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13:01 09.05.2015
Szene aus „Kläuser“. Das Stück, das an den Tod eines Obdachlosen vor 15 Jahren in Greifswald erinnert, hat Dienstag Premiere.
Szene aus „Kläuser“. Das Stück, das an den Tod eines Obdachlosen vor 15 Jahren in Greifswald erinnert, hat Dienstag Premiere. Quelle: Theater
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Greifswald

Vor genau 15 Jahren ereignete sich in Greifswald eine schreckliche Tat. Am 24. Juni 2000 wurde der Obdachlose Klaus Gerecke von drei rechten Jugendlichen, einem Jungen und zwei Mädchen, die inzwischen verurteilt wurden, auf offener Straße erschlagen. „Da ist der Assi, klatsch ihn tot“, soll einer gerufen haben. Die Täter wollten Geld. Über eine Stunde lang traten sie auf das Gesicht des Mannes ein. Er verblutete.

Vergessen ist sein Schicksal nicht. Bis heute. Bereits wenige Tage nach dem brutalen Überfall lud der Wendorfer Thomas Putensen ins Theater ein, um dort gemeinsam mit Greifswalder Bürgern für „Kläuser“, den jeder in Greifswald kannte, zu singen. Das Treffen wurde auf CD aufgenommen. Inzwischen hat Putensen auch eine Oper geschrieben. Sie sollte im Theater zur Aufführung kommen, wurde aber abgelehnt.

Dafür gibt es am Dienstag nun die Premiere eines dramaturgischen Stückes, das immerhin Songs aus der Oper, wie den „Mudding-Blues“ oder das „Glatzen-Duett“ enthält. Putensen ist über die Lösung nicht ganz glücklich, akzeptiert sie aber. Regie bei der Inszenierung führt Henriette Sehmsdorf aus Jager, bekannt als Initiatorin der „Opernale“. Neben Musik, Schauspiel und Chor, wird es viele Informationen zu „Kläuser“ und zum Umgang mit Obdachlosen in Greifswald geben. „Dies wird etwas umfangreich ausfallen. Das ist uns bewusst“, sagt Sehmsdorf. „Wir wollen berühren und zum Nachdenken anregen“ betont Chefdramaturg Sascha Löschner. Deshalb wurden statt Schauspielern auch Laien rekrutiert, die entweder schauspielbegeistert oder besonders interessiert an Kläuser sind. Alle acht Darsteller könnten unterschiedlicher kaum sein, vom trockenen Alkoholiker bis zur Diplompsychologin ist alles dabei. Trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft habe es keinerlei Spannungen während der Proben gegeben, informiert Sehmsdorf. Ungewöhlich ist auch die Spielstätte. Anstelle des Theaters wurde die Mensa am Wall gewählt. Sie liegt nur wenige Schritte von jenem Ort entfernt, an dem der Mord geschah. Nach jeder der vier geplanten Vorstellungen soll es Publikumsgespräche geben. Dabei soll auch die Frage geklärt werden: „Wer ist hier verwahrlost: Klaus oder die Gesellschaft?“, meint Sascha Löschner.

Premiere: 12. Mai, 19.30 Uhr, Mensa am Wall, Karten: ☎ 03834/ 57 22 224



Paul Blumentrath /Reinhard Amler

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