dämmig (53).

Das sind zehn der gefragtesten Bilder

In diesem Jahr findet die Ahrenshooper Kunstauktion zum 45. Mal statt. Wie ist das Format entstanden?

Am Anfang war es eher eine lockere Veranstaltung am Strand, die von Galeristen und Künstlern ins Leben gerufen wurde. Es gab nur Druckgrafiken, die die Künstler teilweise selbst mitbrachten. Die Preise lagen bei fünf, zehn oder auch 50 Mark. Die Veranstaltung hatte längst nicht die Verbindlichkeit von heute.

Wann hat sich die Kunstauktion in der heutigen Form entwickelt?

Das war Ende der 90er Jahre. Nach der Wende musste das Projekt zunächst wiederbelebt werden. Da die alte Form nicht mehr funktionierte, hat man nach jemandem gesucht, der die Sache in die Hand nimmt. Günther Röse, der auch Initiator des Kunstmuseums war, hat sich dazu bereit erklärt, obwohl er nicht aus dem Kunsthandel kommt sondern selbst Sammler war. Er hat angefangen, die Auktion nach und nach in die Form zu bringen, die wir heute kennen.

Was ist der Schwerpunkt der Auktion?

Unser Kernthema ist die Ahrenshooper Künstlerkolonie. Auch die benachbarten Kolonien im baltischen Raum, wie Schwaan, Hiddensee, Usedom und Nidden spielen eine Rolle. Wir zeigen aber auch Arbeiten der Nachkoloniezeit – also der Klassischen Moderne, der Postmoderne sowie DDR-Kunst aus den 50er und 69er Jahren bis hin zu Arbeiten aus der heutigen Zeit. Wobei der Anteil zeitgenössischer Kunst eher gering ist.

Wie viele Gemälde kamen bisher in Ahrenshoop unter den Hammer?

Wir haben in der Hauptauktion immer 100 Bilder. Dazu kommen 45 bis 65 Arbeiten im „Kleinen Kabinett“. Insgesamt kommt man da in all den Jahren auf eine Zahl von rund 6750 Bildern.

Wie viel Geld wird pro Auktion umgesetzt?

Das variiert. Wir sind ja eine reine Liebhaberauktion – nicht vergleichbar mit Sotheby’s oder Grisebach, die bei einer Auktion mehrere Millionen Euro umsetzen. Bei uns werden pro Auktion zwischen 300 000 und 500 000 Euro umgesetzt. Die Zahlen waren in den vergangenen Jahren relativ stabil.

Welches war das bisher teuerste Bild?

Das teuerste Bild, an das ich mich erinnere, war eine Collage von Edmund Kesting aus den 20er Jahren, die für 47 000 Euro unter den Hammer kam. Im vergangenen Jahr hatten wir eine sehr frühe Arbeit von Paul Müller-Kaempff, dem Begründer der Künstlerkolonie Ahrenshoop dabei, die für 33 000 Euro versteigert wurde. Es war der teuerste Kaempff, der je verkauft wurde, was sehr schön ist und die Wertigkeit, der Künstlerkolonisten aus dieser Zeit insgesamt hebt.

Die Kunstauktion hat sich längst bundesweit etabliert – einige Bieter kommen regelmäßig aus Süddeutschland nach Ahrenshoop, um ein Bild zu ersteigern. Wie groß ist der Anteil internationaler Käufer?

Zu 85 Prozent ist es eine bundesdeutsche Auktion mit internationaler Beteiligung. Wir haben auch Bieter aus Frankreich, der Schweiz, Litauen und den USA. Aktuell gibt es Anfragen aus Israel, weil wir einige jüdische Künstler im Programm haben, wie Clara Arnheim und Julie Wolfthorn. Internationale Besucher werden unter anderem durch unsere Vorbesichtigung in Berlin auf uns aufmerksam.

Was denken Sie, macht die Reputation der Ahrenshooper Auktion aus?

Ich denke, zum einen ist es die Landschaft, der Ort und die Ostsee. Aber letzten Endes geht es um Qualität. Wir konzentrieren uns auf eine kleine feine Auswahl an Werken. Dazu gehören intensive Recherchen, gute Kontakte und manchmal auch Glück. Manchen Bildern laufe ich bis zu fünf Jahren hinterher. Zu jedem Bild kann ich eine eigene Geschichte erzählen.

Sie sind Musiker, Fotokünstler und haben 2006 ihre Galerie „Alte Schule Ahrenshoop“ eröffnet. Seit 2013 schwingen Sie als Auktionator der Ahrenshooper Kunstauktion den Hammer. Wie kam es dazu?

Ich habe als Galerist zehn Jahre mit Günther Röse zusammengearbeitet und mit ihm die Akquise für die Kunstauktion gemacht. Als er fast 80 war, kam die Frage nach einem Nachfolger auf und wir haben einen guten Übergang hingekriegt. 2015 ist er leider überraschend gestorben. Dass wir da schon alles übergeben hatten, war gut. So konnten wir nahtlos in seinem Sinne weitermachen.

In der aktuellen Auktion kommen knapp 180 Arbeiten unter den Hammer.

Ja, wir versteigern 174 Arbeiten – 100 in der Hauptauktion und 64 im „Kleinen Kabinett“. Dazu kommen zehn Plakate. Es sind Gemälde, Collagen, Zeichnungen, Aquarelle aber auch Druckgrafik der Klassischen Moderne sowie eine Skulptur.

Welche Werke zählen zu gefragtesten?

Paul Müller-Kaempff, der Initiator der 1892 gegründeten Künstlerkolonie, ist mit vier sehr guten Arbeiten vertreten. Aus der Künstlerkolonie Schwaan sind zwei sehr starke Rudolf Bartels Bilder dabei. Wir haben eine Arbeit aus der Künstlerkolonie Ekensund von Ferdinand Dorsch. Dann ist natürlich Elisabeth von Eicken vertreten. In der klassischen Moderne präsentieren wir Arbeiten von Lyonel Feininger und Erich Heckel. Weitere Höhepunkte sind zwei Gemälde von Peter Keler, der als 21-Jähriger unter Wassily Kandinsky die Bauhauswiege entwickelt hat, sowie die Arbeiten von Edmund Kesting. Ebenfalls besonders ist eine Arbeit aus dem Jahr 1930 von dem ostpreußischen Landschaftsmaler Carl Knauf. Nach 1945 zunächst vergessen, erlebt er jetzt eine Renaissance. Seine Arbeit habe ich in einer Knauf-Ausstellung gesehen und später durch Zufall bei einem Sammler wiederentdeckt.

Rudolf Bartels: „Birkenwäldchen an der Beke“ hat mit einem Schätzwert von 12 000 bis 16 000 Euro das höchste Einstiegsgebot.

Ja, doch welches Bild letztlich für den höchsten Preis unter den Hammer kommt, lässt sich vorab nicht sagen. Manche Bilder gehen mit einem wesentlich geringeren Gebot an den Start und erzielen wesentlich höhere Preise. Das hängt von der Interessenlage ab. Wenn sich gleich mehrere Leute in ein Motiv verliebt haben, entstehen teilweise sehr schöne Preissteigerungen.   

Vorbesichtigung und Auktion

Vorbesichtigungder Werke: heute von 10 bis 18 Uhr im Kunstkaten Ahrenshoop (Strandweg 1) und in der Strandhalle Ahrenshoop (Dorfstraße 16 b)

Der Online-Katalog mit allen Bildern findet sich unter www.ahrenshoop-kunstauktion.de

45. Kunstauktion: 3. August, 19 Uhr (Einlass ab 18 Uhr), Strandhalle Ahrenshoop

Stefanie Büssing

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