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Kultur Theaterprojekt: Wer darf leben, wer nicht?
Nachrichten Kultur Theaterprojekt: Wer darf leben, wer nicht?
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18:23 11.06.2014
Szene aus dem Stück „Gas (t) geber“ (Probenfoto). Quelle: Bernd Hinkeldey
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Stralsund

In der neusten Theater-Kooperation zwischen den Kreisdiakonischen Werken Stralsund und Greifswald und dem Helios Hanseklinikum bringt Regisseur Franz Triebenecker ein brisantes Thema auf die Bühne. In dem Stück „Gas(t)geber“ geht es um Euthanasie und den Wert des Lebens. Darum, ob jemand das Recht haben kann zu entscheiden. Unterstützt wird die Produktion von der Damp-Stiftung und der Aktion Mensch.

„Die Materie der Euthanasie im Nationalsozialismus wurde im Hanseklinikum schon intensiv aufgearbeitet“, sagt Dr. Jan Armbruster, Oberarzt der Fachabteilung für Forensische Psychiatrie. Und das nicht ohne Grund: Kurz nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die damalige Landesheilanstalt Stralsund als erste Klinik auf deutschem Boden aufgelöst, um das Gelände als SS-Kaserne zu nutzen. Dabei wurden 1 160 psychiatrische Patienten in zehn Transporten mit dem Zug deportiert. Ein SS-Sonderkommando erschoss 300 von ihnen in den Wäldern von Piasnica auf polnischem Gebiet. Alle weiteren verlegte man in andere pommersche Landesheilanstalten, wo sie später von der zentralen Euthanasie-Aktion „T4“ erfasst wurden.

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Der Arbeitskreis zur Erforschung der Euthanasie und Zwangssterilisation während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland tagte am letzten April-Wochenende des vergangenen Jahres in Stralsund. Mit dem neuen Theaterstück soll allerdings eine künstlerische Brücke zu aktuellen Entwicklungen geschlagen werden. In „Gas(t)geber“ trifft sich eine Gruppe Menschen und führt eine schockierende Debatte darüber, wie das Problem der ständig wachsenden Weltbevölkerung gelöst werden kann.

Premiere ist am 13. Juni um 19.30 Uhr in der Stralsunder Kulturkirche St. Jakobi.



Jens-Peter Woldt