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Kultur Von Ahrenshoop nach Paris
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14:49 19.02.2018
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Ahrenshoop/Paris

Ungewöhnlich ist schon mal der Ort der Premiere. Das neue Theaterstück von Autor Torsten Buchsteiner hatte gerade in Paris seine Uraufführung. Entstanden ist es in Ahrenshoop, die Recherche für den Stoff fand in einem Rostocker Frauenhaus statt.

„Trauma“ heißt das Stück, ein Stoff, mit dem sich der Autor in einer Tabuzone bewegt. Es geht um eine Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen, die jeweils ihr Trauma zu verarbeiten haben. Beide haben zuvor sexuelle Gewalt erfahren. „Eine Liebesgeschichte mit zwei Frauen, die das Gleiche erlebt haben, aber unterschiedlich damit umgehen“, erläutert der Autor. „Das Stück ist natürlich belastend und schwergewichtig“, räumt Torsten Buchsteiner ein.

Für diesen Stoff hat er in einem Rostocker Frauenhaus recherchiert. „Es hat eine ganze Weile gedauert, bis die Frauen dort Vertrauen zu mir gefasst haben“, sagt der Autor. Die dort übliche strenge Anonymität wurde natürlich immer gewahrt. Doch die dort gemachten Anregungen, Erfahrungen und Beobachtungen sind in das Stück eingeflossen. Das universelle Thema des Stücks ist die Liebe, denn:

„Liebesgeschichten funktionieren oft nach einem ähnlichen Muster“, sagt Buchsteiner. „Entweder es läuft anfangs wunderbar und dann gerät die Beziehung durch ein Erlebnis, einen Vertrauensbruch oder ein scheinbares Hindernis in eine Krise, an dem sich das Liebespaar abarbeitet. Oder es ist von Anfang an klar, dass das Liebespaar füreinander bestimmt ist, aber es gibt so viele Hindernisse, an dem das Liebespaar sich entzweit, dass der Zuschauer in der Rolle ist, die ganze Zeit zu zittern, ob die beiden denn nun endlich zueinanderkommen.“

Der Autor hat sich nun für die zweite Variante entschieden: „Beide Frauen sind extrem unterschiedlich. Sie sind unterschiedlich alt, nur eine der beiden liebt ausschließlich Frauen.“ Es geht allerdings um Gewalt und um Missbrauch an Frauen. Das Thema ist hart – und die Sprache ist es auch. Aber für „Trauma“ bietet Torsten Buchsteiner eine Lösung an, die dem Prinzip Hoffnung folgt: „Es beginnt mit Schmerz und endet mit Liebe.“

Ort der Uraufführung am 7. Februar in Paris war das Theater „Maison des métallos“, die Rollen spielten Guillermina Celedon und Julie Dumas in einer Inszenierung von Alexandra Lacroix und Andreas Westphalen. Dass Buchsteiners neues Stück in Paris uraufgeführt wurde, hat auch praktische Gründe. Denn Regisseur Andreas Westphalen hatte 2011 in der französischen Hauptstadt bereits das Stück „Nordost“ von Torsten Buchsteiner erfolgreich inszeniert.

Übersetzt wurde „Trauma“ inzwischen in fünf Sprachen, für die Übertragung ins Französische war Isabell Lotz zuständig. Derzeit ist Torsten Buchsteiner dabei, sein neues Stück auch international anzubieten, weitere Kontakte gibt es nach Polen und Bulgarien. Das lief beim Vorgänger „Nordost“ recht erfolgreich – es wurde in 14 Sprachen übersetzt und bereits in 22 Ländern aufgeführt.

Torsten Buchsteiner, der in Hamburg geboren wurde und viele Jahre in Berlin gelebt hat, ist längst in Ahrenshoop heimisch geworden. Der Kontakt dorthin kam über das in Ahrenshoop beheimatete Künstlerhaus Lukas zustande. Buchsteiner war dort seit 2006 oft als Stipendiat zu Gast, um an seinen Texten zu arbeiten. Der Ort wurde dem Autor immer mehr vertraut – heute hat er dort einen Wohnsitz. Immer noch schätzt Torsten Buchsteiner das Künstlerhaus Lukas als Treff der Kreativen, wo sich immer wieder interessante Leute tummeln.

Nach der Pariser Uraufführung ist sein neues Stück in der Welt – eine Aufführung von „Trauma“ in Rostock peilt Torsten Buchsteiner ebenfalls an. „Wenigstens als szenische Lesung“, bekräftigt der Autor. Eine weitere Lesung würde Buchsteiner auch im Rostocker Frauenhaus organisieren, in dem er seine Recherche für das Stück abgehalten hat. „Eine Lesung dort ist eine Mindestschuld“, meint Torsten Buchsteiner. Schließlich fand er dort den Stoff für das Stück und auch die Inspiration für seine beiden Figuren.

Thorsten Czarkowski

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