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Kultur Uraufführung der Rostocker Jubiläumsoper fasziniert und polarisiert
Nachrichten Kultur Uraufführung der Rostocker Jubiläumsoper fasziniert und polarisiert
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15:01 04.11.2019
Die Jubiläumsoper „Dead End for Cornelius R.“ feierte am Samstagabend in Rostock Premiere. Quelle: Thomas Häntzschel
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Rostock

Bunte Kostüme, sonderbare Requisiten, eine leicht verständliche Handlung und Musik, die die Geschichte unterstreicht – das ist „Dead end for Cornelius R.“. Zum 600-jährigen Jubiläum der Uni Rostock stellte die Hochschule für Musik und Theater eine große Oper auf die Beine, die von den Zuschauern der Uraufführung mit tosendem Applaus belohnt wurde.

Der Rektor der Uni Rostock, Wolfgang Schareck, hatte sich den Stoff von „Cornelius Relegatus“, einer Komödie, die auch zum 500. Jubiläum aufgeführt worden war, gewünscht. Der Stoff wurde modernisiert und erscheint im neuen Gewand als Oper. Neben einem großen Orchester war ein Chor im Hintergrund zu hören und Solisten auf der Bühne zu erleben.

Oper versucht Spagat in das neue, digitale Zeitalter

Die Oper basiert auf der Komödie Cornelius Relegatus von Albert Wichgrave aus dem 16. Jahrhundert. Komponist Sven Daigger und Librettistin Sarah Grahneis versuchen in der dramatischen Umsetzung des Werkes einen Spagat in die neue Zeit zu machen.

In der Oper wird der Zuschauer in eine Abwärtsspirale von Cornelius’ Leben gerissen. Nachdem der junge Cornelius, gespielt von Jonathan Hartzendorf, sein Studium beginnt, verliebt er sich in seine Dozentin. Doch Cornelius scheint sein Leben nicht selbst zu lenken. Er fällt durch seine mündliche Prüfung und wird exmatrikuliert. Nachdem die Dozentin Cornelius Mutter unterbreitet, dass sie vergewaltigt wurde und schwanger sei und Cornelius’ Eltern sterben, wird er weitestgehend enterbt. Die zehnte Station der Oper beschreibt die finale Sackgasse, in der Cornelius’ Suizid thematisiert wird.

Mit einem aus dem Hintergrund gesungenen „Shitstorm“, bei dem nicht klar ist, welche Behauptungen wahr und welche falsch sind, wird Bezug auf die digitale Welt genommen, in der sich Nachrichten in Echtzeit verbreiten und die mediale Öffentlichkeit schnelle Urteile fällt.

Zuhörer im Zentrum von Cornelius’ Gedankenwelt

Der Einblick in die Gedankenwelt des Hauptdarstellers Cornelius, der die ganze Oper über stumm bleibt, wird durch einen Chor ermöglicht. Der Zuschauer bekommt den Eindruck, als sei er im Kopf von Cornelius. Dieser Eindruck entsteht durch die acht Chorstimmen, die aus acht Lautsprechern klingen, die um die Zuhörer herum platziert sind.

Dieses Experiment, das Innere und Äußere von Cornelius getrennt zu erleben, ist faszinierend, obwohl der Charakter durch die einfachen Texte eher zurückgeblieben, psychisch instabil und machtlos, als intelligent und sensibel erscheint. Das Zusammenspiel von Orchester, Darstellern, Chor, Lichttechnik und Bühnenbild hat eine fesselnde Wirkung.

Faszinierende Ideen mit Potenzial

Die Ideen mit den virtuellen Kommentaren und dem mobilen Ensemble, welches als Smartphone fungiert und das Geschehen durch ständige Informationen beeinflusst, verändert und stört, sind faszinierend und haben viel Potenzial, hätten aber noch intensiver ausgeschöpft werden können.

Durch den gemächlichen Verlauf in der spärlichen Handlung und die vielen langsamen Phrasen kommt wenig Dynamik und Spannung auf. Trotzdem fesselt die Oper durch die Besonderheiten, wie den stummen Cornelius, die extrahierte Gedankenwelt und den Spagat zwischen dem 16. Jahrhundert und der heutigen Zeit.

Weitere öffentliche Vorstellungen: 8. November, 9. November, 12. November, 15. November in der HMT Rostock

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