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Kultur Premiere von „Der Troubadour“: Zwischen Schock und Schwermut
Nachrichten Kultur Premiere von „Der Troubadour“: Zwischen Schock und Schwermut
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19:00 13.10.2019
Szene aus „Der Troubadour“ am Theater Vorpommern mit Nina-Maria Fischer in der Rolle der Leonora. Quelle: Vincent Leifer
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Stralsund

Wir schreiben das Jahr 1412: Es herrscht Bürgerkrieg in den spanischen Provinzen Biscaya (heutiges Baskenland, Hauptstadt Bilbao) und Aragonien (Hauptstadt Saragossa). In diesen blutigen Wirrnissen siedelte Guiseppe Verdi seine dramatische vierteilige Oper „Der Troubadour“, die 1853 zur Uraufführung in Rom kam, mit einer darin verwobenen Liebesgeschichte an.

„Il Trovatore“, so der Originaltitel seiner zweiten Oper neben „Rigoletto“ und „La Traviata“ bildete das Herzstück seiner sogenannten Trilogia populare. Im „ Troubadour“ versammelte Verdi seine ihm zu dieser Zeit wichtigsten Themen wie Eifersucht, Racheschwüre, Brudermord und Gifttod.

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Kriegsszenerien bis Jetztzeit

Der Intendant des Theater Vorpommerns, Dirk Löschner, wagte sich höchstselbst an die Inszenierung der Verdi-Oper und transferierte die Handlungsorte der mittelalterlichen Kriegsszenerien in die Jetztzeit. Mit automatischen Schnellfeuerwaffen, in paramilitärischen Uniformen oder auch Jogginganzügen aus Ballonseide marodierten die Krieger in Löschners Inszenierung, die am Samstagabend im Stralsunder Haus des Theaters Vorpommern ihre Premiere hatte, durch das Geschehen (Kostüme und Bühnenbild von Christopher Melching). Leonora (Sopranistin Nina-Maria Fischer) , Gräfin von Sorgasto und Hofdame der Prinzessin von Aragon, ist unsterblich in Manrico (Tenor: Karo Khachatryan) , Troubadour und Offizier des Grafen von Urgel, verliebt. Doch Graf von Luna, ein aragonischer Edelmann (Bariton: Thomas Rettensteiner), hat auch ein Auge auf die schöne, fragile Leonora geworfen. Die Rivalen geraten zwangsläufig aneinander und liefern sich im Verlauf der vier Opernakte nicht nur Wortgefechte. Thomas Rettensteiner gibt mit Bravour den Grafen Luna als selbstgefälligen, machtlüsternen Edelmann, der sich seiner Sache fälschlicher Weise ziemlich sicher ist.

Publikum gerührt

Mit der erforderlichen Sensibilität für seine zur Schwermut neigende Bühnenfigur verkörpert Karo Khachatryan seine Gesangsgrolle als Manrico höchst glaubwürdig. Sopranistin Nina-Maria Fischer singt sich als todunglückliche Leonora ergreifend die ausweglose Verzweiflung aus der Seele und rührte das Publikum an. Dass sie ihr eigenes Kind versehentlich den Flammen opferte und später ihren Ziehsohn Manrico verliert, hat die Zigeunerin Azucena (Mezzosopranistin: Judith Christ) als Seelenqual aufgebürdet bekommen, und dieses intonierte Mutterleid gehörte zu den emotional ergreifendsten Momenten der Aufführung.

Schreckensmoment bei den Zuschauern

Für einen schockartigen Schreckensmoment im Publikum sorgte hingegen eine Szenerie, als urplötzlich schwer bewaffnete Männer in Kampfanzügen über die Seiteneingänge in den Theatersaal stürmten und die Premierengäste in die Mündungsläufe von Maschinengewehren sehen ließen.

Von Christian Rödel