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17:38 27.02.2019
Neues vom Präsidentschaftswechsel: Michael Lewis beschreibt, wie leicht Barack Obama (r.) dem Trump-Lager den Regierungswechsel machen wollte und wie wenig das Lager von Donald Trump dies interessierte. Quelle: Andrew Harnik/dpa
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Hannover

In den USA werden nicht nur die „Oscars“ verliehen, sondern auch die „Sammies“. Mit diesem Preis werden Beamte für außerordentliche Leistungen ausgezeichnet. Die Preisträger sind weitaus weniger bekannt als all die preisgekrönten Hollywoodstars, sie leisten dafür aber ungleich Wichtigeres für die Amerikaner, zum Teil sogar für die Menschheit. Ein Preisträger etwa hat als Erster eine ehemalige Atomwaffenfabrik in Colorado erfolgreich entseucht, 60 Jahre schneller und 30 Milliarden Dollar billiger als vorhergesagt. Ein anderer entwickelte eine Immuntherapie für bislang als unheilbar geltende Krebserkrankungen. Und so können viele Geschichten über innovative, zuverlässige, menschenzugewandte Mitarbeiter im US-Staatsapparat erzählt werden.

Doch der „Sammy“ ist halt nicht der „Oscar“, und so wissen viele US-Amerikaner nicht, woran all die Beamten in Ämtern und Ministerien arbeiten. Um es mal vorsichtig auszudrücken. Besser trifft es wohl, wenn man sagt: Staatsdiener, das sind für zahllose Amerikaner nicht mehr als faule, nutzlose, steuernverschlingende Schmarotzer. Der amerikanische Bestsellerautor Michael Lewis hält das für ein großes und gefährliches Missverständnis. „Beamte werden selten wegen ihrer Leistungen gefeiert“, schreibt er. „In unserer Gesellschaft müssen sie eher als Sündenböcke herhalten.“ Deshalb rückt Lewis in seinem neuen Buch „Erhöhtes Risiko“ (Campus, 223 Seiten, 24,95 Euro) die kleinen, unscheinbaren Helden der US-Bürokratie in den Mittelpunkt.

Bücher von Michael Lewis beliebt in Hollywood

Das klingt auf den ersten Blick staubtrocken und langweilig. Doch Lewis hat mit seinen Büchern immer wieder bewiesen, dass er vermeintlich dröge Themen packend und spannend beschreiben und analysieren kann. Deshalb werden seine Bücher in der Regel nicht nur zuhauf gekauft und gelesen – sie sind auch Stoff für große Hollywoodfilme. Sein Buch „The Big Short“ über den Hedgefondsmanager Michael Burry und die Finanzkrise diente als Vorlage für den gleichnamigen, großartigen Film mit Christian Bale, Steve Carell, Ryan Gosling und Brad Pitt. Brad Pitt spielte auch die Hauptrolle in „Moneyball“, dem ein Sachbuch von Lewis über Datenanalyse im Sport zugrunde liegt. Nun hat sich der 58-jährige ehemalige Finanzinvestor mit Menschen getroffen, die ihre Mitbürger vor Tornados bewahren wollen, mit Menschen, die das Stromnetz vor Anschlägen schützen und Menschen, die Bedürftige mit Lebensmittelkarten versorgen. Michelle und Barack Obama haben sich die Filmrechte gesichert, Netflix ist mit im Boot.

„Ich habe mich an die Kommunistenjagd erinnert gefühlt“

Aber Michael Lewis’ neues Buch ist nicht nur ein Loblied auf Amerikas Staatsdiener. Es erzählt auch, wie sehr US-Präsident Donald Trump die Staatsdiener und die Behörden gering schätzt. In den USA ist es üblich, dass die alte Regierung die neue in die Arbeit des jeweiligen Ministeriums einführt. Das Landwirtschaftsministerium etwa hatte für den Regierungswechsel und die Post-Obama-Zeit eine 2300-seitige Dokumentation in 13 Bänden zusammengestellt, das Energieministerium 30 Arbeitsplätze hergerichtet, um den Neuen das Einarbeiten zu erleichtern. Der erste Tag nach der Wahl verging und niemand aus dem Trump-Lager meldete sich, der zweite auch, immer mehr Zeit zog ins Land, und niemand schien sich für die zukünftige Regierungsarbeit zu interessieren. „Trumps Leute hatten keinen blassen Schimmer, dass es im Energieministerium um sehr viel mehr geht als nur um Energie“, heißt es in dem Buch. Etwa um die Instandhaltung und Bewachung der Atomwaffen. „Sie wussten zwar um die Existenz des Atomwaffenarsenals, aber auch das schien sie nicht weiter zu interessieren.“ Stattdessen wollte die neue Trump-Regierung eine Liste von allen Mitarbeitern, die in den vergangenen fünf Jahren an der Umsetzung des Klimavertrags mitgearbeitet haben. Weil Trump der Kampf gegen den Klimawandel von Anfang an ein Dorn im Auge war. „Ich habe mich an die Kommunistenjagd unter McCarthy erinnert gefühlt“, sagt die ehemalige stellvertretende US-Energieministerin Elizabeth Sherwood-Randall.

Lewis zeigt auch, wie wichtige Posten in den Behörden entweder gar nicht wiederbesetzt werden oder mit Leuten aus der Privatwirtschaft, deren Interessen sich zum Teil radikal gegen den Staat richten, für den sie nun arbeiten. Diese Einblicke in das Innenleben des US-Staatsdienstes macht Michael Lewis’ Buch zu einer interessanten, wichtigen und zudem hervorragend lesbaren Studie. Sie zeigt, dass die USA mit weniger Staat gegen Gefahren wie Cyberangriffe, Atomunfälle und Naturkatastrophen schlechter gewappnet sind. Vielleicht kann ja zumindest die Verfilmung des Buchs den Amerikanern die Augen öffnen, was sie an ihrem Staat haben.

Michael Lewis: „Erhöhtes Risiko“. Campus. 224 Seiten, 24,95 Euro. Quelle: Campus

Von Kristian Teetz/RND

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