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Kultur Ute Lemper brilliert mit Marlene-Dietrich-Programm auf Usedom
Nachrichten Kultur Ute Lemper brilliert mit Marlene-Dietrich-Programm auf Usedom
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16:07 03.10.2019
Ute Lemper auf dem Usedomer Musikfestival  Quelle: GEERT MACIEJEWSKI
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Heringsdorf

Ute Lemper (56) hatte ein Rendezvous mit Marlene Dietrich. Und das Publikum im restlos ausverkauften Saal des Maritimhotels von Heringsdorf durfte am Mittwochabend daran teilhaben. Was für ein Privileg! Die Chansonsängerin, Schauspielerin, Jazzerin und Mode-Lady spielte auf der kompletten Klaviatur ihres schier unermesslichen Könnens. Und das mit solch energischer Intensität, zugleich aber hoher Zerbrechlichkeit, dass man zuweilen die berühmte Stecknadel hätte herunterfallen hören können. Sie gibt den Vamp, sie schmachtet leidend, sie haucht Liebesschwüre. „Was Ute Lemper und ihre Band hier abgeliefert haben, ist eine Perle des Usedomer Musikfestivals. Es hat Broadway-Glanz auf die Insel gebracht“, findet Intendant Thomas Hummel. „Und das tut uns allen so gut.“

Der Abend war Ute Lempers Hommage an eine große Künstlerin

Von Köln an die Ostsee geeilt, um schon am Tag darauf wieder am Bodensee und anschließend in Mülheim zu gastieren, danach geht’s gen Spanien – das kostet Kraft, Kondition, Mut. Umso erstaunlicher, mit welcher Lässigkeit, aber zugleich überaus ernsthaft, die häufig als letzte deutsche Diva des Showgeschäftes titulierte Künstlerin, den Abend angeht – und ihn durchhält. Mit Zigarette im Mund, schwarzem Hut auf dem Kopf, rank und schlank wie eh und je. Auf der Bühne zunächst im Versace-Kleid von 1988, erzählt und singt sie die so bewegende wie aufschlussreiche Geschichte der großen Marlene Dietrich. Sie reißt das Publikum zu Beifallsstürmen hin und lässt zugleich Tränen der Rührung fließen. Das dreistündige Telefonat, das die Lemper im Jahr 1988 tatsächlich mit der bereits weitgehend vereinsamten, vom Schicksal schwer gezeichneten Dietrich geführt hatte, erlebt eine empathische Aufarbeitung voller großartiger (eigener) Texte und inzwischen längst weltberühmter Lieder.

Lieder von großen Gefühlen, von Liebe und Leid

Ob „Lily Marleen“, „Von Kopf bis Fuß“, „Sag mir wo die Blumen sind“ oder „Ne me quitte pas“ - die Lemper singt von großen Gefühlen, Liebe, Leid und Einsamkeit, berichtet von Alkohol und Polygamie, der ruhelosen Suche nach Erfüllung und der tiefen Trauer infolge Trennung. Ein Leben in der Achterbahn, immer am Limit, wie es die Dietrich zwischen Berlin und New York, Paris und Leningrad geführt hat. Da taucht immer wieder ihr Lieblingsautor Rainer Maria Rilke auf, verbreiten die Nationalsozialisten ihr tödliches Gift der Vernichtung und Entfremdung, finden Komponisten, Sänger und Filmemacher wie Friedrich Hollaender und Pete Seeger, Bob Dylan, Billy Wilder und die große Edith Piaf Erwähnung. Mal gesungen, dann als Anekdote. Es ist ein bewegtes und bewegendes Stück Weltgeschichte.

Ute Lemper begeisterte im Kaiserbädersaal in Heringsdorf

Die Lemper inszeniert die Lebensphasen der Dietrich, bis hin zum bitteren Ende, dass man glaubt, in ihre Fluchtstätte, das Pariser Apartment an der Avenue Montaigne 12 einzutauchen, reichlich Whisky und Champagner mit ihr zu trinken, Tabletten zu konsumieren und zu hören, wie sie ihren letzten Wunsch, im einst so geliebten Berlin begraben zu werden, ausspricht.

Positive Reaktionen im Publikum

Carola und Dieter Knop aus Zempin sind bereits zur Pause begeistert. „Wir empfinden uns mit dem Programm wie auf einer Zeitreise zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Es ist sehr politisch, was uns besonders freut.“ Sie selbst sind seit 30 Jahren ein Paar, eines der deutschen Einheit, aus Ost und West. So wissen sie persönlich um Soll und Haben der jüngsten Geschichte. „Wir konnten uns kein schöneres Geschenk zu diesem Jubiläum machen“, sagt Carola Knop. In der ersten Reihe verfolgt Inselkliniken-Geschäftsführer Professor Dietmar Enderlein, Sponsor des Abends, das „Rendezvous mit Marlene“. Der Medigreif-Chef ist sich sicher, dass dieses Konzert zur Schönheit der Insel passt, das kulturelle Leben Heringsdorfs bereichert. „Etwas tun, statt nur Absichten zu verkünden“, ist sein Grundsatz, womit er in diesem Falle auch die Wünsche seiner Frau Gudrun, Ute Lemper einmal live auf Usedom mitzuerleben, erfüllt hat.

Hinterher gab es auch Einblicke ins Privatleben der Lemper

Später, der letzte Song des Programmes über die Menschlichkeit, derer unsere Erde heute intensiver denn je bedarf, ist verklungen. Beim nächtlichen Empfang im „Pier 14“ beantwortet die Lemper, nun in Stiefeln, Jeans und Shirt, auch noch geduldig Journalistenfragen. Sie gesteht, dass sie privat mit Modelabels wenig am Hut hat und sich lieber öfter in New York mal was Modernes für 20 Dollar kaufe, ganz selten freilich auch mal ein Stück für 1000 Dollar - so what?! „Es war mir und ‚meiner family‘ auf der Bühne ein großes Vergnügen, hier aufzutreten“, fasst sie den Abend zusammen. Und bezieht so die vier Musiker ihrer fabelhaften, wohltuend zurückhaltend, aber treffsicher agierenden Begleitband ein. Vana Gierig (USA/Piano), Matthias Danek (Drums), Romain Lecuyer (Bass) und Cyril Garac (Violine/beide Frankreich) beweisen, allesamt Meister ihres Faches zu sein. Der Handküsse und Umarmungen ihrer Solistin dürfen sie deshalb gewiss sein.

Klare Haltung gegen Nationalismus

Gefragt nach den politischen Verwerfungen unserer Zeit, dem Wiederaufleben des Nationalismus und ungezählter Konflikte in einer überaus fragilen Welt, ist die Haltung der Lemper unmissverständlich. „Es ist immer nötig, etwas gegen Menschenfeindlichkeit zu tun. Ich tue es mit meinen Mitteln, am Beispiel von Größe und Verletzlichkeit.“ Die Zuhörer haben ihre Botschaft gut verstanden.

Weitere Konzerte des Usedomer Musikfestivals

4. Oktober„Die Besten von morgen“, Preisträgerkonzert, 17 Uhr, Kaiserbädersaal Heringsdorf

5. Oktober „Großes Sinfoniekonzert“, NDR Elbphilharmonie, 20 Uhr, Kraftwerk Peenemünde;

6. Oktober „Festtagsglanz zu Erntedank“, Orgel und Trompete, 17 Uhr, Evangelische Kirche Zinnowitz;

7. Oktober „Swinemünder Kinderszenen“, Lesung und Klaviermusik, 19.30 Uhr, Palace-Hotel Zinnowitz

9. Oktober „Der große Prinz“, Mozart Piano Quartett, 19.30 Uhr, Kirche Benz

12. Oktober Abschlusskonzert, Comedian Harmonists, 20 Uhr, Lokhalle Ahlbeck

Tickets jeweils an der Abendkasse

Von Steffen Adler

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