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06:23 29.06.2015
Manfred Krug und Uschi Brüning beim Jazzfest in Ahrenshoop.
Manfred Krug und Uschi Brüning beim Jazzfest in Ahrenshoop. Quelle: Volker Stephan
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Ahrenshoop

Das gemeinsame Konzert mit Uschi Brüning (68) war schon fast vorbei, als Manfred Krug (78) vor dem Publikum des 16. Ahrenshooper Jazzfestes bekannte, dass er bislang noch nie in diesem bekannten Künstlerort gewesen sei. Wie er zudem durchblicken ließ, seien wohl auch beiderseitige Aversionen zu DDR-Zeiten Schuld an dieser Abstinenz gewesen.

Dies sah bei seinem Ahrenshooper Debüt am Samstagabend allerdings völlig anders aus. Sowohl der deutschlandweit beliebte Schauspieler und Sänger, als auch seine Gesangspartnerin wurden von Hunderten begeisterter Zuhörer während ihres Auftritt teils frenetisch gefeiert. Kein Wunder, dass sich diese Stimmung auf die Akteure beflügelnd auswirkte und Krug sich schließlich zu dem charmanten Kompliment ans Publikum hinreißen ließ: „Ihr seid einfach süß!“

Manfred Krug und Uschi Brüning, die seit 1971 immer wieder in völliger Harmonie ihre Duette vortragen, begeisterten auch diesmal im gemeinsamen Gesang. Bluesröhre Brüning, die noch immer alle Gesangsfarben beherrscht, sang allerdings bei den Duetten mit ihrem gesundheitlich angeschlagenen Kollegen nur mit halber Kraft, was dem Vortrag jedoch keinen Abbruch tat.

Szenenapplaus gab es aber nicht nur für die beiden Jazzlegenden, sondern auch für deren musikalisch perfekte Begleitung durch Andreas Bicking am Saxophon, Matthias Bätzel an der Hammond Orgel, Wolfgang „Zicke“ Schneider am Schlagzeug und Tom Götze am Bass. Wie Brüning später verriet, verdanke sie es dieser exzellenten Begleitband, dass sich ihr langgehegter Wunsch erfüllt habe, den Catarina-Valente-Titel „Ganz Paris träumt von der Liebe“ singen zu können. Sie interpretierte ihn mit sommerlicher Leichtigkeit als sehnsuchtsvolle Bossa-Version.

Wer auf Manfred Krugs einfühlsame, fast lyrische Interpretation des Franz-Lehár-Liedes „Niemand liebt dich so wie ich“ gehofft hatte, wurde nicht enttäuscht. Uschi Brüning hingegen strotzte beim Blues „Black Coffee“ vor Ausstrahlung.

Manfred Krug gestaltete solo einen besonderen Programmpunkt: Mit einer selbst geschriebenen Kurzgeschichte aus frühen DDR-Zeiten und einer Posse jüngeren Datums löste er bei seinen Zuhörer wahre Lachsalven aus. In den späten Sommerabend entließen die Sänger ihr Publikum jedoch besinnlich. Das Abschiedslied „Ade“ löste bei vielen eine gewisse Rührung aus. Was denn wohl auch beabsichtigt war.



Werner Geske