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00:00 16.02.2016
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Schwerin

„Situs Vi Latin Isset Abernit“— unter diesem ungewöhnlichen Titel zeigt der Kunstverein Schwerin bis zum 3. April in der Kunsthalle im E-Werk Arbeiten von elf Künstlern aus Mecklenburg-Vorpommern.

„Gelesen habe ich den Spruch auf einer Visitenkarte, und beim Versuch, ihn zu entziffern, musste ich wirklich lachen“, verrät Kurator Andreas Wegner mit einem Lächeln. Gewählt hat er ihn trotzdem mit Bedacht: „Kunst aus MV klingt zuerst nach Dingen wie Landschaften oder Holzfiguren. Der Titel der Ausstellung soll aber zeigen, dass die Kunst besser sein kann als ihr Ruf“, erklärt Wegner.

Und in der Tat überrascht die aktuelle Schau vor allem mit der Verschiedenheit ihrer Werke. „Es ist eine destillierte Auswahl, die sich auf wenige unterschiedliche Positionen beschränkt“, so der Kurator. Im ersten Raum stellt Wegner beispielsweise das Werk „Diptychon“ des Künstlers Andreas Barth zwei großformatigen Bildern des Güstrower Künstlers Lars Lehmann gegenüber.

„Das war die extremste Position, die ich finden konnte“, sagt Wegner und deutet auf zwei geometrische Flächen in Rot und Grau. Bei seiner Malerei greift Andreas Barth auf industriell vorgegebene Mischungsverhältnisse zurück, so dass die Bildsprache lediglich über die Farbauswahl und die Zusammenstellung der Formate erfolgt. „Dass jemand auf die Binnengestaltung der Farbflächen verzichtet und auf Standardfarbsysteme zurückgreift, steht in völligem Gegensatz zu Lars Lehmann, der seine Bilder mit Motiven geradezu überfrachtet“, sagt Wegner.

Doch gerade das macht die Schau aus. „Die Ausstellung lebt einerseits von Gegensätzen, andererseits gibt es auch immer wieder Verbindungen.“ Eine Brücke zwischen der farbenfrohen Schichtenmalerei und dem nüchtern anmutenden Werk von Barth schafft Wegner mit einer Lichtinstallation der Rostockerin Sonja Rolfs. „Die Arbeit wollte ich gern dabeihaben, weil Rolfs das Medium Licht nutzt und damit einen anderen Aspekt in die Malerei einbringt.“ Bei der Auswahl der Kunstwerke hat sich der Leiter und Kurator des Kunstvereins Schwerin, der seinen Posten erst im vergangenen Oktober angetreten hat und nun für den Kunstverein seine erste Ausstellung kuratiert, auch auf seine Intuition verlassen. „Die räumliche Nähe der Künstler ist die Klammer, die die Ausstellung zusammenhält. Mir war es aber auch wichtig, mit möglichst gegensätzlichen Positionen eine Offenheit zu schaffen und zu zeigen, dass man sie zu einer schönen Ausstellung zusammenführen kann“, sagt er.

Diese beziehen sich nicht nur auf die Inhalte, sondern auch auf die Materialität. „Einen Teppich auszustellen, ist sicherlich ungewöhnlich“, sagt der Leiter des Kunstvereins im Hinblick auf das Werk von Hanna-Sophie-Kuhlmann.„Aber ich mag die Breite in den Formaten.“ Damit schafft Wegner gleichzeitig eine Verbindung von bildender und angewandter Kunst — ein Ansatz, der sich auch in der Biografie von Helmut Senf findet, dessen Werke in der Ausstellung ebenfalls zu sehen sind.

Auch die Webtechnik des Teppichs wird in den Kunstwerken der Kühlungsborner Künstlerin und Galeristin Anka Kröhnke wiederaufgegriffen, die diese in Kombination mit Knüpftechnik für ihre Arbeiten aus recycelten Dosen nutzt. Zu sehen sind zudem Bilder aus Film- und Videoarbeiten von Udo Rathke aus Plüschow, Zeichnungen von Barbara C. Tucholski und eine Glasinstallation von Ruzica Zajec, die mit den Sehgewohnheiten des Betrachters spielt. „Dass man das eine im anderen sieht, dass man etwas mehr ahnt, als sieht, dass man das eine durch das andere sieht, sind einige Phänomene, die ich aus diesen Materialien schöpfe und in meine Arbeiten integriere“, sagt die Künstlerin.

Ausgefallen ist auch das Werk „Mondlandschaft“ der Biologin und Künstlerin Barbara Kinzelbach, das aus Eitempera und Asche auf Leinwand gefertigt wurde und sowohl ein Blick durch ein Teleskop wie auch durch ein Mikroskop sein könnte. Den Kurator fasziniert dabei nicht nur die ausgefallene Technik: „Das ist ein Werk mit einem hohen Abstraktionsgrad. Man sieht, dass etwas Ungewöhnliches stattfindet“, sagt er.

Neben den Künstlern der Region will der Kunstverein auch weiterhin überregionale Positionen zeigen: „Zu unserem Bildungsauftrag gehört es, zeitgenössische Positionen vorzustellen, sei es international oder aus anderen Teilen Deutschlands. Der Kunstverein ist aber auch ein Ort des regionalen Austausches und diese Ausstellung ist ein klares Statement für die Künstler in MV.“



Stefanie Büssing

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