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Nachrichten Kultur Stadt an den Hellbergen hat kleines Kulturzentrum
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17:36 26.05.2018
Das Landratsamt in Franzburg mausert sich zu einem kleinen Kulturzentrum.
Das Landratsamt in Franzburg mausert sich zu einem kleinen Kulturzentrum. Quelle: Ines Sommer
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Franzburg

Rund ums Landratsamt in Franzburg hat sich in den letzten Jahren viel getan. OZ besuchte die kleinen Attraktionen im Stadtkern.

Das Ensemble rund ums Landratsamt in Franzburg (Vorpommern-Rügen) mausert sich: Die Galerie wartet mit Ausstellungen auf. Der Klostergarten ist stets geöffnet, auch die Kreativwerkstatt ist beliebt. Nebenan laden Wiekhaus-Café und Spielplatz ein.

Die Galerie

2008 wurde die Galerie im Franzburger Landratsamtes eröffnet. Sie ist ebenso wie der Kreativraum im sanierten Erdgeschoss zu finden. Die Stadt plant jedoch, auch die anderen Bereich nach und nach zu nutzen. So soll im Gefängnis-Keller ein kleines Hostel entstehen, die oberen Etagen sollen zu Wohnungen, zum teil auch behindertengerecht, umgebaut und dann vermietet werden. „Der Bedarf ist da“, sagt Bürgermeister Dieter Holder (CDU) gegenüber unserer Zeitung.Zwar wurde die Galerie 2014 durch einen Wasserschaden beschädigt, doch nach umfangreichen Umbau- und Sanierungsarbeiten konnte schon im Mai 2015 Wiedereröffnung gefeiert werden.

Haus-Aussteller ist Bertram von Schmiterlöw, der für seine Bilder einige Räume nutzt. Der Franzburger, der im Haus Schauseil lebt, schaut selbst oft vorbei und freut sich, wenn er auch andere Künstler trifft, mit denen er ins Gespräch kommen kann. Doch es gehört auch immer eine Wechsel-Ausstellung zum Galerie-Angebot. Im Moment ist die Malerei von Anke Wiechmann aus Grün Kordshagen zu sehen. Sie zeigt sich begeistert von Tieren und hat besonders das Schwein als Glücksbringer für den Menschen in den Mittelpunkt ihrer Arbeiten gerückt. Die 70-Jährige hat aber auch die Bilder ihres verstorbenen Mannes Jörg Dreisörner mitgebracht. Bis zum 29. Mai ist dies alles noch zu sehen.

Zum 1. Juni wird schon die nächste Künstlerin ausstellen. Marita Gerdes aus der Gemeinde Papenhagen zeigt nicht nur Bilder, sondern hat auch Selbstgenähtes dabei. Zu sehen ist dies alles bis 29. Juni. Und dann stehen schon die nächsten in der Liste. „Ja, das läuft ganz gut, wir haben viele Künstler, die hier ausstellen wollen“, sagt Ramona Schult, die die Galerie im Auftrag der Stadt betreut. Schon 65 Besucher konnte sie bei den bisherigen Ausstellungen zählen. „Ich freue mich auch schon auf die Gruppe aus Stralsund, die Patchwork zeigen will und hier richtig Bambule plan“, sagt die Richtenbergerin, von Beruf Bürokauffrau.Übrigens gehören auch Schmuck und Keramik von Ilona Glaser-Taube aus Franzburg, Andrea Unger und Ute Just aus Stralsund sowie der Trebelpötterie aus Tribsees zu den gezeigten Objekten der Galerie, vieles kann man käuflich erwerben.

Die Kreativwerkstatt

Seit einem Jahr gibt es im über 400 Jahre alten Franzburger Landratsamt die Kreativwerkstatt. 21 Angebote für über 400 Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren wurden seitdem hier auf die Beine gestellt. Das reichte vom Kerzenmachen aus Bienenwabenplatten über Bastelarbeiten aus Holz, Pappe und Papier bis hin zum Herstellen von Schleim, der übrigens aus Waschmitteln gemacht wird.

Doch hier wird nicht nur gebastelt. „Wir gehen immer auch auf neueste Trends ein. Jetzt steht zum Beispiel Zentangle hoch im Kurs bei den Kindern“, sagt Hanneloren Ullrich. Zentangle ist eine leicht zu lernende und entspannende Methode, mit strukturierten Mustern wunderschöne Bilder zu zeichnen. Aber auch Schlüsselanhänger sind ein beliebtes Objekt.

Die ehemalige Franzburger Kita-Leiterin, die mit Herz und Seele Erzieherin war, hat sich bereit erklärt, die Kreativwerkstatt zu betreuen. „Das macht wirklich Spaß. Wir bieten ja auch Projekte an und beteiligen uns an Veranstaltungen in Franzburg, zum Beispiel an Bratapfelfest oder Schwimmbadfeier“, sagt die Rentnerin. In den Ferien bestehe ebenfalls großer Bedarf, die Werkstatt zu öffnen. Doch auch die Erwachsenen waren achtmal aktiv, zum Beispiel beim Korbflechten. Einmal arbeitete man schon mit der Kreisvolkshochschule zusammen.

Die Stadt Franzburg stellt die Grundausstattung für das Kreativangebot zur Verfügung und übernimmt die Betriebskosten. „Die Sparkasse konnten wir als Sponsor gewinnen“, freut sich Hanneloren Ullrich über den Kooperationsvertrag und betont, dass man auch vom Verein zur Förderung von Kultur, Historie und touristischer Entwicklung in Franzburg unterstützt werde. Der Rest wird über Teilnehmerbeiträge finanziert.

Und natürlich gibt es auch schon Pläne für die Zukunft. „Wir möchten eine Verbindung zur Galerie schaffen und suchen Kinder, die gerne malen, zeichnen oder sich in anderen Techniken ausprobieren wollen. Die können sich gern bei mir melden“, so die Franzburgerin, die gerade in der Zusammenarbeit mit der Galerie viel Potenzial sieht, unter anderem für besondere Projekttage von Schulklassen oder für die Vorschule sieht. „Aber hier wird niemand zu einer Sache gezwungen, denn ich mache jeweils drei Angebote, so ist dann auch immer was für die Jungs dabei“, sagt Hannelore Ullrich.

Der Klostergarten

Den Garten gleich hinter dem alten Landratsamt haben einst Mönche des Zisterzienser-Klosters angelegt. Sie wollten sich selbst versorgen. Das ist zwar heute nicht mehr das Ziel, aber dennoch erstrahlt der Garten in voller Schönheit. Und das ist nicht zuletzt Marita Thielke zu verdanken. Sie hat einst Landwirtschaft studiert und kümmert sich seit über zehn Jahren um die grüne Oase.Auf 3000 Quadratmetern werden hier Blumen, Gemüse, Obst und Kräuter angebaut. Hecken umschließen das, was in drei Bereiche gegliedert ist: Gemüsegarten, Blumenbeete und Kräutergarten, Streuobstwiese und Spalierobst runden das Ganze ab. Die Stadtarbeiter sorgen übrigens dafür, dass der Rasen gemäht und die Hecken geschnitten werden.

Marita Thielke kümmert sich nicht nur um die Beete. Sie macht auch Führungen oder bietet Projekte für Kinder an. Da erfahren die Lütten der 5. Klassen zum Beispiel, dass Johanniskraut für eine Nacht unsichtbar macht. Es wird aber auch selbst Tee gemacht. Pfefferminze und Zitrone kann man nämlich auch ohne Trocknen verarbeiten. „Kräuter sind total meins. Ich liebe diese schönen Pflanzen“, sagt die 53-Jährige. Und so machen die Kinder auch mal fix einen Kräuterquark.

Der Klostergarten ist immer zugänglich, er findet sich auch in den wichtigsten Radwanderkarten und Gartenführern. Zum Tag der offenen Gärten am 9. und 10. Juni wird wie in den letzten Jahren mit großem Andrang gerechnet, denn die Thielke-Führungen sind beliebt. Von 10 bis 18 Uhr kann man vorbeischauen. „In diesem Jahr konnten wir wieder den in Franzburg wohnenden Kurt Rudnik gewinnen, über die hier heimischen Wildbienen und Hummeln mit interessierten Besuchern ins Gespräch zu kommen“, so Marita Thielke.

Wiekhaus und Spielplatz

Neben dem Landratsamt öffnet im 1850 gebauten und sanierten Wiekhaus das Café, Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr, so dass man auch auf Käffchen und Kuchen nicht verzichten muss.

Und ein paar Schritte entfernt, können sich die Kinder auf dem Spielplatz tummeln, während die Erwachsenen durch die Austellung der Galerie bummeln.

Historisches

427 Jahre alt ist das Landratsamt, das unter Denkmalschutz steht. Neben der Kirche ist das 1591 von Kanzler Gützlaff von Rothermund unter Herzog Bogislaw XIII. errichtete Landratsamt das älteste Gebäude Franzburgs. Der dreigeschossige Komplex war einst als Schloss gebaut worden und hatte noch vier Flügel.

1625 wurden hier immerhin 225 Betten im Inventar vermerkt. Das Schloss wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Was blieb, ist nur das Landratsamt.

1 Million Euro hat die Stadt Franzburg in den letzten Jahren inklusive Fördermittel in das Denkmal investiert, um die historischen Schätze aus der Herzogszeit schrittweise zu heben.

1850 wurde das Wiekhaus gebaut, es war Stallgebäude und gleichzeitig Teil der Franzburger Stadtmauer. Heute ist es ein Café.

Sommer Ines

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