Usedomer Musikpreis 2020 an jungen Bariton verliehen
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Usedomer Musikpreis 2020 an jungen Bariton verliehen

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14:51 24.09.2020
Bariton Konstantin Krimmel erhielt den mit 5000 Euro dotierten Usedomer Musikpreis.
Bariton Konstantin Krimmel erhielt den mit 5000 Euro dotierten Usedomer Musikpreis. Quelle: Geert Maciejewski
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Stolpe

Klein, aber fein: Ein „Beethoven-Salon“ auf Schloss Stolpe als Hommage an jenen diesjährigen Jubilar (250. Geburtstag), der im kulturellen Bereich zu den großen Verlierern der Corona-Pandemie zählt. Nötig hätte er Ehrungen wahrlich nicht. Aber da man beim Usedomer Musikfestival nicht einfach Bekanntes wiederholen wollte, hatte dieser Musik und Gespräch vereinende „Salon“ – als Veranstaltungsort und -form schon für Beethoven wichtig – seinen eigenen Reiz und seine Berechtigung.

Also keine Heroenverehrung mit bestätigenden Klangbeispielen. Dafür eine Annäherung an Person und Werk über das Hinterfragen verfestigter Klischees und die Notwendigkeit differenzierten Umgangs mit Fakten. Dies in angeregten und anregenden Gesprächen, die Dr. Jan Brachmann mit Malte Boecker, dem Direktor des Beethovenhauses Bonn, und dem Schriftsteller Albrecht Selge, Autor eines kürzlich erschienenen Beethoven-Romans, führte. Das Ganze eine Runde, in der man akademische Wissenschaftlichkeit mied und unterschiedlichen, sehr persönlichen Sichtweisen auf Beethoven und bestimmten Aspekten seines Lebens Raum gab; die wahrlich angenehmen, weil auch unterhaltsamen Seiten eines „Salons“!

Bariton Konstantin Krimmel als Highlight des Abends

Und dann war da noch viel Musik. Für Klavier zunächst und mit weniger Bekanntem: der Fantasie op. 77, dem im Hinblick auf Beethovens „unsterblich geliebte“ Josephine Brunswieck bedeutungsvollen Andante favori (Werke ohne Opuszahl 57) und den späten Bagatellen op. 126. Am Flügel Florian Heinisch, der sich sichtlich engagiert den höchst diffizilen, weil äußerst kontrastreichen Aufgaben stellte und zwischen liedhafter Schlichtheit, spielerischer Brillanz und klanglicher Härte ein recht individuelles Beethoven-Bild präsentierte.

Mit weithin unterschätzten Liedern – darunter einem erstaunlichen „Erlkönig“ – glänzte der Bariton Konstantin Krimmel. Ein gestalterisch unter die Haut gehendes Highlight des Abends (Klavier: F. Heinisch) und bestens zur anschließenden Verleihung des mit 5000 Euro von der Oscar und Vera Ritter-Stiftung dotierten Usedomer Musikpreises passend.

Dramaturg Jan Brachmann begründet die Preisverleihung an Krimmel so: „Konstantin Krimmel ist ein junger Bariton, der seine ungewöhnlich schöne Stimme für eine große Gestaltungskraft bei enormer Sorgfalt der Sprache gegenüber nutzt. Kernige Dramatik liegt in seinem Darstellungsvermögen ebenso wie Witz, Weichheit und Verletzlichkeit. Dazu besitzt sein Vortrag die Gabe der Suggestion: Er führt dem Hörer das Gesungene bildhaft vor Augen und erneuert auf diese Weise die Faszination des Geschichtenerzählens. Besonders für den Liedgesang ist von Konstantin Krimmel Bedeutendes zu erwarten.“

Des Sängers Dank: Loewes grandios gestaltete Ballade „Odins Meeresritt“. Ein spannender Abend – knappe drei Stunden schienen da gar nicht lang!

Von Ekkehard Ochs