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Kultur Von Goethe bis Brad Pitt: Literaturhaus für Homer-Übersetzer Voß
Nachrichten Kultur Von Goethe bis Brad Pitt: Literaturhaus für Homer-Übersetzer Voß
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15:48 29.03.2019
Penzlin: In der Ausstellung Johann Heinrich Voß. Ein Grieche aus Mecklenburg“ im künftigen Literaturhaus zeigt Andrea Rudolph, Leiterin, ein Bildspiel aus neun Teilen, das den Dichter in unterschiedlichen Ansichten zeigt. Quelle: Wüstneck/dpa
Penzlin

Was haben der Dichter Johann Wolfgang Goethe und der Schauspieler Brad Pitt gemeinsam? Sie sind beide Teil der Ausstellung im neuen Literaturhaus in Penzlin (Mecklenburgische Seenplatte) über den Dichter und Homer-Übersetzer Johann Heinrich Voß (1751-1826).

Das Literaturhaus ist mit Voß dem bekanntesten Sohn der Stadt gewidmet. In mehreren Jahren Planungs- und Bauzeit hat die Kleinstadt bei Neubrandenburg 2,2 Millionen Euro investiert, um das vom Verfall bedrohte Rektorhaus als Literaturhaus mit Touristinformation und Bibliothek um- und auszubauen. „Johann Heinrich Voß. Ein Grieche aus Mecklenburg“ heißt die Ausstellung, die das fortschrittliche Denken des Zeitgenossen von Goethe, Schiller und anderen Größen seiner Zeit dokumentieren soll, wie die Leiterin des Hauses, Andrea Rudolph, erklärt.

Übersetzung der „Odyssee“ und der „Ilias“

„Voß hat sich als Spätaufklärer sowie Sturm-und Drang-Dichter so leidenschaftlich für eine Neuordnung des Wertegefüges eingesetzt, wie es in dieser Radikalität selten war“, erläutert die 60-jährige Germanistin Rudolph. Der Dichter lebte als Kind in Penzlin, ging im Rektorhaus zur Schule und wurde später Hilfslehrer auf dem Rittergut im Nachbarort Ankershagen. „Dort lernte er die Privilegien des Adels kennen und lehnte sie ab“, sagt die Museumschefin. Später wurde Voß als Dichter vor allem mit Übersetzungen der „Odyssee“ und der „Ilias“ bekannt, zu denen auch die Sage um die Eroberung des antiken Trojas gehörte. Den Helden Achilles in der Sage spielte Brad Pitt in dem US-Spielfilm Troja aus dem Jahr 2004 - so gelangte auch dessen Bild in die Ausstellung.

Penzlin (Mecklenburgische Seenplatte) widmet dem Dichter Johann Heinrich Voß ein Literaturhaus.

Insgesamt sechs Räume wurden für Voß und seine Ideen gestaltet. Am Beginn steht ein Bildspiel aus neun Teilen, das die „neun Musen des Göttervaters Zeus“ symbolisiert, wie es Stadtsprecherin Gesa Pasch beschreibt. Sie zeigen den Dichter in unterschiedlichen Ansichten. Daneben beschreiben Zitate etwa von Goethe und Lessing ihn als „Vordenker einer Bürgergesellschaft.“ Besucher können ein „Clavichord“ erklingen lassen, auf dem Sänger die Liedtexte von Voß interpretieren, seine Idylle „Junker Kord“ lesen oder sehen, wie Voß und seine Frau in beengten Verhältnissen arbeiteten.

„Besonders wichtig sind die französische Revolution, deren Verfechter Voß war und standhaft blieb, und die die Gesellschaft spaltete“, erläutert Rudolph. Ein Blitz auf dem Boden und ein gespaltener Stamm symbolisieren diese Zeit. Eine Karte zeigt im Mittelmeerraum, wo die einzelnen Sagen des Odysseus spielten, und ein Gymnasium hat die Rolle des antiken Helden einmal ganz frei in Rap-Art übersetzt.

Berühmter Sohn der Stadt

Der bekannteste Sohn von Penzlin studierte in Göttingen, war später vor allem in Otterndorf (Niedersachsen), der Partnerstadt Penzlins, Eutin (Schleswig-Holstein), Jena und in Heidelberg tätig. In Eutin hat die Voß-Gesellschaft ihren Sitz. „Für Voß war das antike Griechenland das Gegenbild zu den deutschen Zuständen“, verdeutlicht Rudolph. Dieser habe den als erster deutscher Übersetzer Homers „den Deutschen das Tor zur Antike aufgestoßen.“ Das muss auch der Archäologe Heinrich Schliemann (1822-1890) so verstanden haben. Für den späteren Troja-Entdecker, der in Ankershagen aufwuchs und die Voß-Übersetzungen der Sagenwelt las, soll dies ein Anlass gewesen sein, nach Troja zu suchen.

Dem Dichter ist auch der größte Raum des neuen Literaturhauses gewidmet: Der großzügig verglaste Saal, in dem Lesungen und Ausstellungen stattfinden werden. Er heißt ganz unbescheiden: „Olymp“. 

Von Winfried Wagner, dpa