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Kultur Son Volt: Löschversuche mit Musik
Nachrichten Kultur Son Volt: Löschversuche mit Musik
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09:36 29.03.2019
Das Foto zeigt von links Andrew Duplantis (Bassist), Jay Farrar (Sänger, Gitarrist), Jacob Edwards (Schlagzeuger), Chris Frame (Gitarrist) Mark Spencer (Gitarrist). Quelle: David McClister Photography, LLC.
Hannover

„Wir fiedeln, während Rom brennt“, singt Jay Farrar. Er wird deutlich auf dem neunten Son-Volt-Album, hat die Nase voll vom gegenwärtigen, verwirrenden „Orwellschen Doppelsprech der Politik“, mit der Lüge zu Wahrheit erhoben und Wahrheit als Lüge diffamiert wird. Sein gespaltenes Heimatland Amerika ist dem Sänger und Gitarristen ein Greuel, „Union“ – Einheit – ist entsprechend der Titel des neuen Werks der Band aus New Orleans. Farrar wird schon mal ungewohnt explizit in seiner Sorge um die Demokratie: „Wofür andere starben, das pissen sie mal eben so hinweg.“

„While Rome Burns“ eröffnet einen Reigen von 13 Americana-Songs, bei denen mal harmonische Jingle-Jangle-Gitarren à la Byrds ins Ohr fließen, mal rauere Neil-Young-artige Töne angeschlagen werden, zuvörderst aber Folktöne vorherrschen – seit je die probate musikalische Form für Protest. Der 52-jährige Farrar, der einst mit Jeff Tweedy in der Americana-Legende Uncle Tupelo spielte (bevor Tweedy Wilco gründete), sieht Musik als Möglichkeit die Gesellschaft wieder zusammenzubringen: „In Zeiten, in denen unsere Art zu leben und unsere Demokratie von innen heraus bedroht sind, fragst du dich: Was kann ich tun? Ich habe den Stift aufs Papier gesetzt und Musik geschrieben.“

Farrar will Aufmerksamkeit für die Whistleblowerin Winner

Im Song „The 99“ geht es Farrar um die ungerechte Verteilung des Reichtums in Amerika, in der neuen Single „Reality Winner“ kümmert er sich um die texanische Whistleblowerin Winner, eine Air-Force-Veteranin, die 2018 zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Sie habe aus den richtigen Gründen geleakt, sagt Farrar im Gespräch mit der Musikwebsite „The Boot“: „Denn sie hat nachgewiesen, dass es eine russische Einmischung bei den Wahlen von 2016 gab.“ Als Albumtrack wäre der Song vielleicht untergegangen, als Single hofft Farrar, dass er Winner Aufmerksamkeit verschafft. Ein Lied in der Tradition von Bob Dylans „Hurricane“.

„Lady Liberty seufzt über die Worte aus dem Oval Office, Lady Liberty sieht Profitsucht und Kleinmut“, nimmt Farrar schließlich die Freiheitsstatue als Augenzeugin der derzeitigen unpräsidialen Vorgänge im Weißen Haus. Und dann covern Son Volt noch „Rebel Girl“, ein Freiheitslied des Arbeiterführers Joe Hill, das über 100 Jahre alt ist. „Egal, in welchem Jahrhundert du lebst, manche Dinge ändern sich nie – deshalb habe ich dieses Lied ausgewählt“, so Farrar gegenüber dem „Paste Magazine“. „Sein Echo hallt bis heute.“

Rom brennt, Son Volt singen

Acht der 13 Songs wurden an besonderen Orten aufgenommen – drei im Mother Jones Museum in Mount Olive, Illinois und fünf im Woody Guthrie Centre in Tulsa, Oklahoma. Die Gewerkschaftsführerin und der Urvater des modernen politischen Folksongs sind die Paten von „Union“. Und der Schlusssong „The Symbol“ ist eine Art Update von Guthries „Deportee“. Er erzählt die Geschichte eines Mexikaners, der New Orleans nach dem Hurrikan Katrina wieder aufgebaut hat, und der jetzt ausgewiesen werden soll.

Rom brennt, Son Volt singen. Davon, dass die Liberalen und die Konservativen nur noch für ihr eigenes Überleben kämpfen. „Esel und Elefant“ nennt Farrar sie im Titelsong des Albums und fordert das Ende der Gegnerschaften: Schwarz und Weiss, Rot und Blau, Norden und Süden, Stadt und Land. Ein Löschversuch mit Musik, der auch mal Pause macht. Zwischendrin singt Farrar in „Devil May Care“ von den Freuden des fahrenden Musikantentums. Und dann wird klar, dass „Union“ nicht nur ein äußerst dringliches, sondern auch ein richtig schönes Album geworden ist.

Son Volt: „Union“ (Thirty Tigers) erscheint am 29. März

Von Matthias Halbig/RND

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